Umzug nach Dänemark

Ausgewandert: Mit Keramikwerkstatt und Jachtservice von Deutschland ins alte Pastorat in Lendemark

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Sind ausgewandert und leben jetzt im ehemaligen Pastorat in Lendemark: Irene und Thomas Tschechne mit Hund Alfi

Irene und Thomas Tschechne sind von Quickborn nach Nordschleswig gezogen und haben ein ehemaliges Pastorat übernommen. Irene hat viele Jahre eine Keramikwerkstatt und Ehemann Thomas einen Service für Bootstechnik betrieben. Mit über 60 wollen sie damit weitermachen, sie wollen es in Lendemark aber auch ruhiger angehen und sich um ihr geschichtsträchtiges Gebäude kümmern.

Im September vergangenen Jahres war es so weit. Die Zelte in Quickborn waren endgültig abgebaut und das neue Domizil in der Straße Lendemark im gleichnamigen Ort bei Bülderup (Bylderup) bezogen. Zumindest teilweise.

„Es gibt hier noch viel zu tun, aber das wird schon“, sagt Thomas Tschechne. Er und Ehefrau Irene sind nach Dänemark ausgewandert und haben das ehemalige Pastorat übernommen.

Es hatte verschiedene Gründe, warum sich das Ehepaar entschied, Deutschland zu verlassen und künftig in Dänemark zu leben.

In einem anderen Land wieder ein historisches Haus

„Wir haben in Quickborn in einem Reetdachhaus, dem ältesten Haus des Ortes, gelebt. Auf einmal gab es Pläne für eine Bebauung ringsherum“, erzählt Thomas Tschechne. Es sei zu einem Rechtsstreit gekommen, der damit endete, dass die Bauplaner zur Übernahme der Reetkate verpflichtet wurden. Irene (Jahrgang 1955) und Thomas (Jahrgang 1962) mussten sich, schweren Herzens, wie sie sagen, nach einer anderen Behausung umsehen.

„Wir nahmen uns vor, weiter nördlich in Richtung Dänemark etwas zu suchen. Die Immobilienpreise waren aber einfach zu hoch. Im Internet habe ich dann nach einem Haus auf dänischer Seite gesucht. Zunächst fand ich etwas auf Kegnæs und bin dann auf das Anwesen in Lendemark gestoßen“, erzählt Irene Tschechne.

Liebe auf den ersten Blick

„Wir haben uns sofort in das Anwesen verguckt. Wie unser Haus in Quickborn ist es ein altes Anwesen mit viel Geschichte“, ergänzt Thomas in der Wohnküche des neuen Zuhauses in Lendemark mit 300 Quadratmetern Wohnfläche und 5.500 Quadratmetern Grundstück. Hinter dem Haus fließt der Bach „Slogså“ entlang.

Dass so einiges an der Substanz gemacht werden muss, hat das Ehepaar buchstäblich in Kauf genommen. „Thomas ist handwerklich vielseitig und kann ganz viel selbst erledigen. Wenn es nicht so wäre, hätten wir uns nicht für dieses alte Haus entschieden“, so Irene Tschechne.

Das Ehepaar Tschechne war von dem alten Haus in Lendemark mit besonderer Architektur sofort begeistert.

„Wir wollen das Haus so instand setzen, dass der kulturhistorische Stil erhalten bleibt. Es ist ein interessantes altes Gebäude“, betont Ehemann Thomas. Das ehemalige Pastorat wurde Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts errichtet.

Mit dem Umzug nach Dänemark betritt Irene Tschechne kein unbekanntes Terrain. Auch die Sprache ist für sie kein Neuland. Seit rund 15 Jahren nimmt Irene Tschechne an einem Dänischkursus teil. „Das freie Sprechen haben wir in dieser Gruppe leider zu wenig geübt, ich verstehe aber alles, was auf Dänisch gesagt und geschrieben wird.“

Bei der Instandsetzung des alten Pastorats legt Thomas Tschechne selbst viel Hand an.

Entspanntere Menschen

Da Dänemark bei ihr auch durch Urlaube bekannt ist, reifte der Gedanke, dorthin zu ziehen. Die Mentalität und die entspanntere Lebensweise in Dänemark sei mit ausschlaggebend gewesen, ergänzt Ehemann Thomas. „Die Menschen sind hier anders drauf. Sie wirken gelassener.“

Der nahende Ruhestand und der Wunsch, diesen in einem ganz anderen Ort, umgeben von viel Natur zu verbringen, spielte auch eine Rolle. „Wir sind natur- und freiheitsliebend“, bringt es Thomas Tschechne auf den Punkt.

