Wirtschaft

Der alte Lokschuppen in Tondern steht vor dem Abriss

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Der Lokschuppen und die Umgebung sehen wüst aus (Archivfoto).

Die neuen Besitzer sehen keine Möglichkeit, das historische, aber stark heruntergekommene Bauwerk aus den Glanzzeiten des florierenden Bahnwesens in der Wiedaustadt zu erhalten. Doch das fast 130 Jahre alte Gebäude ist als bewahrenswert eingestuft.

Sein Vater Tommy Boysen machte es ihm schon vor einigen Jahren mit dem Kauf der leerstehenden Schlachterei in Tondern vor, als er diese nach ihrer Stilllegung Danish Crown abkaufte und dort ein 2.700 Quadratmeter großes Lagerhotel einrichtete. Jeder Quadratmeter ist an lokale Firmen vermietet.

Nun macht Mikkel Boysen es dem Vater nach. Mit einem Freund hat er den zum Schandfleck verwahrlosten Lokschuppen in Tondern gekauft.

Die beiden Männer haben den alten Lokschuppen am Papegøjesti erworben, der seit seiner Stilllegung ein tristes Dasein fristet. Als hätten die letzten Bahnangestellten gerade ihren Arbeitsplatz verlassen, liegt der Hammer noch auf dem Amboss.

Magische Anziehungskraft

Und die schönen Fensterpartien in dem als bewahrenswert klassifizierten Gebäude zeugen von regen Aktivitäten nach der Ausmusterung der Remise. Dort ist fast keine Fensterscheibe mehr heil und das Innere des Lokschuppens zeugt davon, dass hier ungebetene Gäste am Werk gewesen sind, auf die der Lokschuppen eine magische Anziehungskraft ausgeübt hat.

Nach dem jahrzehntelangen Leerstand ohne Instandsetzungsarbeiten ist der Zustand dementsprechend schlecht. Daher soll das Betriebswerk mit einst elf Ständen, einer Drehscheibe, Werkstatt und Wasserturm abgerissen werden, sofern die beiden neuen Besitzer die Erlaubnis bekommen.

Der Lokschuppen wurde 1958 von den dänischen Staatsbahnen außer Betrieb gesetzt. Im selben Jahr startete die Firma Tønder Maskinforretning eine Kesselschmiede, bis die Privatbahn „Privatbanen Sønderjylland“ 1997 Nutzer bis zu ihrem Konkurs 2001 wurde.

Es folgten große Pläne für den Lokschuppen, dessen älteste Teile aus dem Jahr 1887 stammen. Der dänische Arzt Peter Malmquist erwarb 2008 das Gebäude vom früheren Polizisten und Betreiber des Campingsplatzes in Tondern, René Bunck, für 600.000 Kronen. Ein Eisenbahnmuseum wolle der Bahnenthusiast einrichten. Doch aus den Plänen des in Norwegen tätigen Mediziners wurde nie etwas. Im vergangenen Jahr kam es zum Konkurs.

Peter Malmkvist wollte in der Remise ein Bahnmuseum einrichten (Archivfoto).

Exklusive Konzertstätte

Neben dem Bahnmuseum kam auch eine kulturelle Nutzung der Remise ins Gespräch. Als neue Konzertstätte für das Tønder Festival. Der Festivalplatz liegt nur einen Katzensprung vom Lokschuppen entfernt. Doch auch diese Pläne scheiterten aufgrund der finanziellen Herausforderungen.

Am Wochenende wurde schon mit dem Aufräumen angefangen. Es war nicht möglich, einen Kommentar von Mikkel Boysen zu bekommen. Doch sein Vater Tommy bestätigte den Kauf und den geplanten Abriss, der die Herzen der Bahnenthusiastinnen und -enthusiasten bluten lässt.

Die Bahn und Tondern

Auf dem Gelände des Lokschuppens wurde vor Jahren ein Beschäftigungsprojekt für Arbeitslose durchgeführt (Archivfoto).