Einzelhandel

Auch beim Dorfkaufmann in Bülderup schrillen die Alarmglocken

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Dan Edlefsen ist gern Kaufmann in Bülderup und hofft, dass die Kundschaft wieder mehr Treue zeigt und damit zum Erhalt des Dorfladens beiträgt. Daran hatte es zuletzt gehapert.

Die Hiobsbotschaft aus Rapstedt und ein drastisch gesunkener Umsatz haben Dan Edlefsen als Betreiber des Bülderuper Supermarkts „Min Købmand“ auf den Plan gerufen. Um weiterhin eine Einkaufsmöglichkeit auf dem Lande bieten zu können, bedarf es mehr Unterstützung der Lokalbevölkerung, so die Botschaft des Kaufmanns. Edlefsen hat aber auch einen klaren Appell an die Politik.

Der Überlebenskampf kleiner Einkaufsläden auf dem Lande ist bei Dan Edlefsen aus Bülderup thematisch in den Mittelpunkt gerückt. In einem langen Post mit erklärenden Fakten und Zahlen vom 23. Oktober macht er auf sinkende Einnahmen in seinem Geschäft „Min Købmand“ aufmerksam und weist darauf hin, dass eine Einkaufsmöglichkeit in Bülderup nur mit angemessener Unterstützung der Bevölkerung zu sichern ist.

Rapstedt lässt grüßen

Ausschnitt des Facebook-Beitrages von Supermarktbetreiber Dan Edlefsen

Anlass für seinen Aufruf ist auch die Situation des Kaufmannsladens in Rapstedt (Ravsted). Betreiberin Sabine Jørgensen hatte verkündet, Ende des Jahres aufzuhören. In erster Linie aus persönlichen Gründen. Die Kauffrau verschwieg aber auch nicht, dass die Einkaufsbereitschaft der Ortsansässigen abgenommen habe, was potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger vor Probleme stellen würde, wenn es so bleibt.

Die Situation in Rapstedt kann Dan Edlefsen allzu gut nachvollziehen. Der Lokalmatador übernahm 2022 den Laden in Bülderup.

„Wir haben hier auf dem Land dieselben Herausforderungen“, so der Bülderuper Kaufmann zum Beweggrund, den Menschen – allen voran den Ortsansässigen – einen Weckruf zu schicken.

Dass dänische Geschäfte im Grenzland mit den niedrigeren Abgaben auf deutscher Seite konkurrieren müssen, sei nicht neu. So manche Kundinnen und Kunden aus seinem Einzugsgebiet scheinen aber vermehrt dort oder in anderen dänischen Discountern einzukaufen. Diese Vermutung sieht Edlefsen mit den jüngsten Verkaufszahlen belegt. „Im September ging der Umsatz um 10 Prozent zurück, und das, obwohl wir viele Rabattaktionen hatten“, so der Kaufmann.

Eigentlich gute Preise

„Aufgrund der Nähe zu den Märkten auf deutscher Seite können wir und andere Läden in Grenznähe behaupten, dass viele unserer Preise niedriger sind als in den dänischen Geschäften weiter nördlich. Das wird aber nicht richtig honoriert.“

Er wolle keine Panik verbreiten und habe nicht vor, das Geschäft in Bülderup trotz roter Zahlen in absehbarer Zeit aufzugeben. Er hänge an seinem Laden und auch am Dorfleben, wie er betont. Ohne Lokalpatriotismus und Rückendeckung der Kundschaft werden Anpassungen allerdings nicht ausbleiben. 

Dan Edlefsen übernahm den Kaufmannsladen in Bülderup Anfang 2022.

„Es fängt ja bei den Ausgaben für Personal an. Ich würde Leuten ungern kündigen müssen“, so Edlefsen, der einschließlich sich selbst drei Vollzeitkräfte, eine Teilzeitkraft und rund zehn Aushilfskräfte beschäftigt.

Gedankenspielerei fürs Fortbestehen

Er hat verschiedene Szenarien ins Spiel gebracht, wie eine Einkaufsmöglichkeit im Bülderuper Raum sichergestellt werden könnte, mit besserer Ausgangslage für Betreibende. 

Eine Option wäre, dass die Ortsgemeinschaft die Immobilie übernimmt und dann verpachtet, wie in Rapstedt. „Da ich als Besitzer verschiedene Darlehen laufen habe, würde der Wechsel zu einer Pacht finanziell keinen großen Unterschied machen. Mit diesem Modell würde aber die Verbundenheit der Ortsansässigen zum Supermarkt gestärkt. Es hätte einen psychologischen Effekt. Es ist aber nur so eine Gedankenspielerei“, sagt Edlefsen, der erst einmal Immobilienbesitzer bleibt.

Er hat sich auch schon über die Umwandlung in einen Selbstbedienungsladen Gedanken gemacht. Er wolle genau mitverfolgen, wie es mit derartigen Läden in der Umgebung läuft. Geplant ist solch ein Geschäft unter anderem in Bollersleben (Bolderslev). 

„Vielleicht kommt eine Kombination in Betracht mit Selbstbedienung am Morgen und am Abend. Auch das ist aber noch Gedankenspielerei.“

Runter mit der Mehrwertsteuer!

Für eine Kehrtwende in seinem Laden appelliert Dan Edlefsen nicht nur an die Kunden im Raum Bülderup. Er hat auch eine klare Botschaft an die Politik. Und die ist nicht neu: „Senken der Mehrwertsteuern und Abgaben, um mit dem deutschen Einzelhandel auf ein Niveau zu kommen! Bei den derzeitigen Sätzen muss ich für jede Hundert Kronen Umsatz 18 Kronen mehr abführen. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied“, sagt Edlefsen, der zum Wohl der Ortsgemeinschaft weiter für seinen Laden kämpfen will. Reich werde er – selbst bei einer Kehrtwende – mit Sicherheit nicht, betont der 44-Jährige, der mit seiner Familie im Ort wohnt.