Geschichte

Der Einmarsch Hitlerdeutschlands: Widerstandskampf im Fokus des Gedenkens

Veröffentlicht Geändert
Widerstandskämpfer, aufgenommen in Apenrade

Am 9. April jährt sich die Besetzung Dänemarks durch Hitlers Nazi-Deutschland zum 85. Mal. Der gewaltsame Einmarsch war die Geburtsstunde der dänischen Widerstandsbewegung, die das Museumswesen aus aktuellem Anlass in den Mittelpunkt rückt.

Der 9. April ist ein besonderer Gedenktag in Dänemark. An dem Tag vor 85 Jahren rollten deutsche Panzerwagen über die Grenze, während deutsche Flugzeuge Flugblätter abwarfen, die die Besetzung des Königreichs verkündeten. Es war der Beginn einer fünfjährigen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg, die erst mit der Zerschlagung des Hitlerregimes im Mai 1945 endete.

In Pattburg (Padborg) wird jedes Jahr am 9. April der drei Grenzgendarmen gedacht, die von einer deutschen Vorhut in Zivil erschossen wurden. Ihr Leben ließen damals in den frühen Morgenstunden Albert S. Albertsen, Johannes P. Birk und Anders A. Hansen. Die Zeremonie zu Ehren dieser drei Grenzbeamten findet ab 10 Uhr am Gedenkstein im Gendarmhaven in der Nørregade unweit des Eisenbahnviadukts statt.

Startschuss des Widerstands

Der Gedenkstein in Pattburg zu Ehren der drei Grenzgendarmen, die beim Einmarsch Hilterdeutschlands 1940 getötet wurden

Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht und die Besatzung waren auch der Beginn der dänischen Widerstandsbewegung.

Laut einer Mitteilung des Nationalmuseums leisteten auch in Nordschleswig und Südjütland Tausende Menschen auf unterschiedliche Weise Widerstand. Dies lässt sich aus der großen Widerstandsdatenbank des Freiheitsmuseums (Frihedsmuseums) in Kopenhagen entnehmen.

Museumskuratorin Gry Scavenius Bertelsen ist für das Archiv des Freiheitsmuseums und damit auch für die Widerstandsdatenbank verantwortlich. Bertelsen ist darüber hinaus für das Fröslevlager bei Pattburg tätig.

Anlässlich des 9. April richtet das Museumswesen den Blick noch einmal gezielt auf Widerstandskämpferinnen und -kämpfer jener Zeit.

Schulleiterin kontra Hitlerregime

Eine von ihnen war die Direktorin der Haushaltsschule auf Alsen (Als Husholdningsskole) Johanne Hansen (1890-1981). Sie war während der Besatzungszeit an allen möglichen Aktivitäten beteiligt – von der illegalen Pressearbeit über die Arbeit als Kurierin bis hin zur Bereitstellung von Unterkünften für Menschen auf der Flucht.

1944 wurde Johanne Jensen laut Mitteilung des Museums verhaftet und im Frøslevlager interniert, bevor sie in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wurde. Sie kam mit den Weißen Bussen im Rahmen einer Rückholaktion von skandinavischen KZ-Gefangenen nach Dänemark zurück.

Während der Besatzungszeit in Dänemark tauchten immer neue Widerstandskämpfer auf. Johanne Hansen ist demnach eine der fast 100.000 Däninnen und Dänen, die in der Widerstandsdatenbank registriert sind.

„Viele Dänen haben die Datenbank durchforstet und Informationen über ihre Familienmitglieder gefunden. Es ist möglich, bestimmte Personen zu finden und zu ermitteln, an welchen Widerstandsaktivitäten sie beteiligt waren. Die Datenbank bietet außerdem einen guten Einblick in die Organisation der dänischen Widerstandsbewegung“, so Gry Scavenius, die als Mitarbeiterin des Fröslevlagers und Archivleiterin der Widerstandsdatenbank gleich in mehrfacher Hinsicht mit dem Einfluss des Zweiten Weltkrieges auf Dänemark zu tun hat.

Neue Daten und Namen werden eingearbeitet

Trotz des umfangreichen Datenmaterials könne man nicht von einer Vollständigkeit sprechen. „Wir hatten noch nicht die Möglichkeit, das gesamte Quellenmaterial zu sichten. Darüber hinaus haben nicht alle Widerstandskämpfer Spuren hinterlassen. Wenn wir neue Informationen bekommen, wird die Datenbank aktualisiert“, ergänzt die Historikerin.

Die Widerstandsdatenbank wurde zuletzt 2024 aktualisiert, als das Freiheitsmuseum auf eine bislang unbekannte Widerstandskämpferin aufmerksam wurde.

Jeder kann in der Widerstandsdatenbank auf die Suche gehen, heißt es in der Mitteilung. Die Datenbank des Freiheitsmuseums ist kostenlos und öffentlich zugänglich für jeden, der sich mit den dänischen Widerstandskämpfern befassen möchte.

Hier kann man unter anderem erfahren, dass der Widerstand in Nordschleswig und Südjütland Liquidierungen und Eisenbahnsabotage sowie Geheimdienstaktivitäten und Fallschirmspionage umfasste.

Allgemeine Fotos aus der Besatzungszeit sind ebenfalls online über die Homepage des Freiheitsmuseums aufrufbar.