Kommentar

„Ein Hoch auf die Einzelhandels-Helden“

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Der Apenrader Handelsverein Shop i City sorgt mit Beleuchtung und jahreszeitlich wechselnden Dekorationen für Stimmung (Archivfoto).

Alle wünschen sich Vielfalt und Leben in den Citys – doch der lokale Handel verschwindet zunehmend aus dem Stadtbild. Warum das so ist, welche Ideen Hoffnung machen und warum am Ende jede und jeder Einzelne zählt.

Es ist ein Paradox: Wir Bürgerinnen und Bürger wünschen uns lebendige Innenstädte mit verschiedenen Einkaufs-Angeboten. Beim Blick in die Citys ist jedoch nicht zu übersehen: Es sind meist die gleichen Geschäftsketten, die sich dort breitmachen. Es gibt kaum noch lokale Geschäftsleute, die Abwechslung bringen.

Lokale Handelnde unter Druck

Wir wissen auch, woran das liegt: Es wird immer schwieriger für die lokalen Geschäftstreibenden, gegen die Übermacht aus dem Internet anzukommen. Die Auswahl und die Preise sind schwer zu schlagen.

Dass es dagegen kaum Beratung gibt, fällt nicht ins Gewicht – denn diese holen sich die Kundinnen und Kunden gerne immer noch vor Ort. Gekauft wird dann allerdings „fremd.“

Wenn die Innenstadt verarmt

Unter der „Innenstadtverarmung“ leiden Cafés, Kulturveranstaltungen, das Vereinsleben – und auch der Tourismus. Darauf verweist eine Untersuchung des dänischen Gewerbeverbandes Dansk Erhverv. Die Innenstadt als Treffpunkt, als sozialer Raum und Ort des zufälligen Erlebens – sie gerät unter Druck.

Doch es gibt Gegenbewegungen. Es gilt, neue Wege zu denken, damit Menschen weiterhin gerne in die Stadt kommen – nicht nur zum Einkaufen, sondern zum Erleben.

Neue Wege für neue Zeiten

Auch zeitlich begrenzte Konzepte wie soziale Initiativen zeigen, wie Innenstadt neu gedacht werden kann. In Apenrade gibt es beispielsweise die gemeinnützige Initiative „Et hjerte for alle“, die zeitweise in leer stehende Geschäftsräume einzieht.

Die Universität Süddänemark hat in Kolding gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Geschäftsleuten sowie Immobilienbesitzenden innovative Ideen für ungenutzte Stadträume entwickelt. Der Schlüssel dabei: lokale Einbindung und flexible Nutzung. Ein solcher Ansatz könnte sein, leer stehende Ladenflächen für sogenannte Pop-up-Shops zu vermieten. Das bringt wechselnde Angebote in die Stadt – und zieht Menschen an.

Erlebnis statt einfach einkaufen

Der Besuch in der Stadt soll ein Erlebnis sein. Deshalb veranstaltet Shop i City unter anderem Sonnabende, an denen auf den Plätzen im Innenstadtbereich Musik gemacht wird. Die beliebten „By-night-Angebote“ tragen ebenfalls dazu bei – und natürlich die lokalen Kaufleute selbst, die sich kreativ beteiligen und ihre Kundschaft kennen. Die Geschäfte in der Stadt haben an den „By-night-Tagen“ bis 22 Uhr geöffnet, begleitet von Live-Musik in der Einkaufstraße sowie Bier- und Grillwurstständen.

Rückenwind aus der Politik

Auch die Politik beginnt, gegenzusteuern. Die dänische Regierung hat die gesetzlichen Öffnungszeiten angepasst: Geschäfte in Städten unter 16.850 Einwohnenden dürfen künftig auch an Feiertagen wie Pfingsten öffnen. Apenrade fällt eben noch darunter. Ziel ist es, den lokalen Handel und den Tourismus zu stärken – und auch Arbeitsplätze zu sichern. Die Neuregelung soll allerdings erst nach der nächsten Folketingswahl in Kraft treten.

Mutige Menschen mit Ideen

Es sind nach wie vor die engagierten Kaufleute vor Ort, die – trotz aller Hürden – an den lokalen Handel glauben. Sie gibt es in Apenrade, aber auch in Tingleff (Tinglev), Pattburg (Padborg) oder in Klipleff (Kliplev). Mit ihren Geschäften prägen sie das Gesicht der Ortschaften.

Einige von ihnen zeigen ihr Können jetzt erneut bei Aabenraas helte (Apenrader Helden), einer Veranstaltung des kommunalen Wirtschaftsverbands Business Aabenraa. Fünf Finalisten präsentieren in der Sønderjyllandshalle ihre Geschäftsideen und stellen sich einer Fachjury. Es sind Menschen mit Mut, die sich gegen die großen Anbieterinnen und Anbieter stellen – und mit Persönlichkeit und Nähe die lokale Handelswelt bereichern.

Entscheidung liegt bei den Bürgerinnen und Bürgern

Wie sich die Zukunft der Innenstädte entwickelt, hängt jedoch nicht allein von diesen „mutigen Helden“ ab. Es liegt vor allem an uns Bürgerinnen und Bürgern – an unserem Kaufverhalten, unserem Blick für das, was vor der eigenen Haustür passiert. Nur wer lokal kauft, hält die lokale Vielfalt lebendig.