Geburtstag

Zahlen im Griff, das Herz am rechten Fleck: Hans Christian Bock feiert 85. Geburtstag

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Hans Christian Bock ist in Broacker und Schelde aufgewachsen. Nach seiner Rückkehr nach Nordschleswig siedelte sich die Familie in Apenrade an.

Der frühere Vorsitzende des Pressevereins „entflieht“ den Feierlichkeiten durch einen Besuch bei der Tochter und ihrer Familie auf Seeland. Sich selbst schenkt er ein Fahrrad – ohne Batterieantrieb natürlich!

Am 11. Februar vollendet Hans Christian Bock sein 85. Lebensjahr. Jahrelang hat er sich als Vorsitzender des Deutschen Pressevereins um die Belange des „Nordschleswigers“ gekümmert. Noch heute gehört die Lektüre der „Zeitung“, die es inzwischen tagtäglich nur in digitaler Form gibt, zu seinen Frühstücksroutinen.

„Auch wenn ich mal mitten in der Nacht wach werde, greife ich zum Tablet, um zu schauen, was es Neues gibt“, sagt Bock, der in der Minderheit häufig nur „H. C.“ genannt wird.

Den Vorsitz im Presseverein hat er schon vor einigen Jahren abgegeben. Doch in vielen anderen Vereinen und Verbänden weiß man weiterhin sein soziales Engagement, sein unermüdliches Interesse für die Minderheit im Besonderen und für die Gesellschaft im Allgemeinen gepaart mit einem Flair für Zahlen zu schätzen. Hans Christian Bock ist schon in seiner vierten Legislaturperiode im Apenrader Seniorenrat vertreten.

Politik, die Spaß macht

Reihenweise Ehrenämter

Alle Ehrenämter aufzuzählen, die er im Laufe der Jahrzehnte in und außerhalb der deutschen Minderheit ausgeübt hat, würde wohl selbst das Fassungsvermögen des unendlichen Internets sprengen. Es soll an dieser Stelle zumindest der Versuch gewagt werden, Bocks aktuelle Posten aufzuzählen:

H.C. Bock
Hans Christian Bock (2. v. l.) gehört der Apenrader Schützengilde an. 2017 nahmen die Schützen die damals noch amtierende Königin Margrethe in Empfang, als sie im Apenrader Hafen mit dem Schiff ankam.

„Parteipolitik spielt in dem Gremium keine Rolle. Dass ich aus der deutschen Minderheit komme, ist aber allen klar. Daraus mache ich auch keinen Hehl“, betont H. C. Bock.

Wenn die Bürgerinnen und Bürger der Kommune Apenrade, die das 60. Lebensjahr erreicht haben, am 18. November dieses Jahres – am gleichen Tag, an dem auch die Kommunalwahlen stattfinden – den neuen Seniorenrat wählen dürfen, würde er gern wieder kandidieren.

Die Arbeit macht ihm Spaß und hält ihn offensichtlich auch geistig auf Zack. Er ist Mitglied des Redaktionsausschusses des Mitteilungsblattes „Ruden“ sowie des Ausschusses für Planung, Technik und Umwelt. Ferner gehört er als Beobachter (ohne Stimmrecht) dem Bewohner- und Angehörigenbeirat des Pflegeheims Lergården an, das unweit seines privaten Wohnsitzes am Uglekær gelegen ist.

Bei den Kommunalwahlen vor fast vier Jahren war er noch auf der Kandidatenliste der Schleswigschen Partei (SP) zu finden. „Das sollen jetzt aber andere machen“, stellt er schmunzelnd fest.

Allein in den Kindergarten

Ein wichtiges politisches Anliegen des Seniorenrates ist schon seit Jahren die Barrierefreiheit. Das Foto zeigt die beiden Vertreter der deutschen Minderheit, Hans Christian Bock und Dieter Johannsen (2. und 3. v. r.), im Gespräch mit dem sozialdemokratischen Folketingsabgeordneten Jesper Petersen auf dem Rothenkruger Bahnhof. (Archivfoto).

Dass er ein phänomenales Erinnerungsvermögen hat, wird dadurch deutlich, dass er sich noch heute an seinen täglichen Spazierweg in den deutschen Kindergarten von Broacker (Broager) erinnert. Die Einrichtung lag nur rund einen Kilometer vom damaligen Wohnsitz seiner Eltern entfernt. „Ich bin morgens allein hin- und mittags wieder allein zurückgegangen“, erinnert er sich. Dabei muss er zu dem Zeitpunkt nur gerade einmal zwei Jahre alt gewesen sein.

