Kulturerbe

Am Rad gedreht: Altes Handwerk hält Kutschen am Laufen

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Aksel Clausen ist mit 76 Jahren der Jüngste im Team: „Ich bin hier der Laufbursche.“

In der Haderslebener Holzwerkstatt bewahren neun Ehrenamtliche mit Teamgeist und Geschick selten gewordene Handwerkstraditionen. Gemeinsam erhalten sie ein besonderes kulturelles Erbe für die Nachwelt.

Stefan Brandenhoff Pedersen kann sich als Koordinator der Holzwerkstatt in Schaumanns Kleiderfabrik über ein engagiertes Team freuen. Neun Freiwillige kümmern sich dort um die Restaurierung historischer Kutschen und anderer Gefährte – und damit um ein wichtiges Kulturerbe des Grenzlands. Zur Kundschaft gehören Museen, allen voran „Museum Sønderjylland“, aber auch Privatleute aus dem ganzen Land.

Handwerk schweißt zusammen

Stefan Brandenhoff ist der Koordinator der Holzwerkstatt in der früheren Kleiderfabrik, die heute eine Art Industriedenkmal ist.

Die kommunale Holzwerkstatt ist dabei nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort, sondern vor allem ein Treffpunkt für Menschen, denen die Leidenschaft für altes Handwerk gemein ist.

Aksel Clausen ist einer von ihnen. Mit seinen 76 Lenzen ist er der Jüngste im Team: „Ich bin hier der Laufbursche“, sagt er augenzwinkernd. In diesem Jahr feiert der rüstige Rentner und frühere Tischlermeister sein zehnjähriges Jubiläum bei Schaumanns – in den ersten Jahren als Ehrenamtlicher der historischen Kutschensammlung und nach deren Schließung in der kommunalen Holzwerkstatt. Dort dreht Clausen im wahrsten Sinne des Wortes am Rad – am liebsten an einer Maschine aus dem 19. Jahrhundert im Hof der Werkstatt.

Am Rad drehen aus Leidenschaft

„Das alte Handwerk muss man lernen, solange die Alten noch da sind“, sagt Aksel Clausen.

Die Stellmacherei hat es ihm angetan: „Von uns Wagnern gibt es nur noch ganz wenige“, sagt er. Das alte Handwerk hat der Tischlermeister a. D. übrigens von der Pike auf gelernt – und zwar von einer Frau: „Daniela Andersen war die Leiterin der inzwischen geschlossenen Kutschensammlung. Von ihr habe ich so viel gelernt, und ich vermisse sie jeden Tag.“

„Wir brauchen jede Hand“

Die Schließung der Schleswigschen Kutschensammlung vor gut zwei Jahren war ein herber Schlag für die Ehrenamtlichen, die sie in ihrer Freizeit mit viel Mühe und Liebe instand gehalten haben. Doch es war nicht das Ende des Teamgeistes, der bei der gemeinsamen Arbeit an alten Gefährten entstanden ist: „Hier können wir Männer über alles reden, sagen, wo der Schuh drückt – oder das Alter. Das hilft“, sagt Aksel Clausen bei einem Rundgang durch die „heiligen Hallen“.

Die Aufgaben der Ehrenamtlichen sind vielfältig: Von der Reparatur alter Kanon-Lafetten bis hin zum Bau von Sitzpolstern für einen historischen Doppeldecker-Bus – immer steht die Liebe zum Detail im Vordergrund.

Dort werkeln seine Kollegen. 87 Jahre ist der Älteste. Jede Woche kommen sie in die einstige Kleiderfabrik, um an dem Kulturerbe zu feilen.
„Wenn jemand nicht mehr so kann, findet sich immer eine kleine Aufgabe. Wir brauchen hier jede Hand.“

Stellmacherei: eine runde Sache

Das Wagenbauhandwerk, auch Stellmacherei oder Wagnerei genannt, ist ein Handwerk, bei dem aus Holz und Metall Räder, Wagen und landwirtschaftliche Geräte gefertigt werden. Besonders die Herstellung der Räder gilt als anspruchsvoll. Das Wagenbauhandwerk zählt zu den ältesten Gewerken der Menschheit. Bereits etwa 4.000 bis 6.000 Jahren v. Chr. haben Menschen begonnen, hölzerne Räder und Wagen herzustellen.

Bjarne Boddum ist einer der neun Ehrenamtlichen. Er gehört mit seinen fast 86 Jahren zu den ältesten Mitgliedern des Teams.