Gewässerschutz

Dann eben auf eigene Faust: Apenrade arbeitet selbst an Rettung der Förde

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Die Spitze der Apenrader Förde

Kaum noch Leben: Die Apenrader Förde ist stark gefährdet. Ähnlich sieht es im gesamten Kleinen Belt aus. Ein gemeinsamer Küstenwasserrat sollte Rettung bringen. Die anderen Küstenkommunen winkten jedoch ab. Jetzt versucht die Apenrader Kommune einen Alleingang. Warum, erklärt der Vorsitzende des Ausschusses für nachhaltige Entwicklung.

Die Apenrader Förde ist stark bedroht: Es gibt zu wenig Leben darin. Der Sauerstoff fehlt; es wird zu viel Stickstoff eingeleitet. Auch in anderen Gewässern rund um den Kleinen Belt (Lillebelt) sieht es ähnlich aus.

Der Ausschuss für nachhaltige Entwicklung hatte – um die Situation zu verbessern – den Vorschlag gemacht, einen gemeinsamen Küstenwasserrat für alle Kleine-Belt-Kommunen zu gründen. Dieser sollte Möglichkeiten ausarbeiten, wie die Küstengewässer gerettet werden können. Eine Anfrage bei den anderen Kommunen zeigte jedoch ein deutliches Bild: Die notwendige Unterstützung für das Vorhaben fehlte.

Jetzt hat sich der Ausschuss mit Erik Uldall Hansen (Soz.) und Erwin Andresen (Schleswigsche Partei) an der Spitze entschieden, einen Alleingang zu wagen: Ein Antrag an die Behörde für umweltfreundliche Gebietsveränderung und ein gesünderes Wassermilieu ist unterwegs.

Erik Uldall Hansen (Archivfoto)

Doch was erhoffen sich die Politikerinnen und Politiker davon? Und gibt es Hindernisse? „Der Nordschleswiger“ hat Erik Uldall Hansen gefragt.

Was hat den Ausschuss für nachhaltige Entwicklung dazu veranlasst, einen Küstenwasserrat ins Leben zu rufen?

„Die Arbeit im grünen Drei-Parteien-Abkommen (Grøn Trepart) ist in vollem Gange. Um dieses Vorhaben zu unterstützen, müssen wir besser verstehen, welche Maßnahmen am effektivsten sind. Mit Maßnahmen meine ich solche, die entweder die Stickstoffeinleitung oder die CO₂-Emissionen verringern – am besten beides. Im Küstenwasserrat wird der Fokus besonders auf die Reduzierung der Stickstoffeinleitung in den Apenrader Fjord gelegt.“

Wie stellt man sicher, dass in einem solchen Gremium mit sehr unterschiedlichen Interessen ein konstruktiver Austausch möglich ist?

„Wenn viele Kompetenzen und Interessen auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet werden, entsteht ein differenzierteres Ergebnis.
Beim grünen Drei-Parteien-Abkommen arbeiten wir nach dem Konsensprinzip – es wird nicht abgestimmt, sondern wir verfolgen alle dasselbe Ziel. Wir stehen bildlich gesprochen in derselben Ecke des Rings und kämpfen für dieselbe Sache. Das gilt ebenso für den Küstenwasserrat: Wir erkennen unsere Unterschiede und Stärken gegenseitig an und arbeiten gemeinsam auf ein Ziel hin.“

Wie verbindlich sind die Empfehlungen des Rats – oder bleibt es bei einem reinen Beratungsorgan?

„Der Rat hat eine beratende, aber auch eine entwickelnde Funktion. Wir sollen die besten Methoden für unsere Aufgaben innerhalb des grünen Drei-Parteien-Abkommens erarbeiten.“

Wie siehst du die Zielkonflikte zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen – und wie sollen diese moderiert werden?

