Deutscher Jugendverband

„Die Trainer sollen sich auf ihr Ding konzentrieren“ – Christian Flader will die Vereinsarbeit der Minderheit revolutionieren

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Christian Flader will den Vereinen unter dem Jugendverband mit Holdsport das Leben erleichtern.

Das Ehrenamt sei unter anderem so unattraktiv, weil sich Trainer und Trainerinnen neben dem Sport-Unterricht auch um lästigen Papierkram kümmern müssen. Mit der Plattform Holdsport will der Teamleiter des Jugendverbandes das ändern. Außerdem sollen die Mitglieder der Vereine es leichter haben, auf das gesamte Sportangebot der Minderheit zuzugreifen.

Ich suche Sportangebote im Bereich Ballsport für Kinder, aber nur dienstags oder donnerstags – was hat die Minderheit im Angebot?

Diese sehr spezifische Frage sollen Nutzerinnen und Nutzer der Minderheiten-Vereine künftig ganz einfach beantworten können. Mit Holdsport will Christian Flader vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig die Arbeit in den Vereinen der deutschen Minderheit in Nordschleswig um einiges leichter machen.

Anmeldung, Kommunikation, Verwaltung: Alles über eine Plattform

„Holdsport ist eine Plattform, auf der wir unser komplettes Angebot einstellen und den Nutzern zur Verfügung stellen können.“ Christian Flader ist seit dem Sommer Teamleiter für die Sportlehrkräfte vom Jugendverband.

Er erklärt, dass die Mitglieder eigene Profile auf der Plattform haben. Damit können sie in verschiedenen Gruppen sehr konkret auf die Vereinsangebote zugreifen, die für sie relevant sind.

Ein Beispiel: Bettina Hansen (Name ausgedacht), die sich für Badminton für Erwachsene beim TS Sonderburg am Montagabend interessiert, kann diesen Kurs über Holdsport buchen, dem Verein auch gleich ihre relevanten Mitgliedsdaten übermitteln und den Kurs bezahlen.

Die ganze Organisation und Administration eines Sportangebots wird über die Plattform geregelt.

Christian Flader

„Wir wollen möglichst viel Vereinsarbeit zentralisieren“

Ihr Trainer muss sich um nichts weiter kümmern, als ihr Badminton beizubringen und außerhalb der Trainingszeiten über die Plattform mit Bettina und den anderen Teilnehmenden zu kommunizieren, wenn es relevante Informationen gibt. Zum Beispiel, wenn das Training ausfällt, weil er krank ist.

Das Beispiel zeigt: „Die ganze Organisation und Administration eines Sportangebots wird über die Plattform geregelt.“ Das bietet nach Fladers Worten nicht nur den Mitgliedern einen Vorteil.

„Wir wollen möglichst viel Vereinsarbeit zentralisieren“, so Fladers Vision. Das mache die Vereine aber keineswegs überflüssig, jede Funktion, vom Vorstand, über die Buchhaltung, die Trainer und Mitglieder, sei weiterhin elementar. „Die Struktur der Vereine bleibt erhalten.“ Nur ihre Arbeit müsse ja nicht unnötig kompliziert sein, findet er.

Fördergelder: Mitglieder-Infos einfach abrufen

Das gelte sogar für die Buchhaltung. Die Vereine werden in einer Liste einsehen können, wessen Beiträge noch offen sind. Während es aktuell meist so laufe, dass der Trainer oder die Trainerin diesen Mitgliedern dann hinterherlaufen müsse, könne der Verein das künftig mit einem Klick regeln. „Man kann einfach die Personen mit noch ausstehenden Zahlungen aus der Liste auswählen und mit einem Klick alle an die Überweisung erinnern.“

Das habe auch Vorteile für die Ausschüttung von Fördergeldern. „Die Ehrenamtlichen müssen nicht mehr mühselig alle Mitgliederdaten zusammensammeln, um sie uns rechtzeitig zu übermitteln. Als Jugendverband können wir über Holdsport einfach auf die für Fördergelder relevanten Daten zugreifen.“

Das Ehrenamt attraktiver machen

Viele Vereine der deutschen Minderheit berichten von Problemen, neue Freiwillige zu finden.

Christian Flader hofft, diesem Problem etwas entgegensetzen zu können. „Es gibt viele Dinge, über die man sich im Ehrenamt ärgern kann. Aber wenn es für vieles davon so eine einfache Lösung gibt, wo es um ein paar mehr Kronen geht, dann ist es uns das auf jeden Fall wert.“

Jugendverband übernimmt alle Kosten

Wie viel der Einkauf gekostet hat, wollte der Jugendverband nicht gern in diesem Artikel lesen. Aber so viel kann Flader sagen: „Die Vereine zahlen für die Nutzung von Holdsport nichts, das übernimmt der Jugendverband.“ Dieser hat die Plattform plus einen Support eingekauft, der bei der Einführung und Nutzung helfen soll.

„Wir wollen direkt starten.“ Der MTV – Mein Turnverein Apenrade – ist Pilotprojekt und wird Holdsport als Erstes nutzen. Dafür wurden Christian Flader und MTV-Kassiererin Anja Eggert in der vergangenen Woche 43 geschult.

Die Umsetzung der Theorie in die Praxis beim MTV soll nun Sicherheit im Umgang geben, sodass die anderen Vereine vom jetzigen Feinjustieren profitieren können und bei der Einführung von Holdsport in ihrem Verein möglichst direkt ein ausgeklügeltes System vorfinden.