Kultur

Das Tønder Festival kämpft mit finanziellen Nachwehen des Unwetters

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Bei heftigem Regen und kräftigen Sturmböen wurde der Festivalplatz am Abschlussabend unter Wasser gesetzt (Archivfoto).

Die Höhe des Defizits steht offiziell noch nicht fest. Das extreme Wetter hat den Verantwortlichen die Augen geöffnet, dass Änderungen im Geschäftsmodell erforderlich sind. Die Vorsitzende des Festivalvereins glaubt beim Blick in die Zukunft an die Kraft der Gemeinschaft.

Der Kartenverkauf und die Rückendeckung des Publikums für die 50. Ausgabe des Tønder Festivals im August 2024 gehen als historisch gut in die Festivalgeschichte ein. Dass das Festival dennoch sieben Monate später mit finanziellen Herausforderungen kämpft, ist dem extremen Unwetter am Freitag und insbesondere am sonnabendlichen Abschlussabend der Veranstaltung zuzuschreiben.

Die schweren Wetterbedingungen führten zu hohen zusätzlichen Ausgaben. „Und leider ist die Versicherung nicht gewillt, im erwarteten Maß Schadenersatz zu zahlen“, geht aus einer Pressemitteilung des Festivals hervor.

„Als wir uns am Festivalfreitag mit einem möglichen Orkan befassten sowie mit dem Sturm und dem Taifun am Sonnabendabend, standen wir auch vor einer harten Erkenntnis: Wir können das Festival nicht als selbstverständlich auffassen“, sagt die Festivaldirektorin Kristina Lehmann Schjøtt.

Das Geschäftsmodell des Festivals sei nicht auf die extremen Wetterbedingungen und die unvorhergesehenen Herausforderungen vorbereitet, die in der Gegenwart zur Realität geworden sind. Der Sturm habe nicht nur finanzielle Auswirkungen hinterlassen, sondern auch verdeutlicht, dass das Festival seine Organisation und das Geschäftsmodell überdenken müsse.

Die Größe des Finanzlochs liegt noch nicht vor

Während die Ehrenamtlichen in leitenden Funktionen am Wochenende über die Entwicklung informiert wurden, werden die endgültigen Zahlen erst bei der Generalversammlung am 9. April präsentiert. Es wird ein „bedeutender Unterschuss“ erwartet.

Wie groß das Minus ist, wird derzeit noch von den Revisoren berechnet. „Eins ist aber sicher. Die Zeit ist reif dafür zu handeln“, unterstreicht die Direktorin, die seit Dezember 2023 am Ruder ist.

Schwere Entscheidungen im Blick

Die Führungsriege des Tønder Festivals: der Vorsitzende von Tønder Festival Fond, Henrik Juul, Direktorin Kristina Lehmann Schjøtt, die musikalische Chefin Maria Theessink und die Vorsitzende des Festivalvereins, Mette Bossen Linnet (v. l.), kurz vor dem Festivalstart

„Wir haben das Festival seit 50 Jahren mit dem Herzen betrieben. Das werden wir auch weiterhin tun. Es reicht aber nicht mehr. Wir müssen die schweren Entscheidungen treffen, die gewährleisten, dass das Tønder Festival auch die nächsten 50 Jahre überlebt“, teilen Henrik Juul, Vorsitzender des „Tønder Festival Fond“, und Mette Bossen Linnet, Vorsitzende von „Tønder Festival Forening“, mit.

Die Stiftung besitzt das Brand „Tønder Festival“, während der Festivalverein für die praktische Ausrichtung des Musikevents verantwortlich ist.

Im Vorjahr gab es auch rote Zahlen

Es ist nicht das erste Jahr in neuerer Zeit, dass die Veranstaltung rote Zahlen schreibt. Als im vergangenen Jahr die Jahresrechnung für 2023 vorgelegt wurde, betrug das Defizit 998.126 Kronen. 2022 – dem ersten Jahr nach zwei Ausgaben im Corona-Modus – sprang ein Gewinn von 262.711 Kronen heraus.

Auf einem Strategietreffen am Freitag wollen die Vorstände einen Plan ausarbeiten, wie die finanzielle Tragfähigkeit des Festivals gesichert werden kann, ohne dass die Seele auf der Strecke bleibt.

„Eine besondere Gemeinschaft“

Wegen des kräftigen Windes wurde der neue Festival-Wald bereits am Freitagabend zeitweise für den Zutritt gesperrt.

Das Festival will sich in der kommenden Zeit außerdem mit seinen ehrenamtlichen Führungskräften und den Zusammenarbeitspartnern abstimmen, um gemeinsam die besten Lösungen zu finden. „Niemand kennt das Festival besser als die Menschen, die es Jahr für Jahr möglich machen. Wir werden uns nicht von einer Krise definieren lassen – wir werden sie als Katalysator nutzen, um stärker, schärfer und nachhaltiger zu werden“, sagt Mette Bossen Linnet.

Das Tønder Festival müsse sich der neuen Realität anpassen, ohne jedoch alles aufzugeben, was es auszeichnet. „Wir sind authentisch. Wir präsentieren handgemachte Musik, und wir sind in erster Linie eine ganz besondere Gemeinschaft. Ich glaube, dass diese Gemeinschaft uns in die Zukunft tragen wird“, so Mette Bossen Linnet.