Glaube und Religion

Trotz Traumkonditionen: Kirchengemeinderat schreibt Pastorenstelle ein drittes Mal aus

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Vor wenigen Wochen lief die zweite Bewerbungsrunde für die vakante dänische Pastorenstelle an der Nicolaikirche aus – ohne das gewünschte Ergebnis.

Die Nachfolge von Jørgen Jørgensen gestaltet sich offensichtlich schwieriger als gedacht. Die Vakanz auf der Kanzel der Nicolaikirche wird durch Vikare überbrückt.

Der Apenrader Kirchengemeinderat hat die seit dem Sommer vakante (dänische) Pastorenstelle in der Nicolaikirche auch nach der zweiten Stellenausschreibung nicht besetzen können.

Das mag verwundern. Eigentlich müssten die Bewerberinnen und Bewerber für die Nachfolge von Pastor Jørgen Jørgensen vor der Nicolaikirche Schlange stehen. Der Innenraum der Kirche ist frisch renoviert und auch von außen wird das Gotteshaus mit der Marcussen-Orgel in der Apenrader Stadtmitte gerade flott gemacht. Darüber hinaus entsteht augenblicklich ein neues, zeitgemäßes Pastorat in unmittelbarer Nachbarschaft von Kirche und Gemeindehaus. Was für angehende Pastorinnen und Pastoren vielleicht noch wichtiger ist: Die Gemeinde lebt, die Gottesdienste sind gut besucht. Pastor(inn)enherz, was willst du mehr?

Keine passenden Bewerbungen

Die Nicolaikirche ist innen gerade umfassend renoviert worden und wird nun auch von außen „schick“ gemacht.

Nichtsdestotrotz sind bei den zwei ersten Stellenausschreibungen nur wenige Bewerbungen eingegangen. Und offenbar war bislang unter den Interessierten keine Person, die zum Anforderungsprofil passte. Zumindest haben keine Bewerbungsgespräche, geschweige denn Probegottesdienste, stattgefunden.

Das bestätigt auch die zuständige Pröpstin Kirsten Kruchov Sønderby auf Anfrage des „Nordschleswigers“. „Wenn eine so attraktive Gemeinde Schwierigkeiten hat, die Stelle zu besetzen, dann muss der landesweit beklagte Pastorenmangel schon gewaltig sein“, lautet die Feststellung der Pröpstin.

Besonderes Anforderungsprofil

Der Apenrader Kirchengemeinderat hat aber nicht etwa aufgegeben, die Stelle zu besetzen. Es wurde jedoch entschieden, nicht jetzt sofort eine dritte Stellenausschreibung zu formulieren, sondern ein paar Monate verstreichen zu lassen, in der Hoffnung, dass sich in der Zwischenzeit die Attraktivität der vakanten Stelle in Apenrade herumspricht. „Der Gemeinderat hat entschieden, die Stelle im Frühjahr 2025 zum dritten Mal auszuschreiben“, teilt Kirsten Kruchov Sønderby mit.

Der allgemeine Pastorenmangel ist wahrscheinlich nicht das alleinige Problem. Hinzu kommt das besondere Anforderungsprofil für die vakante Stelle. „Historisch gesehen wurde das Pastorenamt der Nicolaikirche stets mit einem Pastor besetzt, der die Bibel eher klassisch auslegt“, sagt Pröpstin Kruchov.

Auf Dänisch wird nicht gegendert. Selbst wenn, hätte Kirsten Kruchov Sønderby in ihrer Aussage wahrscheinlich die weibliche Form bewusst weggelassen. Die Gemeinde der Nicolaikirche besteht nämlich auch heute noch zu großen Teilen aus Menschen, die sich eher mit den konservativen Werten der Inneren und der Lutherischen Mission identifizieren. Unter anderem wird der erste Korintherbrief, Absatz 14, Verse 34 und 35 sehr wörtlich ausgelegt.

Kirsten Kruchov Sønderby ist als Pröpstin für sämtliche Kirchspiele in der Kommune Apenrade zuständig.

Pastorinnen nicht erwünscht

Korinther 14:34-35: Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, dass sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen.

Mit anderen Worten: Sie lehnen Frauen in dem Amt ab. Und das in einer modernen Gesellschaft, in der die Gleichberechtigung der Geschlechter ein zentrales Ziel ist. Zudem werden homosexuellen oder geschiedenen Personen der kirchliche Segen häufig von Pastoren verwehrt, die sich der Bibelauslegung der Inneren oder Lutherischen Mission verpflichtet fühlen, um nur einige der markanten Unterschiede zu den meisten anderen Pastorinnen und Pastoren der dänischen Volkskirche zu nennen.

Da die Apenrader Kirchengemeinde gern die gesamte Bandbreite abdeckt und eine der Pastorenstellen der Nicolaikirche traditionsgemäß stets mit einem Vertreter der eher klassischen Bibelauslegung besetzt war, soll daran möglichst nicht gerüttelt werden, zeigt sich die Pröpstin sehr tolerant. „Wer sich in dieser konservativen Bibelauslegung nicht wiedererkennt, findet in den anderen Häusern der Apenrader Volkskirche reichlich Alternativen“, schickt Kirsten Kruchov Sønderby jedoch hinterher.

Das (schwere) Erbe Jørgensens

Allerdings wundert es auch sie, dass es offenbar schwierig ist, die neue Stelle zu besetzen. „Durch die Tatsache, dass Jørgen Jørgensen sich viele Jahre als Vorsitzender in der ,Menighedsfakultet‘ in Aarhus engagiert hat, hatte ich erwartet, dass sich der eine oder andere ehemalige Theologiestudent dieser Einrichtung für die Stelle in Apenrade bewerben könnte, um das Erbe Jørgensens anzutreten und das fortzuführen, was er hier in Apenrade aufgebaut hat. Das war bisher leider nicht der Fall“, stellt die Pröpstin fest.

Vikare helfen aus

„Menighedsfakultetet“

„Menighedsfakultetet“ ist eine privat geförderte Theologenausbildungsstätte in Aarhus. Der langjährige Pastor der Apenrader Nicolaikirche, Jørgen Jørgensen, hat selbst dort seine Theologenausbildung genossen. 19 Jahre lang war er später Vorsitzender der Fakultät, bis er 2020 Platz für jüngere Kräfte machte.

Das neue Pastorat ist so gut wie fertig.

Bis Februar 2025 wird die vakante Stelle an der Nicolaikirche von Henrik Bo Jacobsen wahrgenommen. Erst kürzlich konnte dann ein festes Vikariat vereinbart werden, das am 1. Februar beginnt. Kirsten Kruchov Sønderby geht davon aus, dass dieses Vikariat dann zum Ende der Sommerferien ausläuft.

Der Zeitplan sieht nämlich vor, dass die Stelle im April 2025 zum dritten Mal ausgeschrieben wird. Das Auswahlverfahren sollte dann im Mai stattfinden, damit die Stelle zum 1. August neu besetzt werden kann.