Glaube

„Das war der schwierigste Gottesdienst in meinen fünf Jahren in Tondern“

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Dorothea Lindow ist seit 2020 Pastorin der deutschen Kirchengemeinden in Tondern und Uberg (Archivfoto).

Am Sonntag, 4. Mai, findet in der Christkirche ein deutsch-dänischer Friedensgottesdienst statt. Bei seiner Vorbereitung durchlebten die Pastorinnen Dorothea Lindow und Trine Hauge Nielsen ein Wechselbad der Gefühle. Auch in Lügumkloster feiern die deutsche und dänische Kirchengemeinde das Ende des Zweiten Weltkriegs.

„Ich habe Nächte wach gelegen, habe geweint und wollte am liebsten weglaufen. Das ist wohl der schwierigste Gottesdienst in meinen fünf Jahren in Tondern.“

So beschreibt die deutsche Gemeindepastorin Dorothea Lindow ihre Gefühlslage, die sie bei der Vorbereitung des deutsch-dänischen Friedensgottesdiensts durchlebt hat, zu dem am Sonntag, 4. Mai, um 19 Uhr in Tonderner Christkirche eingeladen wird.

Als der Friedensgottesdienst der Theologinnen beschlossen wurde, ahnten die deutsche Pastorin für Tondern (Tønder) und Uberg (Ubjerg) sowie ihre dänische Kollegin Trine Hauge Nielsen nicht, welchem Wechselbad der Gefühle sie sich aussetzen würden, um den 80. Jahrestag des Waffenstillstandes und der Befreiung Dänemarks vom Nazi-Regime in einem gemeinsamen Gottesdienst feiern zu können.

Anruf bei Pröpstin

„Wir waren aufgewühlt und wegen der freigesetzten Gefühle so verunsichert, dass wir sogar Pröpstin Christina Rygaard Kristiansen angerufen haben“, berichtet die Seelsorgerin. Sie wunderte sich auch über ihre eigenen Gefühle.

Welches Lied – ein deutsches oder ein dänisches – singt man zuerst, welchen Inhalt soll die Predigt haben usw.? Der Friedensgottesdienst wurde auf dänischer Seite als „befrielsesgudstjeneste“ bezeichnet. „Schon da sieht man den Zusammenstoß zweier Kulturen. Aber letztendlich wollen wir alle den Frieden, und wir müssen lernen, einander zu vertrauen“, meint Dorothea Lindow.

Sie habe wie ihre Kollegin im Vorfeld viele Gespräche mit jungen und älteren Menschen geführt und sprach mit Deutschen, Dänen und Zugezogenen.

Die Einladung zum deutsch-dänischen Gottesdienst am Sonntag in der Christkirche.

Die Reaktionen habe die ganze Bandbreite der Gefühlswelt gezeigt. „‚Das geht gar nicht, ich bleibe weg‘, so eine Antwort. Andere reagierten positiv“, erzählt Dorothea Lindow. „Die Reaktionen überraschten mich, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich Zugezogene und erst vor fünf Jahren nach Tondern gekommen bin.“

„Obwohl sich die meisten nicht mehr an die Befreiung vor 80 Jahren erinnern können, weckt der Krieg manche schmerzhafte Erinnerung und Schicksale, die von den Familien weitergetragen worden sind.“

Der Prozess und der Gedankenaustausch waren aus theologischer und persönlicher Sicht schmerzhaft, aber auch lehrreich.

Dorothea Lindow

Daher war Fingerspitzengefühl gefragt

„Der Prozess und der Gedankenaustausch waren aus theologischer und persönlicher Sicht schmerzhaft, aber auch lehrreich. Wir mussten unsere Empfindlichkeiten erkennen und unsere Grenzen abstecken. Aber Trine und ich kamen auf einen Nenner, denn der Glaube verbindet uns“, so die Pastorin.

Nun habe man sich auf eine Abfolge des Gottesdienstes geeinigt, die mit einem Lied der dänischen Widerstandsbewegung beginnt. Ein deutsches Lied, das gesungen wird, ist von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis hingerichtet wurde.

Als Grundlage der Predigt wählten die Pastorinnen einen Bibelvers, der von den beiden in je ihrer Sprache interpretiert wird. „Trine und ich haben uns entschieden, dass keiner weiß, was die andere sagen wird.“ Unterstützt werden sie von ihrer Kollegin Sarah Jane Redmund.

Vormittags wird Dorothea Lindow am Sonntag, 4. Mai, um 10.30 Uhr ebenfalls den deutschen Gottesdienst in Hoyer (Højer) leiten. Auch dieser wird als Friedensgottesdienst gestaltet.

Deutscher-dänischer Friedensgottesdienst in Lügumkloster

Wesentlich einfacher verlief die Vorbereitung des deutsch-dänischen Friedensgottesdienstes in der Kirche zu Lügumkloster (Løgumkloster) zu dem am Sonntag, 4. Mai, um 10.30 Uhr eingeladen wird. (Damit entfällt der eigentlich geplante deutsche Gottesdienst.)

Die deutsche Kirchengemeinde und Pastor Matthias Alpen freuen sich, zur Teilnahme eines gemeinsamen Friedensgottesdienstes eingeladen worden zu sein. Die Pastoren Simon Jylov und Matthias Alpen gestalten den Gottesdienst mit vielen Beteiligten, unter anderem Mahara Jacobsen (Gesang) und Lise-Lotte Kristensen (Orgel).

Das biblische Motto ist ein Vers aus dem Epheserbrief (Eph. 4,5f): „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.“

Pastor Matthias Alpen freut sich über die Einladung (Archivfoto).

In den Besinnungen der Pastoren geht es um die Geschichte des Grenzlandes, doch zentral ist die Frage nach dem Frieden heute, in einer Welt, die so unruhig geworden ist. Aus einem Lied: „Wo Menschen sich vergessen und neu beginnen, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.“

Konfirmation in Lügumkloster am 3. Mai

Es können Lichter angezündet werden. Der Gottesdienst wird von einem meditativen Charakter bestimmt, erklärt Pastor Matthias Alpen. Er lädt am Vortag um 10 Uhr zur deutschen Konfirmation ein. Emil Waldemar Homann wird eingesegnet.