Kirche

Die Schätze der Tonderner Christkirche werden abgestaubt

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Für Kim Alberdi (l.) und Ann Liss Petersen ist die Christkirche in Tondern zurzeit ihr Arbeitsplatz.

Die historischen Epitaphien werden zurzeit einer Reinigung durch ein Team des Nationalmuseums unterzogen. Für das Projekt hat der Tonderner Gemeinderat jahrelang gespart. Hinter einer Gedenktafel kam ein Gruß mit der Hoffnung auf Frieden von vier Handwerkern zum Vorschein, die im Zweiten Weltkrieg die hölzernen Wandbilder restaurierten.

Schwindelfrei müssen Ann Liss Petersen und ihr Kollege Kim H. Alberdi sein. Zurzeit arbeiten die Konservatorin und der Holzexperte des dänischen Nationalmuseums in der Tonderner Christkirche auf hohen Baugerüsten und reinigen einige der größten Schätze des Gotteshauses. Einige der 14 Epitaphien, mit denen sich reiche Familien mit großen geschnitzten Wandbildern in der Kirche verewigten, müssen abgestaubt werden.

Mit Pinseln und Staubsaugern ausgerüstet, befreien Petersen und Alberdi die historischen Kunstwerke vom Schmutz, der sich über die Jahre dort abgesetzt hat. Das Älteste, mit dem sich der Bürgermeister Carsten Andersen ein Denkmal setzte, ist fast 450 Jahre alt. Es stammt vermutlich aus dem Jahr 1578 und wurde das letzte Mal im Jahr 1942 gereinigt. Es hing vermutlich schon in der Vorgängerin der Christkirche, der Sankt Nicolaikirche, die 1591 abgerissen wurde. In diesem Gotteshaus hing vermutlich auch das Epitaph, mit dem Andersens Bruder Thomas und seine Familie der Nachwelt über ihr „heilvolles“ Wirken berichten.

Hinter einem Wandbild machen Alberdi und seine Kollegin eine besondere Entdeckung aus dem Zweiten Weltkrieg. Dort geben vier Handwerker (P. K. Andersen, Valdemar Carstensen, Sv. E. Ihle und Axel Svendsen) ihre Hoffnung auf einen baldigen Frieden zum Ausdruck. Sie restaurierten 1944 dieses Epitaph. „Am 24. August 1944 eroberte die Rote Armee Rumänien, gestern musste sich die deutsche Wehrmacht in Paris ergeben. Der Frieden nähert sich“, so die Hoffnung der Vier.

Mit Pinsel und Staubsauger werden die reichen Holzschnitzereien gesäubert.

Fünf Gedenktafeln stehen für Ann Liss Petersen und Kim Alberdi auf dem Arbeitsplan für ihren sechstägigen Einsatz, verteilt über zwei Wochen. Die beiden Experten des Nationalmuseums sind für diese Woche abgereist und kommen am Montag, 19. Mai, wieder.

Bei der Restaurierung eines Epitaphs kam dieser Stück Brett zum Vorschein.

Kostspieliger Einsatz

Die Säuberung von Putz und Staub ist ein kostspieliges Unterfangen. Dafür hat der Tonderner Kirchengemeinderat jahrelang gespart und reserviert seit zehn Jahren für derartige Projekte 50.000 Kronen jährlich. Das aktuelle Projekt wird den Gemeinderat rund 250.000 Kronen (Säuberung von fünf Gedenktafeln, Baugerüste und Kostenvoranschlag für das Tychs Epitaph) kosten.

„Zurzeit stehen knapp 770.000 Kronen auf diesem Konto“, erzählt das Tonderner Gemeinderatsmitglied Jørn Vestergaard, der als „kirkeværge“ für die Bauten der Kirche und ihr Innenleben verantwortlich ist.

„Es ist teuer, das gebe ich zu. Aber was muss man nicht heute schon für einen Architekten bezahlen. Deswegen sparen wir auch Geld, denn es ist für uns eine Verpflichtung, dieses einzigartige Kulturerbe für die nächsten Generationen zu bewahren. Es gibt kaum eine Kirche in Dänemark mit so vielen und so kostbaren Epitaphien wie die Christkirche. Sie sind Ausdruck der Glanzzeiten der Stadt, die es mit Viehhandel und Tonderner Spitzen zum Wohlstand gebracht hatte“, erzählt er. Die St. Nicolaikirche wurde 1591 wegen Einsturzgefahr abgerissen.

Hoch hinaus: Das Team des Nationalmuseums bei ihrer Arbeit

Auf dieses Wandbild von Nicolai Tychs freue ich mich besonders.

Kim Alberdi

„Das ist schon eine sehr, sehr tolle Sammlung. Sie ist schön und fantastisch“, bestätigt Kim Alberdi beeindruckt. Er ist der Holzexperte und untersucht die Epitaphien nach möglichem Insektenbefall, Rissen und Ähnlichem. Seine Kollegin ist für die Malereien auf den Kirchenbildern und ihre Farben verantwortlich. Sie bestätigen beide, dass auf den Epitaphien eine dicke Schicht Schmutz liegt. „Es fühlt sich fast wie Samt an“, meint Ann Liss Petersen.

Während ihrer Zeit in Tondern können sie und ihr Kollege fünf Wandbilder schaffen, eines mehr als vorgesehen, da sie lange arbeiten und schneller fertig werden als erwartet. Dabei kommt das „dicke Ende noch“: das Epitaph von Amtsschreiber und Oberinspektor von Schackenborg, Nicolai Tychs, das schätzungsweise sieben Meter hoch ist. „Auf dieses Wandbild freue ich mich besonders“, so der Handwerker des Nationalmuseums.

Ein Größenvergleich: Jørn Vestergaard ist 1,74 Meter groß. Daneben das monumentale Tychs-Epitaph. Was eine Reinigung kostet, soll erst untersucht und eine Schätzung abgegeben werden.

Eine Säuberung dieses monumentalen Wandbildes ist nicht vorgesehen. „Eine Säuberung würde nach vorsichtigen Schätzungen mehrere Millionen Kronen kosten. Das können wir gar nicht selbst stemmen. Wenn dieses Epitaph an der Reihe ist, müssen wir bei Stiftungen Gelder beantragen“, ist sich Gemeinderatsmitglied Vestergaard sicher. Nun sollen die beiden Mitarbeiter des Nationalmuseums zunächst eine vorläufige Schätzung abgeben.

Wer Alberdi und seiner Kollegin bei der Arbeit zuschauen will, kann dies in der kommenden Woche von Montag bis Mittwoch tun. Die Kirche ist offen.