Energie

Westküstenverbindung kurz vor der Zielgeraden

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Östlich von Emmerschede in der Kommune Tondern laufen die Vorbereitungen, damit die neue Stromleitung den Aabenraavej überqueren kann.

Rund eineinhalb Jahre wurde in Westjütland und Nordschleswig gegraben, gebohrt und verlegt. Nun meldet Energinet Vollzug beim letzten Kabelabschnitt. Die neue 400-Kilovolt-Leitung soll ab 2026 ein zentraler Baustein der grenzüberschreitenden Energieinfrastruktur werden.

Der dänische Netzbetreiber Energinet hat beim Bau der 172 Kilometer langen 400-Kilovolt-Westküstenverbindung von Idomlund bei Holstebro über Endrup bei Esbjerg bis zur deutsch-dänischen Grenze bei Seth (Sæd) einen Meilenstein erreicht. Die letzten Erdkabel sind gezogen worden. 

Der weit größte Teil der Stromtrasse besteht aus Freileitungen und den sogenannten Thor-Masten. Rund 26 Kilometer werden jedoch als Erdkabel realisiert, um sensible Naturbereiche, Gewässer und Verkehrswege unterirdisch zu queren. 

Dass nicht mehr Erdkabel verlegt werden, hängt laut Energinet damit zusammen, dass Kabel im Boden das Risiko erhöhen, das elektrische Rauschen im Netz zu verstärken.

Die mittlere Etappe zwischen Endrup und Tarm/Skjern ist bereits seit zwei Monaten in Betrieb.

Im Rahmen des großen Ausbau- und Neubauprojekts in Westjütland und Nordschleswig laufen seit rund eineinhalb Jahren die Arbeiten, um die Kabel in die Erde zu verlegen. 

Nun wurden bei Skjern Å die Erdarbeiten und Horizontalbohrungen abgeschlossen, wie Energinet mitteilt. Die neue Stromtrasse soll unter anderem Strom aus Windenergie transportieren.

Zwei unterirdische Kabelabschnitte im Süden

Im südlichen Teil zwischen Endrup und der Grenze machen die Kabelstrecken 15 der insgesamt 75 Kilometer aus. In der Kommune Tondern ist das auf 5 Kilometern der Fall. 

Unterirdische Kabel wurden zwischen Seth und Rohrkarr (Rørkær) gezogen. Die letzten Kabel wurden im Herbst bei Bredebro verlegt.

Inbetriebnahme soll im Frühjahr erfolgen

In der Kommune Tondern sind etwa 100 Strommasten von dem Modell Thor errichtet worden.

Energinet gibt in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Kabellieferanten noch bis Februar 2026 an den letzten Muffenverbindungen arbeiten. 

Die gesamte Westküstentrasse soll im Frühjahr 2026 betriebsbereit sein und damit einen zentralen Baustein der künftigen Strominfrastruktur zwischen Nord- und Südjütland sowie weiter in Richtung Deutschland bilden.

Indes ist das etwa 18 Kilometer lange deutsche Teilprojekt der deutschen Transmissionsgesellschaft TenneT von der Grenze bis zum neuen Umspannwerk Klixbüll (Klægsbøl) bei Niebüll (Nibøl) bereits seit geraumer Zeit fertig.

Das Projekt verzögerte sich mehrfach

Die Karte zeigt die grenzüberschreitende Stromtrasse von Endrup bei Esbjerg bis Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein.

Auf dänischer Seite kam es immer wieder zu Verzögerungen. Regen, Wolkenbrüche und hoher Grundwasserstand haben das Projekt mehrfach behindert, da die Felder unter Wasser standen. Die besonderen Bodenverhältnisse erschwerten es, überhaupt in den Boden zu gelangen. 

Außerdem haben archäologische Funde und Enteignungen sowie Auflagen im Zusammenhang mit geschützten Tierarten den Projektfortschritt weiter verlangsamt.

Aktuell konzentriert sich Energinet auf die Wiederherstellung der betroffenen Felder und Flächen, auf denen gebaut wurde.

Grenzüberschreitender Austausch von Strom

Wenn die Stromverbindung zwischen Klixbüll (Klægsbøl) und Endrup in Betrieb genommen wird, kann mehr Strom zwischen Dänemark und Deutschland ausgetauscht werden.

Das erhöht die Versorgungssicherheit und die Systemstabilität in den Stromnetzen beider Länder, wie Energinet schreibt. 

Die Stromverbindung fördert außerdem den Austausch von erneuerbarer Energie, vor allem aus Windkraft, zwischen den beiden Ländern.

An die neue Verbindung wird die Erwartung geknüpft, dass sie einen sozioökonomischen Gewinn für sowohl Dänemark als auch Deutschland darstellt und in hohem Maße zu einer weiteren europäischen Marktintegration beiträgt.