Studie

So hoch ist die Lebensqualität in Nordschleswig

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Lebensqualität
Unsere Lebensqualität hängt maßgeblich damit zusammen, wie unsere sozialen Kontakte aussehen.

Die Lebensqualität eines Menschen hängt von vielen Faktoren ab – von den sozialen Kontakten über das Alter bis zum Einkommen. Der Verein Realdania hat 122.000 Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Alltag befragt und wie gut es ihnen geht. Dabei ist für das Glück des Einzelnen ein Punkt von entscheidender Bedeutung.

Der Schnack mit dem Nachbarn am Gartenzaun, der freundliche Austausch an der Supermarktkasse oder gemeinsame Aktivitäten: Kurze Treffen und lose Bekanntschaften haben maßgeblichen Einfluss auf unsere Lebensqualität. Das geht aus einer umfassenden Untersuchung von „Realdania“ hervor, die zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins, dem 190.000 Mitglieder angehören, als 302 Seiten starkes Buch mit dem Titel „Unsere Lebensqualität“ (Vores Livskvalitet) veröffentlicht wurde, das auch online abrufbar ist.

122.000 Menschen im Land konnten anonym etwas mehr als 70 Fragen zu ihrem Alltag und ihrer Lebensqualität beantworten. Die Bürgerinnen und Bürger in Dänemark bewerten ihre Lebensqualität auf einer Skala von 0 bis 10 im Schnitt mit 7,51. Das ist einer der besten Werte weltweit. Besonders auffällig ist, dass an der gesamten Westküste die Zufriedenheit besonders hoch ist.

Das sind die Kernpunkte:

  • Während in den meisten Ländern der Erde die jungen Menschen die höchste Lebensqualität haben, ist es in Dänemark umgekehrt, und sie steigt mit dem Alter an. Demnach ist die Lebensqualität am höchsten bei 70- bis 74-Jährigen (8,16).
  • Auffällig ist, dass die glücklichsten Menschen (sozial und ökonomisch) in ländlichen Kommunen leben (7,59), während der Durchschnitt in den Großkommunen nur bei 7,39 liegt. Dennoch ist das der kleinste Unterschied im Vergleich zu anderen Ländern.
  • Im Vergleich zu anderen Ländern, in denen Frauen generell etwas glücklicher sind, gibt es in Dänemark keine großen Unterschiede bei der Lebensqualität zwischen Männern und Frauen.
  • Soziale Kontakte – auch die weniger engen zu den Nachbarinnen und Nachbarn oder dem Kioskbesitzenden – bedeuten darüber hinaus sehr viel für die Lebensqualität, bescheinigt die Studie. Sie liegt um 0,39 Punkte höher bei denen, die drei- bis fünfmal in der Woche mit ihren Nachbarn reden, als bei denen, die es nur ein- bis dreimal tun. Auch der Kontakt zu Menschen, die wir nicht kennen, spielt eine Rolle.
  • Die Sicherheit ist ein weiterer Faktor, der die Lebensqualität bedingt. Dabei kann Sicherheit auf mehreren Ebenen betrachtet werden – etwa Krieg, Klimaveränderungen oder Pandemien, aber auch, ob man Rechnungen bezahlen kann oder die eigenen Kinder in einem sicheren Wohnviertel aufwachsen.
  • Dementsprechend ist die Lebensqualität dort höher, wo es ein gutes lokales Umfeld gibt.

Nordschleswig über dem Landesdurchschnitt

Nordschleswig liegt bei der Lebensqualität über dem Landesdurchschnitt. Unter den 98 Kommunen liegen drei der Kommunen im Grenzland im oberen Mittelfeld, Apenrade liegt deutlich dahinter.

  • Platz 18: Tondern (Tønder) mit einem Wert von 7,72.
  • Platz 24: Hadersleben (Haderslev) mit einem Wert von 7,65.
  • Platz 27: Sonderburg (Sønderborg) mit einem Wert von 7,65.
  • Platz 54: Apenrade (Aabenraa) mit einem Wert von 7,55.

Höchste Lebensqualität im Norden

Ganz weit oben findet sich 8420 Knebel auf Djursland. Hier liegt der durchschnittliche Wert bei 8,35. Blickt man auf die 98 Kommunen des Landes, so ist es die Kommune Læsø, die mit einem Mittelwert von 7,95 die höchste Lebensqualität vorweist. Es folgen die Kommunen Hørsholm auf Seeland mit 7,88 und Lemvig (7,86) an der Westküste in Nordwestjütland.

Wenn es um die Zufriedenheit mit den Nachbarinnen und Nachbarn geht, dann scheinen die Menschen in den vier Kommunen Nordschleswigs insgesamt zufrieden zu sein, wie die Grafik zeigt.

Doch es gibt einen Wermutstropfen: Laut dem „World Happiness Report 2024“ ist Dänemark das Land mit der zweithöchsten Lebensqualität der Welt, aber diese Position ist bedroht, heißt es in dem Buch. Seit Beginn der internationalen Messungen ist die Lebensqualität Dänemarks sogar gesunken, und wenn man stattdessen eine Rangliste der Länder aufstellt, die im Laufe der Zeit die positivste Entwicklung der Lebensqualität zu verzeichnen hatten, liegt Dänemark nur auf Platz 105 in der Welt.

Einsamkeit als größtes Hindernis

Henrik Mahncke, Leiter der Analyseabteilung bei Realdania und Hauptautor des Buches, sagt dazu: „Obwohl die Däninnen und Dänen im Allgemeinen eine hohe Lebensqualität haben, ist unser Wohlbefinden in den vergangenen Jahren etwas unter Druck geraten. Und wir müssen besser verstehen, was ein gutes Leben ausmacht.“ Die Umfrage gebe darauf einige sehr klare Antworten.

„Wir kommen jedoch auch zu dem Schluss, dass es keine einzige Antwort gibt – es gibt viele Wege zu einer besseren Lebensqualität. Aber wenn man einen einzigen Faktor nennen muss, dann ist es der, dass der Kontakt zu anderen Menschen für die Lebensqualität der Menschen im Land absolut entscheidend ist. Und dass Einsamkeit das größte Hindernis ist.“ Alle sozialen Kontakte würden zählen, so Mahncke.

Nicht alle haben hohe Lebensqualität

Besonders auffällig ist hierbei, dass die Eingewanderten und deren Nachkommen häufiger unter Einsamkeit leiden als gebürtige Däninnen und Dänen. Bei eingewanderten Männern liegt der Anteil, der sich häufig einsam fühlt, in der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen bei 35,3 Prozent, bei den Frauen sind es 33,7. Zum Vergleich: Dänen in der Altersgruppe beantworteten zu 24,8 Prozent mindestens eine der drei Fragen zum Thema Einsamkeit mit „oft“. Bei Däninnen waren es 25,6 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den anderen Altersgruppen.

Insgesamt ist die Lebensqualität unter ethnischen Däninnen und Dänen mit 7,55 höher als unter westlichen Eingewanderten (7,47) und nicht westlichen Eingewanderten (7,27). Bei deutschen Eingewanderten liegt der Wert sogar etwas höher (7,60).

Auch das Einkommen spielt bei der Lebensqualität eine Rolle. Menschen mit einem niedrigen Einkommen (unter 10 Prozent) gaben an, weniger zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Auf einer Skala von 0 bis 10 lagen sie je nach ihrem Wohnort, ob in einer Hauptstadt-, Provinz- oder Landkommune, zwischen 6,82 und 6,39. Menschen mit hohem Einkommen (obere 10 Prozent) lagen je nach Lage der Kommune zwischen 8,09 und 8,19.