Gesundheit

Methadon statt Morfium: Forscher Kevin nimmt den Menschen die Schmerzen

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Kevin Nygaard ist orthopädischer Chirurg.

Kevin Nygaard forscht am Apenrader Krankenhaus. Er möchte herausfinden, wie Patientinnen und Patienten nach einem Oberschenkelhalsbruch oder einer Hüftoperation am besten geholfen werden kann, damit sie schnell wieder auf die Beine kommen. Die Schmerzbehandlung spielt dabei eine wichtige Rolle. Er greift dabei auf ein Medikament zurück, das nicht den besten Ruf hat.

„Etwa 30 Menschen mit einem Oberschenkelbruch werden jeden Monat bei uns operiert“, berichtet Kevin Heebøll Nygaard. Er ist orthopädischer Chirurg am Apenrader Krankenhaus (Sygehus Sønderjylland) und Teil des OP-Teams, das solche Operationen vornimmt.

Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten, die auf dem OP-Tisch landen, liege bei 82 Jahren, sagt er.

„Durch das hohe Alter ergeben sich Herausforderungen, denn Patientinnen und Patienten sollten nach der Operation gerne schnell wieder mobil werden, damit es weniger Folgeerkrankungen wie Wassereinlagerungen gibt“, so der Mediziner.

„Die häufigsten Komplikationen, die wir durch frühzeitige Mobilisierung verhindern möchten, sind: Lungenentzündung, Harnwegsinfektion, venöse Thrombose, Dekubitus (Druckgeschwüre) sowie allgemeine Muskelschwäche oder Muskelabbau.“

Schneller mobil werden – länger gesund

Kevin Nygaard in einem der Patientenzimmer im Apenrader Krankenhaus

Je mobiler die Leute nach der OP sind, desto besser und schneller die Heilung. Bei älteren Menschen ist das oftmals dann auch mit einem längeren Leben verbunden, denn „gerade ältere Patienten haben mit Folgeerkrankungen zu kämpfen, weil sie zu lange liegen und das System nach und nach abbaut“, erklärt Nygaard.

Deshalb ist es der Wunsch der Ärzte, dass die Operierten nach der OP schnell wieder aus dem Krankenhausbett aufstehen und mobil werden. Es gibt jedoch ein Problem: Die Schmerzen hindern die Menschen daran, aufzustehen.

Morphium: Keine Langzeitwirkung

„Bisher haben wir dann Morphine verabreicht“, erzählt er. Doch diese Medikamente haben viele Nebenwirkungen und – das ist die größte Herausforderung – die Wirkung lässt schon nach wenigen Stunden nach, und eine neue Dosis muss verabreicht werden. Das bringe mehr Nebenwirkungen und ein schlecht überschaubares Schmerzmanagement mit sich.

Hinzu komme die persönliche Einstellung: „Unsere Patientinnen und Patienten sind sehr zurückhaltend, wenn es um den Einsatz von Morphium geht. Das Medikament hat keinen guten Ruf“, sagt der Mediziner.

Zu den Nebenwirkungen des Morphins gehören starke Verstopfungen, Benommenheit, Erbrechen und Schläfrigkeit.

Ausweg Methadon

Deshalb hat er nach einem Ausweg gesucht, um den Verbrauch des Betäubungsmittels zu senken, denn „es kann abhängig machen“, nennt er einen Nachteil des Betäubungsmittels. Hinzu komme das Risiko, dass das verschriebene Morphinen auf der Straße lande und dort als Droge gehandelt werde. Deshalb dürfe das Morphium nur noch sehr sparsam eingesetzt werden. Wie häufig das der Fall sei, sei jedoch nicht bekannt, fügt er hinzu.

Eine Alternative ist inzwischen gefunden: Methadon. Das Medikament wird bei Abhängigen als Ersatzdroge benutzt, „und ist viel nachhaltiger“, berichtet der 32-jährige Forscher.

Die Nebenwirkungen sind zwar ähnlich wie bei den Morphinen, „doch die Wirkung hält wesentlich länger an und es kann in geringeren Dosen verabreicht werden“, so Heebøll Nygaard.

Medikament mit Langzeitwirkung

Während nach der Morphiumgabe nur wenige Stunden vergehen, bevor die Schmerzen, die bei solchen Brüchen und Behandlungen sehr stark sein können, wieder eintreten, hält die Wirkung bei Methadon viel länger an. Bis zu 48 Stunden gibt es eine dauerhafte Schmerzblockade.

Bisher ist die Alternative größtenteils bei jüngeren Patientinnen und Patienten erprobt worden. Mit großem Erfolg, wie der Arzt berichtet. „Unsere ersten Versuche zeigten, dass die niedrigste Dosis eine ebenso effektive Schmerzlinderung bot wie höhere Dosen, jedoch mit einem geringeren Risiko für Nebenwirkungen. Die höheren Dosen führten zu einem erhöhten Risiko für Nebenwirkungen (insbesondere Atemdepression). Daher empfehlen wir die niedrigste Dosis – nicht nur, weil die Nebenwirkungen zu stark sein können, sondern weil wir eine vorteilhaftere Balance zwischen Wirkung und Sicherheit gefunden haben.“

Bessere Heilungschance

Ein weiterer Vorteil des Methdons sei, dass die Quote der Menschen, die mit Folgeerkrankungen wieder ins Krankenhaus kommen, niedriger sei. Das haben die Medizinerinnen und Mediziner beobachten können.

Die im Apenrader Krankenhaus von Kevin Heebøll Nygaard gestartete Studie ist der Beginn, damit die Behandlung bald allen Patientinnen und Patienten im Land zugutekommen kann. „Das erfüllt mich mit Stolz“, sagt der Chirurg.

Die Behandlungsmethode muss in den kommenden Jahren noch verfeinert werden. Dazu werden weitere Forschungsergebnisse benötigen.

Ort des Bruches bestimmt die Schmerzintensität

Die obere Bildreihe zeigt einen weniger schmerzhaften Bruch des Oberschenkelhalses. In der unteren Bildreihe ist der Bruch unterhalb des eigentlichen Halses; dann ist es besonders schmerzhaft. Rechts sind die Röntgenbilder von korrigierten Brüchen zu sehen (Aus dem Aufsatz: „A new algorithm for hip fracture surgery“ von Henrik Palm, Michael Krasheninnikoff, Kim Holck, Tom Lemser, Nicolai Bang Foss, Steffen Jacobsen, Henrik Kehlet und Peter Gebuhr in „Acta Orthopaedica“).

Man hat festgestellt, dass Oberschenkelhalsbrüche, je nach Lage des Bruches, zu stark unterschiedlichen Schmerzen führen. Ein Bruch direkt am Kopf des Oberschenkelhalses verursacht im Vergleich weniger Schmerzen, als Brüche weiter unten am Oberschenkel.

Forschung im Apenrader Krankenhaus – Sygehus Sønderjylland

Im Apenrader Krankenhaus wird Forschung betrieben. Schwerpunkt sind die sogenannten Volkskrankheiten.

Aktuelle Forschungsgebiete sind:

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