Deutsche Minderheit

Feinschliff an der Musicalschule in Hamburg: Liv Asmussen lebt ihren Traum

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Liv Asmussen liebt es, auf der Musicalbühne zu stehen und zu singen.

Mit ihren 23 Lenzen hat Liv Asmussen bereits viel Erfahrung als Sängerin und Musicalkünstlerin sammeln können. Nun macht die gebürtige Bülderup-Bauerin den nächsten Schritt. Liv ist an der „Stage School“ in Hamburg aufgenommen worden und wird dort weiter an ihren Fähigkeiten feilen.

Den Wahlsong für die Schleswigsche Partei hat Liv Asmussen als Angehörige der deutschen Minderheit mit Künstlerkollegen fast im Vorbeigehen produziert. Geht es um Musik und ums Singen, ist die 23-jährige gebürtige Bülderup-Bauerin in ihrem Element.

Seit August hat sie das nächste Kapitel ihrer Musik- und Theaterausbildung aufgeschlagen. Liv Asmussen ist an der „Stage School“ in Hamburg aufgenommen worden und möchte sich dort während einer dreijährigen Ausbildungszeit entscheidend zur Musicaldarstellerin weiterentwickeln.

Woher kommt das Faible fürs Singen und Darstellen?

Live Asmussen beim diesjährigen Knivsbergfest, als sie den von ihr mitproduzierten Wahlsong der Schleswigschen Partei sang (Archivfoto)

„Aus dem Elternhaus eher nicht“, sagt die 23-Jährige lachend, ohne die musikalischen Talente der Eltern Reiner und Tina in Abrede stellen oder lächerlich machen zu wollen.

In der Schulzeit inspiriert

„Es begann in der Schule in Buhrkall, wo es einen Kinderchor gab“, erinnert sich Liv Asmussen an die Anfänge ihrer musikalischen Karriere. Auch an der Deutschen Schule Tingleff, an die sie später wechselte, habe sie im Chor gesungen.

Ihr Talent wurde dabei erkannt. „Mir wurde empfohlen, zusätzlichen Gesangsunterricht zu nehmen. Das habe ich dann bei Susanne Heigold vom BDN gemacht (Dirigentin der Musikvereinigung Nordschleswig, red. Anm.).“

Das Singen sollte die große Leidenschaft und der ständige Begleiter bleiben. „Ich fing in jungen Jahren an, bei Veranstaltungen zu singen und war in einem Gospelchor in Apenrade“, erzählt Liv.

Viele Zwischenstationen bis nach Hamburg

Mit dem Besuch der Hostruper Nachschule und dem dortigen Musical-Schwerpunktfach nahm die Gesangs- und Showausbildung Fahrt auf. „Darüber hinaus war ich als Kirchensängerin unter anderem in Rapstedt tätig und habe in vielen anderen Zusammenhängen gesungen.“

Es folgten eine lehrreiche Zeit an der Musikschule in Holstebro und weitere Ausbildungen an Talentschmieden in Aarhus und Aalborg, bis es nun nach Hamburg ging.

Liv Asmussen hat als Musicaldarstellerin bereits viel Erfahrung sammeln können.

Seit dem 1. Juli hat Liv Asmussen ihre Zelte in der Elbmetropole aufgeschlagen, die sich als Musical-Hochburg einen Namen gemacht hat. Liv sitzt mit ihrer Leidenschaft quasi an der Quelle. Im August geht die Spezialausbildung los.

Ausbildungskosten und Wohnungssuche

„Ich hatte mich bereits 2022 beworben und wurde auch angenommen. Die Ausbildung muss aber selbst bezahlt werden. Ich lehnte erst einmal ab“, erzählt die Nordschleswigerin.

Laut Homepage der „Stage School“ kostet ein Ausbildungsjahr 13.100 Euro – etwa 98.000 Kronen.

Nachdem sie Geld gespart und die finanzielle Ausgangslage abgeklärt hat, geht es nun los. Für die dänische Ausbildungsförderung (SU) sei die „Stage School“ leider nicht anerkannt, bedauert Liv.

Sie kann zusammen mit sechs anderen für ein halbes Jahr bei der dänischen Seemannskirche unterkommen. „Ich werde fürs Wohnen als Sängerin in der Kirche und als Reinigungskraft arbeiten“, erzählt sie.

Danach muss ihr ein für die Stadt Hamburg nahezu aussichtsloses Kunststück gelingen. Es gilt, eine Unterkunft zu finden. „Es wird sicherlich in einer WG sein. Eine eigene Wohnung zu finden, die auch noch bezahlbar ist, wird schwierig.“

Zum Geldverdienen lieber noch nicht in die Musicalszene

Als Nebenjob scheint sich für Liv Asmussen aufgrund ihrer vielen Erfahrungen in der Musik- und Musicalszene ein Engagement bei den Musicalhäusern vor Ort anzubieten. Da könnte finanziell einiges bei herumkommen.

„Der Gedanke hat mich auch schon gestreift. Die Leute von der Stage School haben davon aber abgeraten. Bei den Musicals muss man für die Proben viel zur Verfügung stehen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Energie. Es wäre mit der professionellen Ausbildung nicht zu vereinen“, so Liv, die sich an den Rat halten will.

Die Wohnungssuche blendet sie erst einmal aus und blickt dem Start an der „Stage School“ gespannt entgegen. Dass sie bereits viel Vorerfahrungen und schon verschiedene Ausbildungen genossen hat, wird ihr sicherlich zugutekommen.

Auf der Musicalbühne ist Liv Asmussen in ihrem Element.

„Das hoffe ich auf jeden Fall. Anfang August gibt es eine Einführungswoche, in der die Musicalschülerinnen und -schüler nach Ausbildungsstand und Können eingeteilt werden. Wir bekommen dann unseren Stundenplan, und es geht los“, zeigt sich Liv abgeklärt.

Breites Ausbildungsspektrum

Es heißt dann üben, proben, trainieren. Gesang, Sprechtechnik, Ballett, Fitness, Schauspiel, Musiktheorie, Musiktheatergeschichte und Tanz: Auf Liv Asmussen kommt eine große Bandbreite zu.

„Ich mag gern auf der Musicalbühne stehen und Geschichten erzählen“, sagt Liv über ihre Motivation. Wenn ihr dann noch eine wichtige Figur oder gar die Hauptrolle in einem großen Musical anvertraut werde, wäre das ein Traum.

Liv Asmussen denkt aber schon weiter und in andere Bahnen. „Ich kann mir auch vorstellen, zu unterrichten und junge Talente an das Singen und Theaterspielen heranzuführen.“

Musik und Theater in den Landesteil bringen

Die gebürtige Bülderup-Bauerin denkt dabei vor allem an die ländlichen Räume und an den Landesteil, in dem sie aufgewachsen ist:

„Ich würde mir wünschen, dass Musical, Gesang und Theater viel mehr in den Randgebieten präsent sind. Ich bin selbst in einem Landesteil aufgewachsen, in dem in der Freizeit Handball und Fußball vorherrschend waren. Ich musste von hier wegziehen, um intensiver etwas mit Musik und Theater zu machen. Das finde ich schade, und das würde ich gern ändern“, sagt Liv.