Geschäftswelt

Fast 40 Jahre Modeboutique auf dem Lande: Jetzt hört das Ehepaar Thygesen auf

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Kirsten und Tom Thygesen im einstigen Stall, der zu einem Verkaufs- und Eventraum umgebaut wurde.

Trotz der Abgeschiedenheit haben sich Kirsten und Tom Thygesen viele Jahre lang mit einem Modegeschäft über Wasser halten können. Aus Altersgründen geben sie den Laden nun auf. Wie alles begann, erzählen die beiden im Interview.

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen – böse Zungen würden den Standort in Fauderup mit am Allerwertesten der Welt bezeichnen – gibt es seit über 36 Jahren die Damenmode-Boutique Kitex – abgeleitet vom Namen der Betreiberin Kirsten (Ki) Thygesen und des Begriffs Textilien (Tex).

Nun ist bald Schluss. Aus Altersgründen haben die 72-jährige Kirsten und ihr 76-jähriger Mann Tom entschieden, das Geschäft in der Fogderup Bygade zu schließen und das umfunktionierte große landwirtschaftliche Anwesen möglichst zeitnah zu verkaufen. Der Schlussverkauf hat begonnen.

„Es ist schon mit Wehmut verbunden, das Kapitel nach so vielen Jahren zu beenden“, sagt die Geschäftsfrau mit einem Seufzer. „Wir haben es uns aber reiflich überlegt“, ergänzt Ehemann und Mitarbeiter Tom.

Fürs Aufhören Zeit lassen

Hinweisschild auf das Geschäft Kitex im beschaulichen Fauderup. Trotz der Abgeschiedenheit besteht der Laden seit fast 40 Jahren.

Von heute auf morgen ziehen die Thygesens allerdings nicht die Reißleine. „Wir haben keinen Zeitdruck, da wir die Gebäude nicht gemietet haben. Wir werden den Schlussverkauf in aller Ruhe durchführen“, sagt Kirsten Thygesen.

Während Kirsten die vielen Jahre für die Beratung und Bedienung im Laden zuständig war, hat Tom Thygesen die praktischen Dinge einschließlich Umbau der großen Immobilie in ein lang gezogenes Modegeschäft erledigt. Auch bei der Buchhaltung brachte und bringt sich Tom ein.

Der Laden befindet sich im Erdgeschoss, das Ehepaar Thygesen wohnt im ersten Stock.

Das Ehepaar Thygesen am einfach gehaltenen Eingang zu ihrem Laden.

Neuland betreten

Dass die gelernte Erzieherin aus der Laune heraus mal ein Modegeschäft aufbauen und in der Abgeschiedenheit so lange am Laufen halten kann, hatte sie anfangs nicht für möglich gehalten, gesteht die 72-Jährige.

Es war eigentlich als Nebenbeschäftigung, als Hobby gedacht, mit dem Verkauf weniger Produkte. Es wurden dann mehr und es entstand das Geschäft im ehemaligen Bauernhof.

„Die Kundinnen mögen den persönlichen Flair und das ungestörte Stöbern“, berichtet Kirsten Thygesen, die ihren Kundinnen stets Kaffee zum Selbstbedienen hinstellt.

„Mit so manchen Kundinnen könnten wir Silberhochzeit feiern. Wir haben sehr viele treue Kundinnen aus ganz Nordschleswig und von noch weiter weg.“

Einen Namen machte sich Kitex unter anderem auch mit Modenschauen. Die Thygesens bauten dafür den alten Stall in eine kleine Eventstätte um. Eigene Modenschauen wurden dort veranstaltet oder die Räumlichkeiten mit Laufsteg an Firmen oder Vereine vermietet. Mit diesem Zusatzangebot blieb Kitex in aller Munde.

Kirsten Thygesen in ihrem Element. Seit fast 40 Jahren verkauft sie Kleidung für Damen.

„Die Modenschauen haben wir mit der Corona-Pandemie allerdings eingestellt“, so Kirsten Thygesen.

Mode und mehr

Neben Damenmode hat sie das Angebot auf der insgesamt 650 Quadratmeter umfassenden Verkaufsfläche mit Accessoires wie Taschen und Dekoartikeln erweitert. Herrenmode kam nicht ins Haus. „Am Anfang hatten wir noch Herrenkleidung. Wir haben es dann aber weggelassen und sind gut damit gefahren“, so die bald ehemalige Ladenbetreiberin.

Auch ein Onlinehandel kam für das Ehepaar nicht infrage. Sie informieren zwar auf ihrer Homepage und auch auf Facebook über ihre Produkte. Wer etwas kaufen möchte, muss aber in den Laden kommen. „Das andere ist zu aufwendig, und wir sind dafür zu alt“, sagt Kirsten Thygesen mit einem Schmunzeln.

Schwenkten beruflich um und handeln seit mehr als 36 Jahren mit Mode: Kirsten und Tom Thygesen.

Sie und ihr Mann planen, in absehbarer Zeit nach Fünen zu ziehen, um näher bei den beiden Söhnen und deren Familie zu sein.

Mit so manchen Kundinnen könnten wir Silberhochzeit feiern.

Kirsten Thygesen

Es gilt allerdings noch, die Immobilie in Fauderup zu verkaufen. Dass eine neue Besitzerin oder ein neuer Besitzer das Geschäftsmodell weiterführen, damit rechnet das Ehepaar Thygesen nicht. „Das Anwesen und die Gebäude haben aber viel Potenzial. Es kann hier anderes Gewerbe entstehen und der große Saal könnte vermietet werden“, so Kirsten Thygesen mit der Hoffnung, dass sich in absehbarer Zeit Käufer finden werden.