Sommer in Nordschleswig

Barfuß im Watt – und ein großer Schritt für mehr Chancengleichheit

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Der Tag im Watt (Foto) zeigt, was möglich ist, wenn Menschen und Institutionen zusammenarbeiten und wie sehr benachteiligte Kinder davon profitieren. Aber nicht nur sie: Auch die Gesellschaft als solche gewinnt, wenn niemand zurückgelassen wird.

Was passiert, wenn 70 Kinder aus schwierigen Lebenslagen das Wattenmeer entdecken? Ein Projekt zeigt, wie Natur, Gemeinschaft und soziale Verantwortung zusammenwirken – und wie daraus Chancen für die ganze Gesellschaft entstehen.

Was haben Krabben, Sandwürmer und ein Vormittag im Watt mit sozialer Verantwortung zu tun? Eine ganze Menge – wie ein gemeinsames Projekt des Nationalparks Wattenmeer, des Naturzentrums Tønnisgård auf Röm und der Jugendorganisation des Dänischen Roten Kreuzes zeigt. 70 Kinder, primär aus Nordschleswig, die in ihrem Alltag mit schwierigen Bedingungen zu kämpfen haben, waren kürzlich im Watt vor Havneby unterwegs – barfuß, mit Eimern und voller Entdeckungsfreude.

Dabei geht es nicht nur um einen schönen Ferientag, sondern um ein starkes Signal: Auch Kinder aus prekären Lebenslagen sollen Zugang zu Naturerlebnissen, Bildung und Gemeinschaft haben.

Ein Tag, der den Horizont erweitert

Der Ausflug war Teil des „Fantasilejr“ (deutsch: Fantasielager) – eines Feriencamps, bei dem Kinder aus der Region eine Woche lang den Alltag hinter sich lassen können. Sie kommen aus den nordschleswigschen Kommunen Hadersleben (Haderslev), Tondern (Tønder) und Apenrade (Aabenraa) sowie von der Insel Fanø. Untergebracht sind die Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 13 Jahren in der Kalenderwoche 28 in den Räumlichkeiten der dänischen Nachschule im nordfriesischen Ladelund.

Mit zwei Bussen fuhren sie am frühen Morgen ins Wattenmeer, wo bei Ebbe ein besonderes Abenteuer wartete: Krabben fangen, Sandwürmer ausgraben, Algen und Muscheln untersuchen, Geschichten lauschen und selbst gekochte Nordseegarnelen probieren.

„Unsere Kinder brauchen eine Auszeit. Es ist fantastisch zu erleben, wie sie im Watt aufblühen, Mut zeigen und sich in ganz neuen Rollen ausprobieren“, sagt Campleiter Malte Bøttcher Pørksen vom Dänischen Roten Kreuz.

Mehr als ein schöner Ausflug

Das Watt-Abenteuer wurde durch den Nationalpark Wattenmeer und das Naturzentrum Tønnisgård ermöglicht. Der Tag war Teil eines Programms, das zeigen soll, wie Naturbildung, soziale Integration und ehrenamtliches Engagement zusammenwirken können.

Eine ganze Ferienwoche für 70 Kinder mit Übernachtung, Verpflegung und Betreuung kostet rund 250.000 Kronen. Finanziert wird das durch Spenden, Sponsoring und die Einnahmen der Secondhandläden des Roten Kreuzes. Der Watt-Tag war nur ein kleiner Teil des Ganzen – aber einer mit großer Wirkung.

Nachhaltig helfen – mit Rückhalt aus der Region

Søren Christensen vom Nationalpark Wattenmeer betont: „Draußen in der Natur können alle Kinder etwas. Sie sind neugierig, mutig und aktiv. Solche Erlebnisse wollen wir öfter möglich machen.“

Darum startet der Nationalpark im Spätsommer 2025 ein Netzwerk, das Organisationen wie das Rote Kreuz, Naturführerinnen und Naturführer sowie Unternehmen aus der Region zusammenbringen soll. Ziel ist es, langfristig mehr Angebote für benachteiligte Kinder zu schaffen – finanziert und getragen von der Region selbst.

Ein Teil des Projekts wird über Interreg gefördert und läuft unter dem Titel VaBene. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern auf deutscher Seite tauscht der Nationalpark im Zuge dieses Interreg-Projekts schon jetzt viele Ideen aus, entwickelt Aktivitäten und gibt bewährte Konzepte weiter.