Kunstgeschichte

Briefe einer Künstlerin: Franciska Clausens Korrespondenz wird digitalisiert

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Im Nachlass Franciska Clausens wurden viele Briefe gefunden – die meisten waren natürlich handgeschrieben.

Einblicke in das Denken und Schaffen einer der wichtigsten Künstlerinnen Nordschleswigs: Ein neues Projekt macht bislang kaum zugängliche Briefe online verfügbar.

Die Künstlerin Franciska Clausen gilt heute als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der klassischen Moderne aus Dänemark – mit Wurzeln in Apenrade. Viele kennen ihre Werke aus Ausstellungen auf Schloss Brundlund (Brundlund Slot) oder dem Kunstmuseum Aros in Aarhus. Weniger bekannt sind jedoch die zahlreichen Briefe, die Clausen im Laufe ihres Lebens mit Künstlerkollegen und Weggefährtinnen in ganz Europa wechselte.

Dank einer großzügigen Förderung durch die Stiftung „Ny Carlsbergfond“ wird nun ein Großteil dieses schriftlichen Nachlasses digitalisiert und online verfügbar gemacht. Das Projekt ist Teil der Initiative Kilder til Dansk Kunsthistorie (Deutsch: Quellen zur dänischen Kunstgeschichte) und soll neue Einblicke in Leben, Denken und Schaffen der Künstlerin ermöglichen.

Wissenschaftlich wertvolle Korrespondenz

Auf einer Postkarte hat Franciska Clausen die Lage ihres Ateliers in Paris markiert.

Viele von Clausens Briefen und Postkarten befinden sich im dänischen Reichsarchiv (Rigsarkivet) in Apenrade, bislang allerdings mit eingeschränktem Zugang. Das soll sich nun ändern: Die Digitalisierung ihrer Briefwechsel hat nun begonnen; ab Herbst 2026 sollen die ausgewählten Dokumente dann online abrufbar sein – ergänzt um Transkriptionen, damit die häufig schwer lesbare Handschrift für alle verständlich wird.

„Natürlich arbeiten wir mit ihren Kunstwerken. Aber für Forschung und Vermittlung sind auch andere Quellen von großer Bedeutung“, sagt Tine Blicher-Moritz, Leiterin der Kunstabteilung von Museum Sønderjylland. „Durch die Online-Verfügbarkeit der Briefe entstehen neue Möglichkeiten – für uns, für internationale Kolleginnen und Kollegen sowie für alle Interessierten.“

Kein Abschluss, sondern ein Anfang

Franciska Clausen in den 1920er-Jahren in Paris

2024 wurde der 125. Geburtstag von Franciska Clausen in der Kommune Apenrade mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Doch das vergangene Jubiläumsjahr war kein Schlusspunkt – im Gegenteil: Mit dem Digitalisierungsprojekt wird das Interesse an Clausens Leben und Werk weiter vertieft.

„Franciska Clausen spielt eine zentrale Rolle in unseren Plänen für das zukünftige Museum am Kilen in Apenrade“, betont Tine Blicher-Moritz. „Darum ist es von großer Bedeutung, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, ihre Geschichte noch umfassender zu erschließen.“

Briefe aus Apenrade für die ganze Welt

Dieser Ordner voller Briefe aus dem Apenrader Reichsarchiv soll nun digitalisiert werden. Eine bemerkenswerte Randnotiz ist dabei vielleicht, dass die Mitarbeitenden des Reichsarchivs den Vornamen der Künstlerin falsch geschrieben haben.

Die Originale bleiben weiterhin sicher im Reichsarchiv in Apenrade aufbewahrt und sind dort auf Anfrage einsehbar. Künftig wird aber ein großer Teil digital abrufbar sein – für Kunsthistorikerinnen, Studierende und alle, die sich für die Kulturgeschichte Nordschleswigs und Europas interessieren.

Realisiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Reichsarchiv, der Franciska-Clausen-Stiftung und Museum Sønderjylland. Finanziert wird es aus dem Fördertopf „Kilder til Dansk Kunsthistorie“ des „Ny Carlsbergfonds“ – ein weiteres Kapitel in der Aufarbeitung des Schaffens einer Künstlerin, deren Leben und Werk weit über Nordschleswig hinausstrahlt.