„Es gibt Interessenunterschiede bei dieser Aufgabe, aber ich hoffe, dass sich Konflikte in Grenzen halten und die Beteiligten den Blick auf das Wesentliche richten. Es geht nicht darum, wer recht hat – sondern darum, ob wir ein gemeinsames Ziel erreichen können.“

Gibt es bereits Best-Practice-Beispiele, wie eine umweltfreundlichere Nutzung der Förde durch Gewerbetreibende aussehen könnte?

„Es gibt viele Akteure, die dem Fjord etwas Gutes tun möchten. Doch verschiedene Branchen haben den Fjord durch ihre Aktivitäten belastet. Jetzt müssen wir gemeinsam an einer nachhaltigeren Nutzung arbeiten.“

Ursprünglich war geplant, auch andere Kommunen an den Gesprächen zu beteiligen. Warum ist das bislang gescheitert?

„Wir hatten den Wunsch und haben auch die Möglichkeit ausgelotet, mit allen Kommunen rund um den Kleinen Belt gemeinsam einen Küstenwasserrat zu bilden. Dafür gab es aber keine vollständige Zustimmung. Da die Zeit drängte, mussten wir einen eigenen Weg gehen und selbst einen Küstenwasserrat beantragen. Meiner Überzeugung nach hätte ein gemeinsamer Rat mehr Schlagkraft gehabt, denn wir stehen alle – mit kleineren Unterschieden – vor den gleichen Herausforderungen.“

Gab es konkrete Absagen – und wenn ja, mit welchen Begründungen?

„Einige Kommunen wollten lieber mit anderen Nachbarkommunen zusammenarbeiten und daher nicht an mehreren Küstenwasserräten teilnehmen. Ich denke, mit mehr Zeit hätten wir vielleicht doch noch zueinandergefunden. Es braucht Zeit, um sich in einer Gemeinschaft zusammenzufinden und eine gemeinsame Aufgabe zu definieren.“

Wie wichtig ist eine überregionale Zusammenarbeit für den Erfolg des Projekts? Ist der Küstenwasserrat ohne sie überhaupt wirksam genug?

„Die interkommunale Zusammenarbeit soll Wissen teilen und gleichzeitig auch jenen Kommunen helfen, die keinen eigenen Küstenwasserrat haben. Das ist also kein abgeschlossener Kreis, der seine Erkenntnisse für sich behält.“

Welche konkreten Maßnahmen könnten aus dem Küstenwasserrat hervorgehen – denken Sie etwa an strengere Regeln für Dünge- oder Abwassereinleitungen?

„Der Küstenwasserrat soll keine neuen Anforderungen erfinden, sondern allein an Methoden arbeiten, um die bestehenden Anforderungen umzusetzen.“

Wie wird der Erfolg des Küstenwasserrats gemessen? Gibt es ökologische Zielmarken oder Zeitpläne?

„Der Rat hat eine dreijährige Laufzeit. In dieser Zeit soll er neue Methoden zur Reduktion von Stickstoffeintrag entwickeln und bekannte Ansätze weiterqualifizieren.“

Werden wissenschaftliche Expertisen – etwa aus Meeresbiologie oder Ökologie – systematisch eingebunden?

„Es sind Mittel vorgesehen, um Fachleute für die Aufgabenlösung hinzuzuziehen – das können ganz unterschiedliche Spezialistinnen und Spezialisten sein, die zur Aufgabe beitragen können.“

Was passiert, wenn der Rat keine Einigung erzielt oder blockiert wird – gibt es einen Plan B?

„Der Rat ist nur in geringem Maße ein politisches Gremium. Es handelt sich um einen fachlich ausgerichteten Rat mit einem gemeinsamen Ziel. Durch die Vielfalt der Mitglieder können die Herausforderungen umfassend bearbeitet werden. Die gefundenen Lösungen sollen anschließend dem grünen Drei-Parteien-Abkommen zur Verfügung gestellt werden – dieses wiederum braucht neue Werkzeuge, um die geforderten Reduktionsziele erreichen zu können.“