Südschleswig

Danfoss-Fabrik in Flensburg soll verkauft werden – unbekannte Interessenten

Das Werk von Semikron-Danfoss an der Husumer Straße in Flensburg (Archivbild).

Nach massiven Höhen und Tiefen steht einer der größten Industriearbeitsplätze der Stadt zum Verkauf.

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Zusammenfassung

  • Danfoss will den Geschäftsbereich Automotive Electrification in der Flensburger Fabrik verkaufen.
  • Mehr als die Hälfte der rund 650 Beschäftigten soll mit dem neuen Eigentümer wechseln.
  • Grund sind hohe Verluste im E-Auto-Geschäft und ein schwächer wachsender Markt, was für große Verunsicherung sorgt.

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Vor etwas mehr als zwei Jahren wurden täglich 20 neue Mitarbeitende in der Fabrik an der Husumer Straße in Flensburg (Flensborg) eingestellt, nur um mit der Nachfrage Schritt halten zu können.

„Wir stellen wie verrückt ein“, erklärte die Personalabteilung von Semikron-Danfoss damals gegenüber „Flensborg Avis“.

Die Welt wurde regelrecht auf den Kopf gestellt. Zunächst gab es eine umfassende Entlassungswelle von Hunderten von Mitarbeitenden aus ebendiesem Werk, als die Nachfrage im Herbst 2024 einbrach. Zwischen 20 und 25 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden damals entlassen.

Auf der Suche nach neuen Eigentümern

Trotz der Kürzungen konnte der Abschwung jedoch nicht in einen neuen Aufschwung umgewandelt werden. Und der dänische Danfoss-Konzern hat nun aufgegeben.

„Die Produktion von Teilen für Elektroautos steht zum Verkauf. Und es gibt bereits interessierte Käufer“, sagt Dominic Dorfner, Geschäftsführer von Semikron Danfoss, wie dieser Teil von Danfoss heißt.

Insgesamt arbeiten gut 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Fabrik in Flensburg, und mehr als die Hälfte von ihnen wird einen neuen Eigentümer bekommen, wenn der Verkauf abgeschlossen ist. Der Verkauf umfasst die Produktion in der Fabrik in Flensburg, darunter sogenannte Leistungsmodule und Wechselrichter für Elektroautos, teilte die Geschäftsleitung in Norburg (Nordborg) auf Alsen (Als) am Dienstag mit.

„Wir haben beschlossen (…), dass wir neue Eigentümer für unser Geschäftsfeld Automotive Electrification finden wollen (…). Was den Bereich Elektroautos angeht, haben wir beschlossen, neue Eigentümer zu finden“, erklärte Konzernchef Kim Fausing gegenüber der Zeitung „Børsen“ am 3. März, als der Industriekonzern auf Alsen seinen Jahresabschluss veröffentlichte.

Schwächelnder E-Auto-Markt

Ein Blick auf Seite 173, Anmerkung 27 des Jahresabschlusses, zeigt, dass genau dieser Teil des Konzerns im vergangenen Jahr ganze 240 Millionen Euro verloren hat. Ein Grund dafür ist, dass die Europäer zwar begonnen haben, Elektroautos anzunehmen, der Markt beispielsweise in den USA jedoch viel langsamer wächst. Gleichzeitig hieß es früher – während der Kürzungen im Jahr 2024 –, dass die Chinesen das dänisch-deutsche Unternehmen aus ihrem Heimatmarkt heraushielten.

Laut Kim Fausing müsste sehr viel Geld in den Aufbau dieses Geschäftsbereichs investiert werden, um neues Wachstum zu generieren, und Danfoss möchte diese Millionen Euro lieber an anderen Stellen einsetzen, wo mehr Wachstum für den Konzern zu erzielen ist.

Wie viele Menschen sind davon betroffen?

Während es laut Danfoss interessierte Käufer gibt, sind noch eine Reihe von Fragen offen. Muss ein Käufer beispielsweise die gesamte Fabrik übernehmen und bleiben die Arbeitsplätze in Flensburg erhalten?

„Flensborg Avis“ hat versucht, Antworten auf diese Fragen zu erhalten, aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es noch keine Klarheit darüber. Laut den Quellen der Zeitung würde es für einen Käufer jedoch keinen Sinn machen, die Produktion zu übernehmen, um sie dann zu schließen.

Die Zeitung hat vergeblich versucht, eine Stellungnahme von der Gewerkschaft IG Metall Flensburg zu erhalten.

SSW: Arbeitsplätze erhalten

Wer sich zu Wort meldet, ist der Südschleswigsche Wählerverband (SSW). Die Partei der dänischen Minderheit fordert den Erhalt der Arbeitsplätze

Der lokale Abgeordnete und Fraktionsvorsitzende der SSW-Landtagsfraktion, Christian Dirschauer, nennt den geplanten Verkauf von Semikron Danfoss eine „Schreckensmeldung“. Einer der wichtigsten Industriestandorte in der Stadt gerate ins Wanken und Hunderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stünden vor einer ungewissen Zukunft, heißt es in einer Pressemitteilung.  

Offen sei auch, ob sich der Verkauf der Elektroautoteile-Produktion auch auf den gesamten Danfoss-Standort Flensburg auswirkt.

„Als SSW stehen wir fest an der Seite der rund 650 Angestellten. Ihre Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben. Denn hinter jeder Stelle steht ein Mensch, der eine sichere Perspektive verdient. Und die gab es zuletzt wahrlich nicht“, so Dirschauer, der die vergangenen Jahre als „wilde Achterbahnfahrt“ bezeichnet.