Deutsche Zentralbücherei Apenrade

Mehr als eine Frauensache: Dieses Buch „sollten alle Männer lesen“

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Zwei Lesetipps, zwei Genres: Claudia Knauer verbindet Anspruch und Spannung.

Lesegenuss gleich im Doppelpack: Wie passen ein tiefgründiges Sachbuch und ein spannender Krimi zusammen? Ganz wunderbar, findet Büchereidirektorin Claudia Knauer. Während Emma Holten mit „Unter Wert“ zum Nachdenken anregt, sorgt Trude Teige mit „Das Mädchen, das schwieg“ für leichte Krimi-Unterhaltung.

„Das Buch, das mir am meisten am Herzen liegt, ist das von Emma Holten“, sagt Knauer. „Die junge Autorin ist dem Leser so zugewandt – das spürt man in jeder Zeile.“

Holten ist 33 Jahre alt, Expertin für feministische Ökonomie und berät unter anderem die dänische Regierung. Sie lebt in Kopenhagen. Auch wenn sie keine klassische Autorin ist, hat ihr Debüt „Unter Wert“ große Aufmerksamkeit erregt. Es behandelt Care-Arbeit – jene unbezahlte Sorge- und Fürsorgearbeit, die überwiegend Frauen leisten und die im wirtschaftlichen Denken bislang kaum vorkommt.

Holten analysiert scharfsinnig, wie sich Ökonomie als vermeintlich neutrale Wissenschaft darstellt – dabei aber zentrale gesellschaftliche Realitäten ausblendet. Dass unsere Gesellschaft nur deshalb funktioniert, weil Menschen sich umeinander kümmern, zeigt sie eindringlich. „Emma schreibt nicht gefühlig“, stellt Knauer fest. „Sie hat ihre Fakten parat – Theorien, Historie und Statistiken.“

Vom Ernstfall zur Erkenntnis

Buchtipp Nummer eins im Juni lautet: „Unter Wert“ von Emma Holten.

Ausgangspunkt für das Buch ist Holtens eigene Krankheitsgeschichte – ein einschneidendes Erlebnis, das ihr die Bedeutung von Pflege und Fürsorge drastisch vor Augen führte. „Das macht das Buch so relevant“, betont Knauer.

Ein weiterer Pluspunkt aus Sicht der Büchereidirektorin: Die deutsche Übersetzung stammt von Marieke Heimburger, Literaturübersetzerin und Mitglied im Vorstand des Büchereivereins für Nordschleswig.

„Für mich persönlich ist ‚Unter Wert' aus meiner Bibliothekswelt nicht mehr wegzudenken. Als ich entdeckte, dass Marieke es übersetzt hat, war das für mich ein absolutes Must-Read."

Für Knauer ist es ein zusätzlicher Anreiz, das Buch in der deutschen Ausgabe zu lesen – und nachdrücklich weiterzuempfehlen: „Für alle, aber vor allem für Männer. Und für Frauen, die sich ein Empowerment wünschen.“

Norwegische Krimi-Unterhaltung zum Abschalten

Ganz andere Töne schlägt Trude Teige mit ihrem Krimi „Das Mädchen, das schwieg“ an. Für Knauer ist das Buch „genau richtig, wenn man nach der Arbeit müde ist und einfach entspannen möchte“.

Im Mittelpunkt steht eine Journalistin, die mit einem Polizisten zusammenlebt – ein Ermittlerpaar, das in einer norwegischen Kleinstadt für Spannung sorgt. „Ich finde es angenehm, wenn die Figuren in Krimis normale Probleme haben“, erklärt Knauer. „Das wirkt authentisch und nicht so überladen mit persönlichen Dramen.“

Der Roman ist Teil einer Reihe, die durch sympathische Charaktere, glaubwürdige Schauplätze und ausgewogene Spannung besticht. „Perfekt für alle Krimiliebhaber“, wie Knauer findet.

Lesen als Spiegel der Gesellschaft – und als Rückzugsort

Der zweite Buchtipp: Trude Teiges Krimi-Reihe rund um „Das Mädchen, das schwieg“.

Für Claudia Knauer ist Lesen nicht nur ein Hobby, sondern Teil ihrer Lebensweise. „Ich lese zu Hause immer drei bis vier Bücher gleichzeitig“, gibt sie zu. Meistens sei ein Sachbuch dabei, ebenso Gedichte – und Krimis ohnehin: „Das ist mein Lieblingsgenre.“

Ob zum Nachdenken oder zum Durchatmen – mit ihren Tipps will die Büchereidirektorin zeigen, wie Literatur Perspektiven verschieben oder einfach guttun kann.