Nachruf

Eugen Ruhlmann in memoriam: Durch ihn kam das Museum nach Renz

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Eugen Ruhlmann (l.) verpachtete seinen Selbstbedienungsladen in Renz an Marius Hansen. Wer heute in dem Museum genau hinschaut, wird entdecken, dass das Gebäude einst als Supermarkt diente.

Weil er dem lokalhistorischen Verein seines Heimatortes den leer stehenden Selbstbedienungsmarkt kostengünstig zur Verfügung stellte, konnte dort ein einzigartiges Grenzlandmuseum entstehen.

Im Alter von 72 Jahren ist Eugen Ruhlmann, Tondern (Tønder), nach kurzer Krankheit einem Krebsleiden erlegen. Auch wenn er zuletzt in der Wiedaustadt lebte, so muss der Name Ruhlmann in einem Atemzug mit dem Ort Renz (Rens) genannt werden.

Der Großvater Eugen Ruhlmanns kam seinerzeit als Wandergeselle in den Ort. Er stammte aus dem Elsass. Sein Plan war es ursprünglich, nach Esbjerg weiterzuziehen, um von dort nach England und womöglich nach Amerika auszuwandern. In Renz traf er jedoch die Liebe seines Lebens und blieb deshalb in dem Ort hängen.

Opa Ruhlmann gründete in der neuen Heimat quasi seine eigene Handwerksdynastie, die schon bald über die Ortsgrenzen hinaus bekannt war.

Sein Enkel Eugen (ausgesprochen: ø.ʒɛn) wurde indes Kaufmann und betrieb viele Jahre den Kaufmannsladen am nördlichen Ortseingang von Renz.

Keine „dai·jeh·stuhv“ bei Euse

Bei „Euse“ – wie er genannt wurde – gab es eigentlich alles, was es auch in Supermärkten in den größeren Städten zu kaufen gab. Mit einem Unterschied: Hier wurden die „Verdauungskekse“ mit dem Namen „Digestive“ nicht etwa englisch und damit „dai·jeh·stuhv“ ausgesprochen, sondern wurden „Diggestiewe“ genannt.

„Euse“ ließ den einstigen Tante-Emma-Laden am Pebersmarksvej in den 1980er-Jahren in einen modernen Selbstbedienungsupermarkt umbauen. Als er in den Ruhestand ging, verpachtete er das Geschäft an Marius Hansen.

Auf Dauer reichte die Kundengrundlage im äußersten Zipfel der Kommune Apenrade (Aabenraa) jedoch nicht, um den Laden profitabel zu führen.

Supermarkt wurde zum Museum

„Damals fragte mich Euse, warum wir eigentlich nicht ein Museum in seinem Laden einrichten“, erzählt Ruth Christiansen. Sie war damals – im Jahr 2012 – wie heute Vorsitzende des Lokalhistorischen Vereins für Renz und Umgebung. Der Verein wollte ein Heimatmuseum aufbauen, und da ein ehemaliger Zöllner, Carl Jørgensen aus Tondern (Tønder), zudem dem Museum seine private Sammlung an Devotionalien der Grenzkontrolle an der deutsch-dänischen Landesgrenze zur Verfügung stellen wollte, war eine gewisse Gebäudegröße erforderlich.

„Euses leer stehender Kaufmannsladen wäre mir selbst nie in den Sinn gekommen. Ich war einfach davon ausgegangen, dass die Miete für uns unerschwinglich sein würde“, erzählt Ruth Christiansen.

Das Ehepaar Ruhlmann machte dem Museum jedoch ein sehr vorteilhaftes Angebot. Für die Vorsitzende des lokalhistorischen Vereins ist klar: „Ohne Euse und (Ehefrau, red. Anm.) Gerda würde es das Museum in dieser Form nicht geben.“

Am 1. Mai 2013 konnte die Einweihung gefeiert werden. Das Museum trägt den Namen „Mellem Slesvigs Grænser“ (Deutsch: Zwischen den Grenzen Schleswigs). Von der Kolonialzeit mit den „Kartoffeldeutschen“ über die Geschichte des Herzogtums Schleswig, von den Schleswigschen Kriegen, der Zeit der Grenzgendarmen und der Weltkriege bis hin zur Volksabstimmung 1920 und zur Gegenwart wird im Renzer Museum seither eine breite Palette an historischen und vor allem lokalhistorischen Informationen vermittelt.

Ehrengast bei Jubiläumsfeier

Eugen Ruhlmann war im Jahr 2023 Ehrengast bei den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Museums und hätte auch künftig immer eine persönliche Einladung aus Renz erhalten, unterstreicht Ruth Christiansen.

Der ehemalige Kaufmann und Gönner des Heimatmuseums wird am Freitag, 28. Februar, von der Apenrader Friedhofskapelle aus beigesetzt. Gottesdienstbeginn ist um 11 Uhr. Seine Frau Gerda verstarb bereits im Oktober 2016. Auch sie erlag einer Krebserkrankung. Nach dem Tod seiner Frau zog Eugen Ruhlmann nach Tondern. Als die Nachricht von Euses Tod am Montag in Renz die Runde machte, wurden viele Fahnen des Ortes ihm zu Ehren auf Halbmast gesenkt.

Anstelle von Blumen wird um eine Spende für die dänische Krebshilfe „Kræftens Bekæmpelse“ (Bankleitzahl: 3001, Kontonummer: 0001155, Kennwort: Eugen Ruhlmann) gebeten.