Kommunalpolitik

Ist Deutschunterricht sexy? – Es gibt Zweifel

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In der Kommune Apenrade wird seit 2015 ab der 3. Klasse Deutsch unterrichtet (Modellfoto).

Der Apenrader Stadtrat hat sich erneut dafür entschieden, Deutsch in den kommunalen Schulen ab der 3. Klasse zu unterrichten. Die Wirtschaft braucht Menschen, die die Sprache beherrschen, wird als ein Grund angegeben. Der Plan hat jedoch seine Grenzen, wie Forscherinnen zeigen.

Die Kinder in der Kommune Apenrade werden seit 2015 ab der 3. Klasse im Fach Deutsch unterrichtet. Das bleibt weiterhin so, hat der Stadtrat auf der jüngsten Sitzung beschlossen und die Grundlagen dafür gelegt – obwohl die Regierung jüngst beschlossen hat, den Deutschunterricht auf nationaler Ebene erst ab der 6. Klasse zu unterrichten. Zuvor begann man damit in der 5. Klasse.

Länger Deutschunterricht – besseres Deutsch

Rasmus Elkjær Larsen (Konservative) ist der Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, der damit für die kommunalen Schulen verantwortlich ist. Er ist überzeugt, dass der frühe Einsatz des Deutschunterrichts sinnvoll ist und Früchte tragen wird. „Ich bin sicher, dass das den Schülerinnen und Schülern helfen wird, die Sprache besser zu lernen“, antwortet er auf Anfrage des „Nordschleswigers“. Eine längere Unterrichtsperiode werde eine größere Natürlichkeit für Deutsch herstellen und den Kindern mehr Sicherheit in der Sprache geben, so der Kommunalpolitiker.

Gefragt sind Deutschsprechende besonders von der Wirtschaft, für die Deutschland einer der größten Handelspartner ist.

„Mauerblümchen“ Deutsch

Es gibt jedoch Zweifel am Erfolg des Konzeptes. An den Gymnasien und auch an den Hochschulen ist das Fach Deutsch immer weniger beliebt. Die Zahl der Studierenden, die das Fach wählten, ist seit 2016 um 42 Prozent gefallen. 2021 hatten sich zudem 18 neue Studierende an der Uni in Aarhus für das Fach Deutsch angemeldet.

Am allgemeinbildenden Gymnasium in Apenrade fällt die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die das Fach wählen, ebenfalls seit Jahren. „In dem Alter ist es nicht so sexy, Deutsch zu sprechen“, formuliert es Stadtratspolitikerin Kirsten Nørgård Christensen (Venstre) bei der Stadtratssitzung.

Eine Ausnahme machen die Gymnasien in Tondern, die jedoch durch die Grenznähe besonders für Schülerinnen und Schüler aus der dänischen Minderheit im Kreis Nordfriesland eine Alternative zur A. P. Møller Skolen in Schleswig (Slesvig) und der Duborg Skolen in Flensburg (Flensborg) sind.

Englisch ist der Sprachen-Star

Auch die Forschung hat sich mit dem Thema beschäftigt. „Die Verbreitung von Englisch als ,Lingua Franca' durch die digitalen Medien scheint zu bewirken, dass weniger Dänen im Grenzland deutschsprachige Medien konsumieren und deshalb in geringerem Maße mit der deutschen Sprache und Kultur in ihrer unmittelbaren Lebenswelt vertraut sind“, schreiben die Lehrforschenden Karen Margrethe Aarøe und Petra Daryai-Hansen 2020 in der Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht.

Als Lingua Franca werden Sprachen bezeichnet, die es Menschen aus mehreren Sprachgemeinschaften ermöglichen, miteinander zu kommunizieren.

Die Forschenden stellen außerdem fest, dass „selbst im Grenzland die Motivation, die Nachbarsprache zu lernen (...), nicht automatisch gegeben ist“.

Lehrende sind das A und O

Laut einer Befragung, die unter Deutschlehrerinnen und -lehrern durchgeführt wurde, trägt der frühe Sprachen-Start zudem nur sehr gering dazu bei, dass die Kinder besser Deutsch lernen – obwohl die Lehrenden das große Potenzial wohl erkennen würden.

In der Praxis fehlt es jedoch an ausgebildeten Deutschlehrerinnen und -lehrern. Deutsch wird vielfach fachfremd unterrichtet – was laut den Forschenden zum Nachteil für den Unterricht und die Sprache sei. „Die Motivation der Lehrerinnen und Lehrer trägt stark zur Identifikation mit der Sprache bei.“

Mit einem Mehr an Unterrichtsstunden allein sei ein Erfolg nicht zu erzielen, so die Forscherinnen.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Rasmus Elkjær Larsen kennt die Herausforderungen. „Deutsch ist schwer für Dänischsprechende. Es ist eine Herausforderung für die Sprache, sich mit den anderen Fächern zu messen. Wir begegnen dem mit hoher Fachlichkeit und einem sicheren Lehrumfeld.“

Er sieht den frühen Deutschunterricht und die deutschsprechenden Grenzlanddäninnen und -dänen zudem als Brückenbauer zwischen den Menschen, „die den Dialog mit den Deutschen aufnehmen können“.

Eine Untersuchung, ob und inwieweit der frühe Deutschunterricht Früchte getragen hat, gibt es noch nicht. Allerdings schließen jetzt die Jahrgänge ab, die 2015 mit dem frühen Deutsch begonnen haben.

Mehr Vorteile als Nachteile

Stadtrat Elkjær Larsen ist übrigens ein Deutsch-Fan, wie er gesteht. „Ich bin von Natur aus neugierig und stürze mich gerne mit meinem unvollkommenen Deutsch ins Gespräch, wenn es gefordert ist – auch wenn ich es nicht fließend spreche. Auf Seeland gelte ich ja fast als Deutsch-Experte, auch wenn ich mich im nordschleswigschen Kontakt nur als mittelmäßig bezeichnen würde.“ Er sehe mit diesem Blick deshalb mehr Vorteile darin, den Deutschunterricht früh zu beginnen, als die Herausforderungen, die damit einhergingen.

Wichtig: Gut ausgebildete Lehrkräfte

Auch Karen Margrethe Aarøe und Petra Daryai-Hansen sind dem frühen Deutschunterricht gegenüber nicht negativ gestimmt. Sie befürworten ihn sogar. Allerdings müssten dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. An erster Stelle stünden gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die „eine hohe Motivation bei den Schülerinnen und Schülern aufrechterhalten können“.

Früher Deutschunterricht – Tidlig Tysk

Qualitätsprogramm für die Volksschulen

Das Qualitätsprogramm der Volksschulen soll die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern. Es ist 2025 als Empfehlungen einer politisch beauftragten Kommission an die kommunalen Schulen herausgegeben worden.

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