Historisches Apenrade

Die Frau, die die Geschichte voraussah – Jomfru Fannys Erbe

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Das rote Haus links war das Wohnhaus von Fanny Enger.

Jomfru Fanny wurde 1805 in Apenrade geboren. Gerüchte gingen schon zu ihren Lebzeiten um, dass das unehelich geborene Mädchen „blaues Blut“ in den Adern hätte. In Träumen erschienen ihr Zukunftsvisionen. Eine Gabe, die ihr ebenfalls schon früh zugesprochen wurde.

Wer durch die Apenrader Altstadt spaziert, kommt über kurz oder lang durch die Persillegade. Dort ist auf einem Schild des Hauses mit der Nummer 3 zu lesen: Her boede Jomfru Fanny. Übersetzt: Hier wohnte die Jungfrau Fanny.

Jomfru Fanny hieß mit bürgerlichem Namen Franziska Caroline Elise Enger. Zu ihren Lebzeiten kam das Gerücht auf, sie wäre das voreheliche Kind von König Christian VIII. und seiner Verlobten, Prinzessin Charlotte Frederikke zu Mecklenburg-Schwerin.

Unehelich geboren

Sicher ist jedoch: Die spätere Jomfru Fanny war ein uneheliches Kind. Geboren wurde sie am 31. August 1805 als Tochter von Christine Maria Margretha Heise und dem Waldjäger Friedrich Enger, der auf dem Gut Vietow im Herzogtum Mecklenburg bei Rostock beschäftigt war. Friedrich Enger floh wahrscheinlich vom Gut, da der Gutsbesitzer seinen Zahlungen nicht mehr nachkommen konnte. Er ließ die schwangere Christine Maria Margretha Heise allein zurück.

Sie folgte dem geflohenen Gutsbesitzerpaar nach Apenrade.

Wegen ihrer Schwangerschaft kam Fannys Mutter Christine Maria Margretha Heise in die Dienste des Apenrader Amtmannes Conrad Daniel Graf Blücher, der im heutigen Brundlunder Schloss lebte. Dort brachte sie ihre Tochter zur Welt.

Fanny Enger wurde gemeinsam mit den Kindern des Amtsmannes unterrichtet.

Lebensunterhalt mit Schneiderarbeiten verdient

Eine kleine, in die Wand eingelassene Tafel weist auf die frühere Bewohnerin hin.

Christine Maria Margretha Heise verdiente ihr Geld als Schneiderin und Waschfrau.

Schon mit zwölf Jahren hatte ihre Tochter Franziska Caroline Elise (Fanny) Enger erste Träume, in denen sie unter anderem den Verlauf und das Ende des ersten Schleswigschen Krieges voraussah. Auch die Kriege von 1864 und 1870 sowie die Angliederung Nordschleswigs an Dänemark (im Dänischen „Genforening“ genannt) soll sie später vorhergesagt haben.

Ihre Vorhersagen machten im unter preußischer Regie stehenden Nordschleswig die Runde und sorgten unter den dänisch gesinnten Menschen dafür, dass diese den Mut nicht verloren.

Fanny Enge, wie sie seit Kindertagen genannt wurde, lernte an einer deutschen Schule Lesen und Schreiben. Mit der Mutter sprach sie – weil diese aus Mecklenburg kam – wahrscheinlich Deutsch. Sie war aber auch des Dänischen und auch etwas des „Synnejysk“ mächtig. Das geht aus Aufzeichnungen hervor.

Verewigt in Büchern

Der Grabstein von Fanny Enge auf dem Apenrader Friedhof

Nach ihrem Tod wurden mehrere Bücher über sie geschrieben, die die Mythen zementierten. Wegen ihres Inhalts waren sie in der deutschen Besatzungszeit verboten.

Auch Fanny selbst schrieb ihre Erinnerungen in Büchern nieder. So verdiente auch Fanny Enger ihr Geld mit Schneiderarbeiten und dem Waschen von Kleidern der herrschaftlichen Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

Von erspartem Geld kaufte sie sich 1834 das Haus in der Persillegade, wo sie aber erst Mitte der 1850er-Jahre einzog. So lange war es wahrscheinlich vermietet.

Fanny selbst lebte bei einer Familie in der Storegade.

Kein „blaues“ Blut in den Adern

Weil sie nie heiratete, bekam sie bald den Namen Jomfru Fanny, der ihr bis in den Tod 1881 folgte. Grab samt Grabstein sind auf dem Apenrader Friedhof zu finden.

Geschichtswissenschaftler haben mit großer Sicherheit belegt, dass Franziska Caroline Elise Enger keine adeligen Wurzeln hatte.

Einige ihrer geknüpften Handarbeiten sind heute im Kulturhistorischen Museum der Stadt ausgestellt.