Deutsche Minderheit

Zeitschleifen, Meeresgötter und Stockbrot: Das war die Schreibwerkstatt auf dem Knivsberg

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Roman hat früher mehr Geschichten geschrieben, fühlt sich aber durch die Schreibwerkstatt neu motiviert.

Von einer magischen Uhr in einer Zeitschleife gefangen: Von diesem Albtraum erzählt die Geschichte, die sich der elfjährige Roman Lennart Krstić am Wochenende auf dem Knivsberg ausgedacht hat. Gemeinsam mit elf anderen Kindern und Jugendlichen hat er sich dort unter der Leitung von Constanze John kreativ ausgetobt.

Weit entfernt von der Welt, die wir kennen, an der Spitze des königsblauen Horizonts, liegt ein goldener Palast. Er hatte ein bernsteingelbes Dach und einen schwarz-weiß gekachelten Boden. Überall hingen oder standen Uhren.

So startet der elfjährige Roman Lennart Krstić in seine Geschichte „Die unendlichen Irrfahrten“.

Mit elf anderen Kindern und Jugendlichen hat er das Wochenende in der Bildungsstätte Knivsberg verbracht und unter der Leitung von Cosntanze John die Feder geschwungen.

Er erzählt von einem Seefahrer, der in einer Zeitschleife gefangen ist. Der Auslöser ist eine magische Uhr, geschmiedet von dem Gott der Zeit, die er auf einem Schiffswrack findet. Als wäre die Zeitschleife nicht schon Herausforderung genug, hat er auch noch mit blutrünstigen Seemonstern zu kämpfen.

In diesem Jahr läuft die Schreibwerkstatt unter dem Motto „Meeres- und andere Götter“, die Idee hatte eine Teilnehmerin aus dem vergangenen Jahr, wie Constanze John berichtet: „Beim letzten Mal habe ich die Kinder gefragt, welche Themen sie gerne für das nächste Jahr hätten. Da hat ein Mädchen gesagt, dass sie sich sehr für Götter interessiert.“

Inspiration aus dem Alltag

Constanze John ist sehr zufrieden mit der Leistung ihrer Schützlinge.

Roman ist nun schon zum dritten Mal bei der Schreibwerkstatt mit dabei. „Ich habe schon das Gefühl, dass ich mein Schreiben hier immer verbessern kann“, berichtet der Elfjährige.

Die Idee für seine Geschichte kam ihm während eines Filmabends: „Ich hatte ein bisschen Input durch meinen Vater. Er hat mir einen Film mit einer Zeitschleife gezeigt, und dadurch kam ich auf die Idee mit dem Tag, der sich immer wiederholt.“

Ein volles Wochenende

Die Schreiberlinge haben ein buntes Wochenende hinter sich: Schon am Freitagabend nach ihrer Anreise starteten sie in die erste Schreibwerkstatt.

Auch am Sonnabend wurde fleißig an den Geschichten getüftelt, am Mittag standen dann aber noch ein Ausflug nach Kalö (Kalvø), Shoppen in Apenrade (Aabenraa) und ein Besuch in der Deutschen Bibliothek an. „Die Kollegen von der Bücherei hatten wieder eine Bücherkiste speziell zu Sagen und Göttern vorbereitet, das ist immer wieder eine tolle Zusammenarbeit“, freut sich Constanze John.

Abends gab es zur Stärkung noch ein Stockbrot am Lagerfeuer.

Am Sonntag stand dann die große Lesung der Geschichten an, aber nicht nur die wurden vorgetragen: Gemeinsam mit der 16-jährigen Frida Vloet haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch ein Theaterstück auf die Bühne gebracht.

Frida hat selbst lange bei der Schreibwerkstatt mitgemacht, ist jetzt aber zu alt, um teilzunehmen und fungiert nun als Assistentin von John. Das Stück hat sie mit den Kindern und Jugendlichen selbst entwickelt, wie John erklärt: „Wir haben uns Sonnabend gemeinsam Fragen überlegt, die die Kinder interessiert haben, am Sonntag haben sie die Fragen mithilfe des Motivs von einem ‚Rat der Götter‘ in dem Theaterstück aufgegriffen.“

Constanze John kommt aus Leipzig und liebt das kreative Arbeiten mit Kindern.

Ein volles, aber erfolgreiches Wochenende, wie Constanze John findet: „Die Texte waren alle wirklich toll. Da frage ich mich immer wieder, wo sie die ganzen Ideen herhaben.“ Und auch Teilnehmer Roman fährt zufrieden wieder nach Hause: „Ich würde immer wieder gerne bei einer Schreibwerkstatt mitmachen.“

Ende gut, alles gut

Linus und die anderen Kinder und Jugendlichen proben ihr Theaterstück.

Der Seefahrer schafft es am Ende seiner Geschichte übrigens erfolgreich, die mehrköpfige Seeschlange „Skylla“ zu besiegen und so der Zeitschleife nach 31 Jahren zu entfliehen.

Als der Steuermann wieder schrie: „Jetzt sollten wir da sein!“, packte ich den Kapitän und zog ihn weg von der abbrechenden Seite des Schiffes. Ich richtete mein Schwert auf den Kapitän und sagte: „Duck dich!“ Er duckte sich, Skylla fuhr auf mich zu, und mein Schwert blieb in Skyllas Auge stecken. Dann brachte ich den Kapitän in die Kajüte, wo wir drei Tage blieben. Als wir wieder auf Deck gingen, waren alle tot.

„Wo geht es als Nächstes hin?“, fragte ich.

„Nach Itaka!“

„Sehr gut, Kapitän Odysseus!“