Glaube

Jacob Lorenzen: Handwerker, Reserve-Kirchendiener und Vorsitzender

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Jacob Lorenzen bleibt dem Gemeinderat treu, da er erster Nachrücker ist.

Nach 20 Jahren meldet sich der 73-Jährige von der Spitze der Uberger Kirche ab. Wie ein Fußballtrainer nahm er an jedem Gottesdienst teil. Er berichtet auch von seinen Erlebnissen, als er als Vertretung des Kirchendieners ohne Wasser bei einer Kindertaufe auskommen musste, aber schnell handelte.

Sein handwerkliches Geschick und der Sinn für praktische Arbeiten sind der Kirche in Uberg und der Seth/Uberger Kirchengemeinde mehrfach zugutegekommen.

Doch am 30. November dankt der Vorsitzende des Gemeinderats, Jacob Lorenzen, in dieser Funktion ab. 20 Jahre gehörte der 73-jährige Sether dem Kirchengremium ab. Bis auf zwei Jahre bekleidete er den Vorsitz.

Eigentlich hätte dann ganz Schluss machen wollen. Da es aber Probleme gab, genug Kandidatinnen und Kandidaten für die Vorstandsposten zu finden, willigte er ein, als Nachrücker einzuspringen. „Da waren ja keine anderen“, meint er lachend.

Von Pastor Wree geworben

Er blicke auf interessante und spannende Jahre zurück, erzählt er beim Interviewtermin, der natürlich in der kleinen Uberger Kirche stattfindet. Seinerzeit wurde er vom früheren deutschen Pastor für Tondern und Uberg, Lorenz Peter Wree, der mit dem Fahrrad auf Kandidatenwerbetour unterwegs war, aufgefordert, zu kandidieren.

Bis zum 30. November besitzt er noch den schweren, riesigen Schlüssel für das Gotteshaus, von dem er dank seiner Schmiedekünste eine hübschere Kopie angefertigt hat.

Diesen Lebensbaum schmiedete Jacob Lorenzen.

„Mein Motto heißt: Es gibt immer Möglichkeiten, eine Sache oder ein Ding noch besser zu machen. Daher schmiedete ich den zweiten Schlüssel, der meiner Sicht nach aus handwerklicher Sicht filigraner und schöner geworden ist“, erklärte der ehemalige Landwirt stolz.

Auch im Kircheninneren gibt es mehrere Beispiele für seine Schmiedekunst. Der Lebensbaum mit Kerzenhaltern, wo zu Allerheiligen Teelichter zum Gedenken an alle Verstorbenen entzündet werden. Oder ein Metallständer, den er für eine goldene Konfirmation geschmiedet hatte. Er dient heute als Ständer für das Desinfektionsmittel für Hände.

Jacob Lorenzen fertigte einen zweiten Schlüssel für die Kirchentür an. Aus handwerklicher Sicht sei seiner schöner. „Meine Devise heißt immer: Es geht immer ein wenig besser.“ Der rechte Schlüssel ist sein Werk.

In den 18 Jahren als Vorsitzender hat er kaum einen Gottesdienst verpasst, weder einen deutschen noch einen dänischen. „Ich halte es wie ein Fußballtrainer. Der ist schließlich auch bei jedem Spiel dabei“, begründet er.

Ich halte es wie ein Fußballtrainer. Der ist schließlich auch bei jedem Spiel dabei.

Jacob Lorenzen

Jacob Lorenzen hat in vielen Funktionen sein Amt ausgefüllt. Sogar als Kirchendiener ist er als Vertretung eingesprungen.

Taufe mit Blumenwasser

Zu einem Taufgottesdienst sollte er für das Wasser im Taufbecken sorgen, was er aber vergessen hatte. Er handelte resolut und nahm unbemerkt die Blumen aus der Vase auf dem Altar, sodass die Taufe mit Blumenwasser durchgeführt wurde.

„Davon hat die damalige dänische Pastorin Anne Krogh anscheinend gelernt. Sie nahm zu einem Taufgottesdienst eine Thermokanne mit Kaffee und lauwarmem Wasser mit. Im Taufbecken landet aber der Kaffee“, berichtet er mit einem schelmischen Lächeln.

Pastorin und Kirchensängerin gehen mit ihm

Jacob Lorenzen hat alle Gottesdienste besucht.

Dass er jetzt die Entscheidung getroffen habe, sein Amt aufzugeben, hänge auch mit dem Ausscheiden von Kirchensängerin Heidi Luther und der Pastorin Kirsten Elisabeth Christensen zusammen, erzählt er weiter.

„Wenn sie gehen, dann kann ich auch aufhören“, erklärt er. Er sei überzeugt, dass er die Arbeit im Kirchenrat und die steigende Papierflut nicht vermissen werde, die auf ihn eingeprasselt ist. „Und ich habe in den 20 Jahren bei Einstellungen vieler Pastorinnen und Pastoren sowie Pröpstinnen und Pröpsten sowie Bischöfen teilgenommen. Jetzt soll Schluss sein.“

Als Gemeinderat, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Minderheit und der Mehrheitsbevölkerung zusammensetzt, sei man für die deutsche und dänische Kirchengemeinde gleichermaßen zuständig. Die frühere straffe Trennung in Deutsche und Dänen gebe es nicht mehr und auch nicht die nicht immer leichten Meinungsverschiedenheiten, intern und extern.

Bis zum heutigen Sonnabend ist Jacob Lorenzen Vorsitzender. Am 1. Advent übernimmt Helga Jørgensen sein Amt.

„So etwas gibt es lange nicht mehr. Wir sind als Kirchengemeinde wie eine große Familie“, unterstreicht er.

Während er für die praktische Vorarbeit sorgte, wussten die anderen Gemeinderatsmitglieder genau, was sie bei Veranstaltungen zu tun hatten. Auf sie war Verlass. „Das hat all die Jahre gut funktioniert“, blickt er zufrieden zurück.