Gedenkveranstaltung

80 Jahre nach der Befreiung: Zeremonie im Fröslevlager wird erweitert

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Gedenkfeier im Fröslevlager anlässlich der Befreiung Dänemarks, die Anfang Mai 1945 Realität wurde (Archivfoto).

Dieses Mal mit Sonderkonzert, Promi-Moderator und Gastrednerinnen und -rednern: Die Gedenkfeier im Fröslevlager zur Befreiung Dänemarks von Hitlerdeutschland wird anlässlich des 80. Jahrestages zusätzliche Programmpunkte enthalten. Alle Interessierten sind willkommen.

Die legendäre britische BBC-Meldung auf Dänisch vom 4. Mai 1945 ertönt wieder, und auch Kränze in Gedenken an die Befreiung Dänemarks von Hitlerdeutschland werden bei der alljährlichen Feier im Fröslevlager bei Pattburg (Padborg) am 4. Mai niedergelegt.

Die diesjährige Veranstaltung im damaligen Internierungslager wird wegen des 80. Jahrestages der Befreiung allerdings mit weiteren Momenten des Innehaltens und Erinnerns ergänzt.

Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen (Konservative), kraft Amtes Vorsitzender des Trägervereins Fröslevlager, in einer Mitteilung: „Wir versammeln uns und gedenken der dänischen Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer, die im Zweiten Weltkrieg für ein freies Dänemark kämpften. Dieses Jahr ist etwas ganz Besonderes, denn es ist ein Jubiläumsjahr. Deshalb haben wir aus der Gedenkfeier etwas Besonderes gemacht.“

Musikstück über die Weißen Busse

Zum Sonderprogramm gehört ein Konzert mit Jazzmusiker Benjamin Koppel und Band. Koppel hatte ein Musikstück zu den Weißen Bussen komponiert, mit denen bei einer Rettungsaktion kurz vor Kriegsende skandinavische Gefangene aus deutschen Konzentrationslagern geholt wurden.

„Darüber hinaus haben wir uns dieses Jahr mit Anders Køpke Christensen verbündet, der uns und die Gäste durch das Abendprogramm führen wird“, ergänzt Jan Riber Jakobsen. Christensen ist als TV-Moderator und Nachrichtensprecher landesweit bekannt.

Das Lager biete einen einzigartigen Rahmen für das Gedenken an die Däninnen und Dänen, die sich der Besatzungsmacht gegenüberstellten. Vor allem an jene, die unter Folter und Terror in den Nazi-Lagern umkamen und an jene, die der Angst trotzten und den Kampf bis zur letzten Minute um 20.34 Uhr am 4. Mai fortsetzten, werde erinnert, so Apenrades Bürgermeister weiter.

Übertragung per Livestream

Zu der Zeremonie sind alle Interessierten willkommen, so der Hinweis. Teilnehmen kann man aber auch am Computerbildschirm. Die Veranstaltung wird ab 20 Uhr per Livestream auf der Facebookseite „Aktiv og Oplev“ der Kommune Apenrade übertragen.

Wer am gemeinsamen Essen teilnehmen möchte, kann sich über die Nachschule im Fröslevlager anmelden.

Im Fröslevlager befanden sich über 12.000 Mitglieder der dänischen Widerstandsbewegung aus dem ganzen Land sowie Staatsfeinde des Dritten Reichs. Sie waren während der letzten acht Kriegsmonate Gefangene der Besatzungsmacht. Heute ist das Frøslevlager ein nationaler Gedenkort mit Museumsteil. Auch andere Organisationen sind mit Ausstellungen vertreten. Anlässlich der Gedenkveranstaltung öffnen alle Einrichtungen bis in die Abendstunden hinein ihre Türen.

Nach dem Krieg wurde das Lager von dänischer Seite in ein Internierungslager umfunktioniert. Inhaftiert waren Kollaborateure des Naziregimes und Landesverräter, zu denen pauschal auch Angehörige der deutschen Minderheit gezählt wurden.

Das Programm im Fröslevlager (Lejrvejen 105, 6330 Pattburg) am 4. Mai:

  • 10-20 Uhr: Das Lager einschließlich Museum sowie die Ausstellungen ansässiger Organisationen sind geöffnet (Eintritt für den Abschnitt des Nationalmuseums bis 16 Uhr)
  • 16.45 Uhr: Die Nachschule im Fröslevlager unterhält in der Theaterbaracke K 14
  • 17 -18.30 Uhr: Abendessen (Tickets müssen im Vorfeld gekauft werden)
  • 18.30 Uhr: Konzert „Die Weißen Busse“ am Wachturm mit Benjamin Koppels Jazzband
  • 20 Uhr: Begrüßung und Ansprache des Trägervereinsvorsitzenden Jan Riber Jakobsen
  • 20.05 Uhr: Gastrede von Oberst Lars R. Møller
  • 20.20 Uhr: Kranzniederlegung am Gedenkstein mit Einspielen des Trompetenstückes „Last Post“
  • 20.34 Uhr: Die BBC-Freiheitsbotschaft vom 4. Mai 1945 ertönt, Hissen des Dannebrogs und gemeinsames Lied „Altid frejdig, når du går”
  • 20.40 Uhr: Andacht mit Apenrades Pröpstin Kirsten Kruchov Sønderby
  • 20.50 Uhr: Kaffeetafel und Gemeinschaftsgesang unter Federführung der Nachschule (Tickets müssen im Vorfeld gekauft werden)

Fröslevlager

Das Internierungslager Fröslev (dänisch: Frøslevlejren) wurde 1944 kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze errichtet und am 13. August 1944 in Betrieb genommen. Es war für etwa 1.500 Gefangene gedacht. Die Gesamtzahl der Inhaftierten beläuft sich auf etwa 12.000 Menschen.

Das Lager wurde auf eine dänische Initiative hin gebaut, um die Deportation von dänischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern in deutsche Konzentrationslager zu vermeiden. Entgegen aller Erwartungen wurden dennoch ca. 1.600 Gefangene aus Fröslee in Konzentrationslager weitergeschickt.

Kurz nach dem Krieg wurde der Name des Lagers in „Fårhuslager“ geändert. Von Mai 1945 bis in den Herbst 1949 hinein diente das Lager als Straflager für dänische Landesverräter. In den viereinhalb Jahren waren für kürzere oder längere Zeit mehr als 5.000 Personen inhaftiert, darunter viele Mitglieder der deutschen Minderheit.

1983 beschlossen das damalige Amt Nordschleswig („Sønderjyllands Amt“) und die Gemeinde Bov (Bau) die Gründung der freien Trägerschaft des Fröslevlagers. Sie wurde am 1. Januar 1984 realisiert. Das Lager liegt seit der Kommunalreform in der Kommune Apenrade (Aabenraa). Im Lager befinden auch Ausstellungen verschiedener Organisationen.