Irene und Thomas Tschechne in ihrer Wohnküche im ehemaligen Pastorat. Das Einrichten, Renovieren und Sanieren der alten Immobilie wollen sie nach und nach in aller Ruhe angehen.

Seit September ist das Anwesen in Lendemark nun die neue Heimat. Rund ein Jahr wurde der Umzug vorbereitet. Thomas Tschechne pendelte regelmäßig ins neue Heim, um Sachen hinzubringen und alles für den Einzug vorzubereiten.

Möglichst schnell viele Kontakte knüpfen

Kontakte haben beide schon geknüpft, allen voran in der Nachbarschaft. „Wir wollen uns so schnell es geht integrieren und Teil der Ortsgemeinschaft werden. Das ist uns wichtig“, sagt Thomas Tschechne. Er und seine Frau sind zuversichtlich, dass das ganz schnell klappt. „Wir gehen gern auf Menschen zu“, so Thomas, der in der kommenden Zeit seine Dänischkenntnisse verbessern möchte.

Das Paar hatte sich bewusst für den Landesteil Nordschleswig entschieden. Die Entfernung zu den drei Kindern im Hamburger Raum und zum Enkelkind sei nicht so weit, wie es bei einem Wohnort in Nordjütland oder auf Seeland der Fall gewesen wäre. „Viele Dänen sprechen hier Deutsch und es gibt die deutsche Minderheit. Auch das spielte eine Rolle. Es macht dann doch einiges leichter“, sagt Thomas Tschechne.

Wir wollen uns so schnell es geht integrieren und Teil der Ortsgemeinschaft werden. Das ist uns wichtig.

Thomas Tschechne

Beruflich weiterhin aktiv sein

Mit nach Lendemark sind auch die beruflichen Aktivitäten umgezogen. Irene Tschechne hat Werkzeug und Material ihrer Keramikwerkstatt „Archekeramik“ mitgenommen. Über 30 Jahre war sie als ausgebildete Keramikerin selbstständig.

Thomas hat den Firmensitz seines Bootsservices „Yachtdoktor“ nach Lendemark verlagert. Es ist unter anderem auf die Reparatur und Wartung von Bootselektrik und -elektronik spezialisiert, kennt sich aber auch mit Computern, Holzarbeiten und Motorradtechnik gut aus.

Irene Tschechne ist seit über 30 Jahren als Keramikerin tätig. Tiermotive an Objekten sind ihr Steckenpferd.

Auch wenn sie den Ruhestand im Blick haben, schwebe ihnen vor, mit den jeweiligen Tätigkeiten in einem gewissen Umfang weiterzumachen. „Wie es ankommt, müssen wir abwarten“, sagt die Keramikerin, die Werkstatt und Lager peu à peu einrichten möchte. Ihr Steckenpferd sind Tiere, die in allen Größen und Facetten Keramikgefäße zieren.

Thomas, der auch Fachmann in Holzbau ist und mit Edelholzprodukten handelt, möchte noch fünf Jahre mit seinen Geschäftsaktivitäten weitermachen. Allerdings in Maßen, denn „das alte Haus benötigt viel Zuwendung“, so Tausendsassa Thomas, der bereits so einiges am Haupt- und Nebengebäude gemacht hat.

Zurzeit erneuert Thomas Tschechne zusammen mit Handwerker Theis Mahler von Sydjysk Murerforretning einige Fenster. „Natürlich aus Holz und im originalen Format“, betont der Neu-Lendemarker. So zu sanieren, sei nicht ganz billig, das sei es ihm und seiner Frau aber wert. Aus dem Verkauf des Quickborner Anwesens gebe es zum Glück einige Rücklagen.

Das Ehepaar Tschechne vor dem Eingang ihres neuen Domizils in Lendemark.

Sanierung mit Respekt vor der Kulturhistorie

„Es ist ein interessantes Haus. Wir haben einige Informationen gesammelt. Das Gebäude war nicht nur Pastorat. Es war einst auch eine Schule, und in der Besatzungszeit diente es als geheimer Treffpunkt der dänischen Gemeinschaft. Zusammenkünfte in Gast- oder Versammlungshäusern waren ja nicht erlaubt“, erzählt Irene Tschechne von ihrer Recherche, die unter anderem Informationen aus den 40er-Jahren zutage brachte, als Hitlerdeutschland Dänemark besetzt hatte.

Irene und ihr Mann wollen ein offenes Pastorat führen. Jeder sei willkommen, und bei Interesse könne man gern vorbeischauen, um sich über den Stand der Renovierungs- und Sanierungsarbeiten ein Bild zu machen. „Ich habe auch Lust auf eine offene Werkstatt, wenn alles eingerichtet ist“, ergänzt Irene Tschechne.