Soziales

Apenrade startet Modellprojekt für gerechtere Gesundheitsversorgung

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Als vulnerabel werden Menschen bezeichnet, die nicht in der Lage sind, Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen (Symbolfoto). Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet in etwa „verletzlich“.

Mit einem einzigartigen Kooperationsprojekt setzen die Kommune Apenrade und Sygehus Sønderjylland neue Maßstäbe: „Sammen på Tværs“ soll die medizinische Versorgung für sozial benachteiligte Menschen verbessern und durch sektorübergreifende Zusammenarbeit für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen sorgen.

„Viele Menschen, die psychisch oder sozial belastet sind, erleben ein Gesundheitssystem, das nicht auf sie abgestimmt ist – unkoordiniert, unübersichtlich, manchmal überfordernd. Das wollen wir ändern“, sagt Michael Christensen (SF), Vorsitzender des Sozial- und Seniorenausschusses in der Kommune Apenrade. Mit dem neuen Projekt „Sammen på Tværs“ („Gemeinsam bereichsübergreifend“) sieht er eine große Chance.

Mehr Zusammenarbeit – für Menschen, die Hilfe brauchen

Gemeinsam mit dem Nordschleswigschen Krankenhauswesen, Sygehus Sønderjylland, will die Kommune Apenrade neue Wege in der Gesundheitsversorgung gehen – vor allem für Menschen, die bisher häufig durchs Raster fallen. Ziel ist es, sogenannte „vulnerablen Personengruppen“, d. h. sozial benachteiligten oder durch psychische Leiden verletzlichen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu medizinischer Hilfe zu erleichtern und die Zusammenarbeit zwischen Klinik, Kommune, Forschung und weiteren Partnern zu verbessern.

Das Projekt läuft über drei Jahre und bringt viele Akteure an einen Tisch: Neben der Kommune und dem Krankenhaus sind auch Hausärztinnen und -ärzte, die Universität Süddänemark (SDU), das Zentrum für Suizidforschung sowie die Psychiatrie der Region Süddänemark beteiligt.

„Sammen på Tværs“ konzentriert sich auf vier konkrete Bereiche:

Volkssozialist Michael Christensen ist in dieser Legislaturperiode Vorsitzender des Sozial- und Seniorenausschusses der Kommune Apenrade.
  1. Sozialpflegerische Klinik in der „Blauen Oase“
    Gemeinsam mit der Hilfsorganisation „Blå Kors“ haben Kommune und Krankenhaus eine neue Anlaufstelle geschaffen: In der Begegnungsstätte „Den Blå Oase“ am Sønderport 49 bietet eine Pflegeklinik medizinische Beratung und Hilfe für Menschen an, die sonst kaum Zugang zu solchen Angeboten haben – unbürokratisch, vertraulich, auf Augenhöhe.
  2. Hilfe für Menschen mit selbstverletzendem Verhalten
    In Apenrade nimmt selbstverletzendes Verhalten zu – besonders schwierig sind für Betroffene die Übergänge zwischen Krankenhaus, Psychiatrie, Polizei und kommunalen Hilfsangeboten, wo es oft an Abstimmung fehlt. Hier setzt das Projekt an, um Abläufe zu verbessern und effektiver zu vernetzen.
  3. Offene Treffpunkte als Gesundheitsanker
    Bestehende offene Treffpunkte in der Stadt sollen gestärkt und besser eingebunden werden. Sie bieten Menschen einen geschützten Raum, Gemeinschaft, Alltagshilfe – und können damit entscheidend zur körperlichen und seelischen Gesundheit beitragen.
  4. Forschung vor Ort ermöglichen
    Apenrade will selbst Forschungskompetenz aufbauen – gemeinsam mit dem Krankenhaus entwickelt die Kommune neue Wege, wie Forschung direkt in der kommunalen Praxis verankert werden kann. Das Ziel: schneller herausfinden, was wirkt – und es konkret umsetzen.

Ein Projekt mit Signalwirkung

Helene Skjøt-Arkil wurde vor gut dreieinhalb Jahren als beste Ph.D.-Hauptbetreuerin von Syddansk Universitet ausgezeichnet (Archivfoto).

Helene Skjøt-Arkil, kommissarische Forschungsleiterin am Krankenhaus Südjütland, zeigt sich überzeugt vom Ansatz: „Dieses Projekt ist nicht nur fachlich spannend, sondern auch gesellschaftlich wichtig. Gemeinsam können wir dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheit abzubauen – und Menschen eine Perspektive zu geben, die oft keine Stimme haben.“

Die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt „Sammen på Tværs“ sollen regelmäßig veröffentlicht werden. Schon jetzt gilt das Vorhaben in der Region als Vorbild für eine soziale und bürgernahe Gesundheitsversorgung.