Beruf und Ausbildung

Bei AG Electric ist der Fachkräftemangel kein Thema

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Schwachstromelektriker Nicholai Nielsen im Gespräch mit Direktor Christian Skov Hansen: Die Mitarbeitenden bei AG Electric planen ihre Tage zum größten Teil selbst, was für größere Zufriedenheit am Arbeitsplatz sorgt.

Das Apenrader Unternehmen bildet 26 Fachkräfte aus. Das geschieht auch aus eigenem Interesse, heißt es von Geschäftsführer Christian Skov Hansen. Von dem Konzept können auch andere Betriebe lernen.

„Der Mangel an Fachkräften ist eine der größten Herausforderungen in Dänemark“, sagt Staatsministerin Mette Frederiksen in einem Interview mit dem Ausbildungsverband.

Bedarf an Fachkräften steigt

Noch genauer formuliert Chefanalytikerin Emilie Agner Damm das Problem: „Der Arbeitsmarkt verändert sich, weil neue Technologien hinzukommen und die Unternehmen immer stärker automatisieren. Das bedeutet, dass es künftig weit weniger von jener Art Jobs geben wird, die heute noch von Personen ohne Ausbildung besetzt werden. Die Unternehmen werden schlichtweg zunehmend nach ausgebildeten Fachkräften verlangen.“ Der Fachkräftemangel bedrohe die Unternehmen, so die Analytikerin des „Arbejderbevægelses Erhvervsråd“.

Bis 2035 fehlen bis zu 150.000 Fachkräfte auf dem dänischen Arbeitsmarkt. Dagegen werden knapp 60.000 ungelernte Menschen ohne Arbeit dastehen, so die Vorhersagen vom Interessenverband „Dansk Industri“.

Dem Trend entgegenwirken

Beim Apenrader Unternehmen AG Electric gibt es keinen Mangel an ausgebildeten Fachkräften, denn man sorgt vor und setzt sich aktiv dafür ein, dass es gar nicht erst so weit kommt. „Wir haben 26 Auszubildende beschäftigt“, berichtet Direktor Christian Skov Hansen. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt knapp 150 Angestellte.

Die Lehrlinge sollen den Betrieb für die Zukunft rüsten, denn „wir benötigen Fachkräfte“. Zum einen wächst der Betrieb und zum anderen gehen Kolleginnen und Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand.

Gute Bedingungen – zufriedene Mitarbeitende

Dass die Auszubildenden nach der 4 Jahre dauernden Lehre auch bleiben, sei nicht selbstverständlich, weiß Skov Hansen. Deshalb bietet AG Electric seinen Mitarbeitenden einiges an, was sie zum Bleiben bewegt: Mitbestimmung, eigenständige Tagesplanung und laufende Fortbildungen sind unter anderem zu nennen. „Wir müssen es interessant für sie machen, zu bleiben“, ist der AG-Mitinhaber überzeugt.

Bei AG Electric werden Elektrikerinnen und Elektriker ausgebildet. Über Mangel an Bewerbungen kann sich das Unternehmen nicht beklagen. „Wir bekommen 5 bis 15 Bewerbungen im Monat“, berichtet Administrationschef Peter Thode Loft. Auch ein Zeichen, dass das Unternehmen eine gute Ausbildung bietet und ein guter Arbeitsplatz ist. „Es hat sich herumgesprochen“, ist Christian Skov Hansen überzeugt.

Neben der fachlichen Ausbildung sorgt die sogenannte Buddy-Ordnung für einen leichten Berufseinstieg. Das Unternehmen stellt einem Lehrling einen Gesellen zur Seite, der ihn mit Rat und Tat unterstützt. „Auszubildende müssen ordentlich behandelt werden“, sagt Skov Hansen. Der Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ war früher. „Wenn wir uns keine Mühe geben,

Lars B. Hansen (l.) ist für den Landwirtschaftsbereich bei AG Electric zuständig. Der Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitenden und Leitung ist eng. Es wird wert auf flache Hierarchien gelegt.

Ein weiterer Grund für den Erfolg bei den Mitarbeitenden sei das Firmenmotto: „Nicht ich, sondern wir. Gemeinsam gestalten wir unseren Arbeitsplatz.“

Studien belegen Wirksamkeit

Studien, unter anderem des Bundesinstituts für Berufsbildung, belegen, dass Unternehmen mit attraktiven Ausbildungsplätzen – also guter Betreuung, klaren Strukturen und Entwicklungsperspektiven – mehr Bewerbungen erhalten und Ausbildungsabbrüche deutlich verringern. Laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2020 steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Auszubildende nach ihrer Ausbildung im Betrieb bleiben, wenn sie gute Bedingungen wie faire Vergütung, Wertschätzung und Übernahmechancen hatten.

Direktor Skov Hansen räumt jedoch ein, dass „es in unserer Handwerksbranche einfacher ist, Lehrlinge und Mitarbeiter zu finden“. Schwieriger sei es bei den Maurern, doch er ist sicher, dass „mit einem guten Ausbildungsangebot viel erreicht werden kann“.

Immer mehr Frauen

Knapp die Hälfte der Auszubildenden bei AG Electric geht nach der Gesellenprüfung andere Wege: „Meist geht’s weiter zum Ingenieursstudium“, weiß er. Wenn sie aber bleiben, „bleiben sie meist auch bei uns. Wir geben mit unseren betrieblichen Voraussetzungen die Möglichkeit, sich persönlich zu entwickeln. Ich denke, das ist viel wert.“

Inzwischen gibt es schon vier junge Frauen, die ihre Lehre bei AG-Electric absolvieren: Tendenz steigend, wie Christian Skov Hansen berichtet. Er fände das gut. „Es gibt ein anderes Arbeitsklima und fördert das soziale Miteinander“, so seine Beobachtung.

Schule und Betrieb enger verknüpfen

Parallel zur eigenen betrieblichen Ausbildung ist das Unternehmen einem Verbund mehrerer Unternehmen in Nordschleswig beigetreten. Ziel der „Partnerskabsaftale Sønderjylland“ ist es, „die Fachausbildungen zu stärken und qualifizierte Arbeitskraft für den Landesteil zu sichern“, wie es in einer Mitteilung des „Udviklingsråd Sønderjylland“ heißt. Gemeinsam wollen Unternehmen und Gewerbeschulen die Ausbildungen besser machen. „Für uns richtiger Schritt für die Zukunft“, sagt Peter Thode Loft und Christian Skov Hansen nickt zustimmend.