Kultur

„Hier ist ja nichts los“ – Warum Jugendliche Kulturangebote oft nicht sehen

Veröffentlicht Geändert
Im „NygadeHuset“ werden jährlich rund 80 Konzerte abgehalten (Archivfoto).

Zwar kennen viele Menschen das Apenrader Kulturhaus „NygadeHuset“, besucht haben die meisten es jedoch noch nicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Auch beim Bund Deutscher Nordschleswiger ist die Sichtbarkeit von Kulturveranstaltungen ein Thema. Doch es gibt Lösungen.

„Hier ist ja nichts los“, sagt Marie Hansen. Die Gymnasiastin ist enttäuscht von ihrer Heimatstadt Apenrade und möchte am liebsten in Kopenhagen wohnen, „wo so viel mehr los ist“, wie sie findet.

Das sieht Mikkel Hein, konstituierter Leiter des Apenrader Veranstalters „Aabenraa Live“, anders. Immerhin gebe es bis zu 80 Konzerte im Jahr – und dazu viele andere Veranstaltungen im Haus für alle Altersgruppen.

Potenzial nicht ausgenutzt

Doch nicht die Angebotsmenge oder -vielfalt ist das Problem. Das wurde bei einer Befragung des „Kulturens Analyseinstituts“ festgestellt und bei einer weiteren Umfrage der Kommune bestätigt. Zwar kennen von über 2.000 Befragten mehr als die Hälfte das „NygadeHuset“, aber nur knapp 15 Prozent waren schon einmal dort zu Gast. „Ein großes Potenzial, das noch nicht ausgenutzt ist“, heißt es im Bericht. Das größte Problem sei die Sichtbarkeit.

Sichtbarkeit fehlt

Das bestätigt auch die 17-jährige Marie: „Man weiß gar nicht, wo man genau gucken soll.“ Wie die meisten Jugendlichen nutzt sie hauptsächlich TikTok und Snapchat als Informationskanäle. Von Kultunaut, dem kommunalen Veranstaltungskalender, hat sie noch nie gehört. Facebook nutzt sie nur gelegentlich – und folgt dort nicht den kommunalen Seiten.

Kosten und Aufwand zu groß

„Wir sind nicht auf TikTok“, sagt Mikkel Hein. Die Kosten seien doppelt so hoch wie bei Meta (Facebook und Instagram). Ähnliche Erfahrungen macht Uffe Iwersen, Kulturkonsulent des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN). Er organisiert Konzerte, Theatervorstellungen und Lesungen im Landesteil: „Es ist ein generelles Problem. Wir werben auf Facebook und Instagram, TikTok oder Snapchat bedienen wir gar nicht. Dafür haben wir nicht die Mittel und Möglichkeiten.“

Kontakt über Schulen und Vereine in der Minderheit

Deshalb seien gerade junge Leute die größte Herausforderung. Iwersen versucht, sie über Schulen und direkte Kontakte zu erreichen. Er lädt ganze Gruppen zu Bandabenden oder Konzerten ein, in Zusammenarbeit mit Vereinen. Doch das sei aufwendig: „Vor allem, wenn man ein großes Publikum braucht, wird es immer schwieriger.“ Der kommunale Veranstaltungskalender „Kultunaut“ sei zudem „zu statisch“ und werde kaum genutzt.

Kommerzielle Anbieter hätten hier den Vorteil, über größere Werbebudgets zu verfügen.

Beispiele aus anderen Städten

Wie aber gelingt es, kleine Häuser sichtbar zu machen? Beispiele zeigen, dass es funktionieren kann:

  • Odsherred Teater in Nykøbing (Seeland): Ein ehemaliger Supermarkt wurde zu einem modernen Theater- und Kulturraum umgebaut. Mit flexiblen Bühnen, offenem Vorplatz und Werkstätten ist das Haus heute Treffpunkt für die Gemeinde.
  • Egnsteatret/Pavillon K in Vordingborg: Neben Aufführungen regionaler und internationaler Künstler organisiert das Haus das Festival „Waves“ – mit vielen Veranstaltungen im öffentlichen Raum.
  • Kultur- und Kunstzentrum Rønnebæksholm bei Næstved: Im historischen Gutshaus finden Ausstellungen, Konzerte und Workshops statt. Der große Park macht das Zentrum zu einem kulturellen Ankerpunkt für die Region.

Diese Häuser haben eines gemeinsam: Sie schaffen sichtbare Kulturangebote mit klarer Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Die Einbindung erfolgt einer Studie der Süddänischen Universität (SDU) zufolge, wenn die Menschen selbst teilnehmen und mitgestalten. Flexible Räume, regelmäßige Veranstaltungen und Kooperationen mit Schulen, Vereinen oder lokalen Initiativen machen sie lebendig.

Drei Erfolgsfaktoren

Der Erfolg kleiner Kulturhäuser liegt nicht allein im Programm, sondern in der Art, wie Veranstaltungen präsentiert und eingebettet werden. Entscheidend sind drei Faktoren:

  • Nähe: direkter Bezug zur Gemeinde, Mitmachangebote wie Workshops oder Feste
  • Vielfalt: flexible Nutzung der Räume für verschiedene Zielgruppen – vom Klassikkonzert bis zum Jugend-Event
  • Beteiligung: Kultur entsteht gemeinsam, Einzelpersonen und Vereine werden eingebunden.

Das zeigt unter anderem eine Studie der SDU über junge Leute und kulturelle Angebote.

Hinzu kommt eine geschickte Vermarktung: Social Media, Kooperationen mit Gastronomie, Zusammenarbeit mit der Lokalzeitung oder mehrtägige Festivals machen Angebote sichtbar.

Das Ergebnis: Kultur wird nicht als exklusives Produkt wahrgenommen, sondern als Teil des Alltagslebens. So gelingt es auch kleinen Häusern, ihre Säle zu füllen und Kultur als gemeinsames Erlebnis zu verankern.