Auch an die Taufe seines vier Jahre jüngeren Bruders Carl Jürgen im Jahr 1944 erinnert er sich noch gut und natürlich auch an den Mai 1945, als sein Kindergarten von einem Tag auf den anderen geschlossen wurde. Warum das passierte, wusste er damals nicht. Allerdings hat ihn die Tatsache, dass er nicht mehr zu „Tante Inge“ durfte, wie er seine damalige Bezugsperson im Kindergarten nannte, doch noch lange beschäftigt.

Dänische und deutsche Schulen

Dass die Kindergärtnerin wegen eines Verhältnisses zu einem deutschen Soldaten sogar verhaftet wurde, hat er erst später erfahren und verstanden. „Sie war von Brunsnis nach Holnis geschwommen, um ihn zu besuchen“, erzählt Hans Christian Bock. Die Strecke ist über die Flensburger Förde immerhin rund 1.200 Meter lang. „Das war damals Stadtgespräch in Broacker“, erinnert sich Bock.

Als Sechsjähriger wurde er in der dänischen Privat- und Realschule von Broacker eingeschult. „Damals brachte mich meine Mutter dorthin“, erzählt H. C. Sein Vater war jedoch ein paar Jahre später mit von der Partie, als der kleine Hans Christian seinen ersten Schultag an der neu eröffneten deutschen Schule in Sonderburg (Sønderborg) hatte. „Er wurde auch gleich in den Schulvorstand gewählt“, weiß der fast 85-Jährige. Den Mittelschulabschluss und anschließend auch das Realexamen legte er wiederum an der dänischen Schule in Broacker ab.

Zwölf Jahre in Kopenhagen

Hans Christian Bock schenkt sich selbst ein Fahrrad zum Geburtstag.

Das Zeugnis war offenbar so gut, dass er 1963 direkt von der Landbohøjskole in Kopenhagen aufgenommen wurde. In der Zwischenzeit hatte er eine landwirtschaftliche Ausbildung auf Höfen in Schleswig-Holstein und Nordschleswig gemacht. „Wer nicht einen gewissen Notendurchschnitt mitbrachte, musste zur Aufnahmeprüfung. Die war offensichtlich sehr schwierig. Auf jeden Fall schaffte es zu meiner Zeit kaum jemand durch dieses Nadelöhr“, erinnert sich H. C. Bock.

Das Landwirtschaftsstudium an der Landbohøjskole hat sich seit den 1960er-Jahren gewandelt. „Wir mussten noch 46 Fächer durchlaufen. Erst kurz vor dem Ende des Studiums der Agrarwissenschaften kam es zur Spezialisierung“, sagt Bock. Er hatte sich für Ökonomie entschieden.

Der frisch gebackene Agronom (cand. agro) ging zunächst als wissenschaftlicher Assistent ins Landwirtschaftsministerium in Kopenhagen. Nach sieben Jahren – 1975 – lockte ihn eine Stelle als Steuer- und Wirtschaftsberater beim Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN) an. Dessen Hauptsitz befand sich damals noch in Apenrade. Inzwischen hat der LHN sein Domizil nach Tingleff (Tinglev) verlegt.

Geistiges und körperliches Training

Immer wie aus dem Ei gepellt und den Schalk im Nacken: H. C. Bock

Geistig hält er sich durch seine vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten und auch durch das Klavierspiel fit. „Ich kann nur nach Noten spielen“, entschuldigt er sich fast für die Tatsache, dass er im wahrsten Wortsinn in einem „hjem med et klaver“ aufgewachsen ist. Die dänische Redewendung wird metaphorisch für ein kultiviertes, gutbürgerliches und oft wohlhabendes Zuhause verwendet.

„Das Klavier stammt von meiner Mutter. Sie konnte spielen, genau wie ihre Mutter. Das Instrument steht jetzt bei mir zu Hause“, sagt H. C. Bock. Seine Mutter brachte ihm die ersten Noten bei. „Später – ab meinem 13. Lebensjahr, bis ich 18 wurde – hatte ich bei Fräulein Sprenger Unterricht. Sie konnte auch ,nur‘ nach Noten spielen. Ihr Vater war Lehrer und Organist an der Marienkirche in Sonderburg. Er soll ein wahrer Virtuose gewesen sein. Das bin ich auf keinen Fall“, gibt Bock augenzwinkernd zu.

Körperlich hält er sich mit täglichen Spaziergängen und längeren Radtouren auf Zack. „Ich habe mir gerade ein neues Fahrrad bestellt“, erzählt er. Auf die Frage, ob es sich hierbei um ein E-Bike handelt, antwortet er nahezu entrüstet: „Natürlich nicht!“

Gefeiert wird übrigens in Rungsted Kyst, nördlich von Kopenhagen, im Kreise der Familie. Die Tochter Theresia lebt dort.