Geschichte

Wracks identifiziert: Flensburg-Ziegel führen zu dänischen Sklavenschiffen

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Das archäologische Team untersucht die Ziegel auf dem Meeresboden.

Zwei 1710 gesunkene Schiffe bei Costa Rica waren mit Sklaven zu den dänischen Westindischen Inseln unterwegs. Ziegel aus Ekensund oder vom Iller Strand haben Forschende auf die Spur gebracht.

Über 300 Jahre lang lagen zwei verschollene Schiffe still auf dem Meeresgrund – jetzt glauben Forschende, ihr Rätsel gelöst zu haben: Vor der Küste Costa Ricas entdeckten sie die Wracks der dänischen Sklavenschiffe „Fridericus Quartus“ und „Christianus Quintus“. An Bord waren einst 840 versklavte Menschen, die jedoch kurz vor dem Untergang noch an Land gebracht wurden.

Die beiden Wracks sind seit Langem bekannt, doch erst 2015 entdeckten US-Meeresarchäologen die besonderen Flensburg-Ziegel (flensborgsten) an Bord der Schiffe. Diese wurden zur damaligen Zeit ausschließlich in Dänemark benutzt.

Die Ziegel sollten auf Sankt Thomas als Baumaterial eingesetzt werden. Gleichzeitig dienten sie als Ballast zur Stabilisierung der Schiffe.

Lehm aus Nordschleswig

Neue Analysen zeigen laut „Politiken“, dass der Lehm für die Ziegel entweder aus Ekensund (Egernsund) oder vom Iller Strand stammt. In der Gegend gab es bereits damals eine große Produktion von Ziegeln.

Das Holz des einen Wracks ist ein weiteres Indiz dafür, dass es tatsächlich die beiden Sklavenschiffe sind. Indem die Forschenden die Jahresringe analysiert haben, können sie durch Vergleiche feststellen, wann und wo die Bäume gewachsen sind.

„Das Holz zeigt, dass es zwischen 1690 und 1695 im westlichen Ostseeraum gefällt worden ist. Wir haben auch niederländische Kreidepfeifen vom Anfang des 18. Jahrhunderts gefunden. Das passt gut damit zusammen, dass das Schiff ab 1708 gefahren ist und 1710 sank“, sagt Andreas Kallmeyer Bloch, Meeresarchäologe beim dänischen Nationalmuseum.

Sehr wahrscheinlich stammt das Holz aus dem heutigen Schleswig-Holstein.

Die Mannschaft meuterte

Aus historischen Dokumenten ist bekannt, dass die „Fridericus Quartus“ und die „Christianus Quintus“ zunächst das heutige Ghana angesteuert haben. Dort hat die Mannschaft acht Monate lang Menschen versklavt.

Mit 840 Sklaven an Bord ging es in Richtung der dänischen Kolonie Sankt Thomas. Doch es geschah ein ernster Navigationsfehler, und die Schiffe verpassten die Westindischen Inseln. Stattdessen fuhren sie 2.000 Kilometer weiter Richtung Westen.

Es gingen Wasser und Nahrung aus, und die Mannschaft meuterte. Sie zündete die „Fridericus Quartus“ an und kappte die Ankertrosse der „Christianus Quintus“. Die Schiffe sanken mit ungefähr einem Kilometer Abstand zueinander.

Bislang war nur bekannt, dass dies vor der zentralamerikanischen Küste geschah. Nach der Analyse der Ziegel und des Holzes sind sich die Forschenden jetzt nahezu sicher, dass es die beiden Wracks an der Küste von Costa Rica sind. Die „Fridericus Quartus“ ist eines der am besten bewahrten Wracks in der Karibik.

Die Flensburg-Ziegel haben ein anderes Format als andere Ziegel.

Der größte Teil der 840 versklavten Menschen wurde an Land gesetzt. Ein kleiner Teil und die Besatzung fuhren mit englischen Schiffen weiter. Unklar ist jedoch, ob die Sklaven in Costa Rica freigelassen oder verkauft wurden.

„Es wäre interessant, jetzt die Antwort darauf zu suchen“, so Kallmeyer Bloch.