Politik

Grönlands Regierungschef stellt Dänemarks Sichtweise infrage

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Múte B. Egede kritisiert die häufige Sichtweise, dass Grönland für Dänemark nur eine Kostenquelle darstelle. In einem „Facebook“-Kommentar hebt er hervor, dass Grönland einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand Dänemarks geleistet habe.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit Grönlands von Dänemark wird oft betont – doch Grönlands Regierungschef Múte B. Egede dreht die Frage um: Hat Dänemark über Jahrzehnte von Grönlands Ressourcen profitiert?

Die Debatte um Grönlands Unabhängigkeit dreht sich oft um die Frage, wie die Insel ohne finanzielle Unterstützung aus Dänemark wirtschaftlich bestehen könnte. Grönlands Regierungschef Múte B. Egede stellt diese Sichtweise jedoch infrage: Eine neue „DR“-Dokumentation beleuchtet die wirtschaftlichen Verflechtungen der beiden Länder und zeigt, dass Dänemark über Jahrzehnte von der grönländischen Rohstoffindustrie profitierte – allein die Kryolith-Mine in Ivittuut soll zwischen 1854 und 1987 umgerechnet 400 Milliarden Kronen eingebracht haben.

„Man hat von dänischer Seite oft behauptet, dass Grönland nur eine finanzielle Belastung sei, dabei haben wir erheblich zu ihrem Wohlstand beigetragen“, schreibt Egede auf „Facebook“. „Wir haben immer gewusst, dass unser Land reich an Ressourcen ist. Nun zeigt die Dokumentation, dass Dänemark allein mit einer Mine enorme Summen verdient hat. Was wäre Dänemark heute ohne Grönland?“, so Egede weiter.

Dänemark profitierte vom Kryolithabbau

Kryolith wurde zur Aluminiumherstellung genutzt, das unter anderem in der Produktion von US-Militärflugzeugen während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurde. Als Dänemark 1940 von Deutschland besetzt wurde, entsandten die USA 600 Soldaten nach Ivittuut, um die Mine zu schützen und den Transport des wertvollen Kryoliths zu sichern. Im Laufe der Jahre hatten mehrere Unternehmen die Rechte zum Abbau, bis der dänische Staat 1940 Miteigentümer wurde. Bis dahin verdiente der Staat durch Abgaben von den abbauenden Unternehmen.

Laut Torben M. Andersen, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Aarhus und Vorsitzender des Grönländischen Wirtschaftsrates, sei dies „ein äußerst lukratives Geschäft“ gewesen: „Wenn man den Umsatz berücksichtigt und auf den heutigen Wert hochrechnet, ergibt sich eine Summe von etwa 400 Milliarden Kronen“, erklärt Andersen gegenüber „DR“. Gleichzeitig betont er jedoch, dass diese Zahl mit Unsicherheiten behaftet sei, da historische Währungswerte auf unterschiedliche Weise in die heutige Zeit umgerechnet werden können.

Geplante Aufarbeitung der wirtschaftlichen Beziehungen

Finanzminister Nicolai Wammen (Soz.) erklärt, dass das Finanzministerium die in der Dokumentation genannten Zahlen nicht geprüft habe. „Dänemark und Grönland haben 2023 eine historische Untersuchung ihres Verhältnisses vereinbart. Das wird ein natürlicher Rahmen sein, um auch die in der Dokumentation angesprochenen Fragen zu klären“, so Wammen.

Die Dokumentation kann unter folgendem Link angeschaut werden: https://www.dr.dk/drtv/program/groenlands-hvide-guld_506795