Deutsche Minderheit

Wer kann helfen? Historiker sucht Hinweise zur Geschichte des „Hauses Quickborn“

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Das Privatfoto muss in den Jahren 1937 bis 1940 entstanden sein. Es zeigt Niels Mikkelsen Uldall aus Flensburg, der das Haus an der Flensburger Förde als Sommerhaus nutzte. Er hält sein Mittagsschläfchen auf der Terrasse.

Ein Haus mit Meerblick und bewegter Geschichte: Lokalhistoriker Horst Fries will herausfinden, was sich in den 1940er-Jahren in der heutigen Begegnungsstätte in Kollund abspielte – und bittet jetzt die Öffentlichkeit um Mithilfe.

Wer lebte zwischen 1940 und 1952 in dem idyllisch an der Flensburger Förde gelegenen „Haus Quickborn“ in Kollund? Der Lokalhistoriker Horst Fries aus Solderup sucht dringend nach weiteren Informationen über diese bislang kaum dokumentierten Jahre – und hofft nun auf Unterstützung durch unsere Leserinnen und Leser.

„Das war eine harte Nuss“, sagt Horst Fries über seine Recherche. Seit Monaten forscht er im Auftrag des Sozialdienstes Nordschleswig zur Geschichte des „Hauses Quickborn“, das seit 1964 dem Sozialdienst gehört – damals noch unter dem Namen „Sozialer Frauendienst Nordschleswig“. Fries hat sich durch öffentliche Archive, alte Ausgaben des „Nordschleswigers“, Unterlagen des Deutschen Museums in Sonderburg (Sønderborg) und private Quellen gearbeitet. Er hat mit Nachfahren früherer Besitzer gesprochen, Fotos analysiert, Besitzverhältnisse rekonstruiert – und dabei erstaunlich viel zutage gefördert.

Vom Sommerhaus zur sozialen Einrichtung

Hobbygärtner und Hobbyforscher Horst Fries ist im Sommer meistens in seinem schönen Garten anzutreffen. Doch die Recherchen zur Geschichte von „Haus Quickborn“ sind so spannend, dass seine große Dahliensammlung momentan nicht seine volle Aufmerksamkeit erhält, obwohl sie in voller Blütenpracht in allen Farben schillert (Archivfoto).

Das Haus mit dem direkten Strandzugang hat 1920 die Flensburger Firma Holm & Moltzen für Georg Petersen gebaut. Der Bauherr bewohnte es zunächst selbst, vererbte es später an seinen Neffen Emil Mygind. 1937 ging das Haus an Hermine Elsbeth Levin, geboren 1879 in Polen. Die jüdische Hausbesitzerin lebte selbst offenbar nicht dort, sondern vermietete es als Sommerhaus an den Flensburger Kaufmann Niels Mikkelsen Uldall. „Ein altes Foto zeigt ihn beim Mittagsschlaf auf der Terrasse“, berichtet Fries.

Laut „Flensborg Avis“ soll Frau Levin das Haus 1938 an einen Dr. Hanekamp aus Mürwik verkauft haben – ein Verkauf, der jedoch wahrscheinlich nie abgeschlossen wurde. Spätere Kaufverträge aus dem Jahr 1952 nennen Frau Levin nämlich weiterhin als Eigentümerin. „Da war mir klar: Enteignung war es nicht – trotz der politischen Umstände jener Zeit. Allerdings war Frau Levin auch keine Deutsche, sondern hatte einen polnischen Pass“, fügt Fries als Erläuterung hinzu.

Eine große Lücke – die Jahre 1940 bis 1952

Als das Haus noch „Elbæk“ hieß, zierten die Initialen KH die Giebelfassade des Hauses.
Auf einem neueren Foto sind nur noch die Initialien J und H zu sehen. Horst Fries vermutet stark, dass es sich bei dem J nur um die Reste des früheren K's handelt. Wer war KH, und falls es doch ein JH gegeben haben sollte: Wer war das, lauten nun die Fragen des Lokalhistorikers aus Solderup.

Doch wer lebte in diesen Jahren in dem heute als „Haus Quickborn“ bekannten Gebäude? Genau hier fehlen dem Historiker entscheidende Puzzleteile. „Es ist gerade diese Zeit, die ich noch besser verstehen möchte“, sagt er. Hinweise auf mögliche Mieter oder Nutzungen gibt es kaum – mit einer Ausnahme: Eine inzwischen verstorbene Tonderanerin namens Solvaj Aabenhuus erwähnte ihm gegenüber einmal beiläufig, dass sie als Kind in dem Haus gelebt habe. Ihre Mutter Hanne wohnte damals offenbar mit ihr in Kollund, bevor sie nach Tondern zog und dort später Hostrup’s Hotel mitführte. Im Nachhinein ärgert sich Horst Fries, dass er damals nicht weiter nachgehakt hat.

Fries würde zu gern wissen: Welche Familien wohnten dort zwischen 1940 und 1952? Gab es weitere Nutzungen – etwa durch Vereine, die Kirche oder Behörden? Und was hat es mit den Initialen JH und KH auf sich, die an der Fassade des Hauses prangen? Alte und neue Fotos zeigen zwei unterschiedliche Buchstabenkombinationen aus Metall – offenbar Hinweise auf Menschen, die einst dort wohnten oder denen das Haus gehörte.

Wer weiß mehr? Und wer hat vielleicht alte Fotos?

Horst Fries bittet alle Leserinnen und Leser um Hilfe: Wer in der fraglichen Zeit im Haus gelebt hat, davon gehört hat, Dokumente besitzt oder alte Fotos aus dem Garten, vom Strandzugang oder dem Haus selbst auf dem Dachboden findet – der möge sich bitte bei ihm melden. Er ist telefonisch unter der Rufnummer +45 2341 2467 und per E-Mail unter horst.fries@gmail.com erreichbar.

„Ich habe schon viel herausgefunden – aber dieses Kapitel ist noch offen“, so der Historiker. Im September wird er beim Sozialdienst einen Vortrag über die Geschichte des Hauses halten – vielleicht ja dann mit den Antworten, die jetzt noch fehlen.

Darum heißt es „Haus Quickborn“

Das „Haus Quickborn“ ist heute eine begehrte Begegnungsstätte der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Den Namen hat das Haus mit der Adresse Fjordvejen 40, Kollund, 6340 Kruså, allerdings erst seit Mitte der 1960er-Jahre. 1964 kaufte es der Soziale Frauendienst Nordschleswig (heute: Sozialdienst Nordschleswig), um dort ein Müttererholungsheim einzurichten. Der Vorstand des Frauendienstes entschied sich für eine Umbenennung von „Egely“ in „Haus Quickborn“ nach einem gleichnamigen Werk des plattdeutschen Dichters Klaus Groth (1819-1899). Damals wurden die 16 Zimmer des Hauses nach den Namen nordschleswigscher Städte und Flecken benannt. Die feierliche Einweihung des Erholungsheimes direkt an der Flensburger Förde fand am 5. Januar 1965 statt.
„Das Haus hatte 1930 übrigens den Namen ‚Elbæk‘. Später, so um 1952, hieß es dann ‚Egely‘“, hat Lokalhistoriker Horst Fries, Solderup, bei seinen Recherchen zur Geschichte des „Hauses Quickborn“ herausgefunden.