Deutsche Minderheit

Von Wandern und Wissenschaft: Carsten Schlüter-Knauer wird 70

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Carsten Schlüter-Knauer ist zwar eigentlich in Rente, viel zu tun hat er aber trotzdem.

Seit mehr als 25 Jahren lebt Carsten Schlüter-Knauer in Nordschleswig und war lange trotzdem nicht ganz hier. Inzwischen verlagert sich sein Lebensmittelpunkt vollständig in die deutsche Minderheit. Am 2. Februar feiert er seinen 70. Geburtstag.

„Eigentlich passt mein Geburtstag jetzt gar nicht“, sagt Professor Dr. Carsten Schlüter-Knauer lachend. Kein Wunder, denn obwohl Schlüter-Knauer schon in Rente ist, gibt es für ihn immer noch genug zu tun. So viel, dass er für seinen 70. Geburtstag am Sonntag, 2. Februar, keine große Feier geplant hat. Die werde dann aber im August im eigenen Garten nachgeholt, sagt er.

Schlüter-Knauer zog im Jahr 1997 nach Nordschleswig. Seine Frau, Claudia Knauer, ist heute Direktorin deutscher Büchereien in Nordschleswig und trat damals eine Stelle beim „Nordschleswiger“ als Journalistin an.

Carsten Schlüter-Knauers Lebensmittelpunkt verlagerte sich damals jedoch noch nicht vollständig nach Nordschleswig, da er ab 2002 an der Fachhochschule in Kiel tätig war. Zunächst in der Studienberatung und später als Dozent für Soziologie und Politikwissenschaften.

Zu diesem Zweck pendelte er sehr viel zwischen Nordschleswig und Kiel. Das hat sich durch die Rente mittlerweile geändert: „Nordschleswig wird jetzt eher zum Lebensmittelpunkt.“

Obwohl er inzwischen in Rente ist, hat er zwar noch Lehraufträge, aber nicht mehr in so umfangreichem Maße wie früher. Viele seiner Lehrveranstaltungen könne er inzwischen auch online abhalten, erzählt er. Dadurch bleibe mehr Zeit, um auch hier vor Ort Kontakte zu pflegen und Veranstaltungen zu besuchen.

Carsten Schlüter-Knauer verbringt nun mehr Zeit in Nordschleswig.

Daran, die Lehre vollständig an den Nagel zu hängen, denkt Schlüter-Knauer aber noch nicht: „Ich wäre nicht in Rente gegangen, wenn ich nicht gemusst hätte“, sagt er mit einem Schmunzeln. Außerdem mache es ihm Spaß, sein Wissen weiterzugeben und sich mit den Studentinnen und Studenten auszutauschen.

Minderheit trotzdem nicht unbekannt

Auch wenn er erst jetzt den Großteil seiner Zeit in Nordschleswig verbringen kann, so ist die deutsche Minderheit für Schlüter-Knauer alles andere als unbekannt. Er war selbst zehn Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Büchereiverbandes, bis seine Frau Claudia als Direktorin in die Bücherei wechselte.

Insgesamt fühlt er sich sehr wohl und gut aufgenommen in der deutschen Minderheit. Seine Freizeit nutzt das Geburtstagskind, um im eigenen Garten zu sitzen und um gemeinsam mit dem Heimatwanderclub auf Wanderschaft zu gehen. Dort habe er viele neue Leute kennengelernt, aber auch bereits bekannte Gesichter getroffen. „Über die Minderheit kennt man viele.“

Schlüter-Knauer ist außerdem ein Fan von Literatur. Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert interessieren ihn beispielsweise. Aber auch andere Genres sind dabei: „Zum Einschlafen lese ich keine schwere Literatur“, sagt er. Da greife er dann etwa zu Werken von „Dune“-Autor Frank Herbert.

In seiner Freizeit befasst sich Carsten Schlüter-Knauer auch gerne mit Literatur.

Begeisterung für Wissenschaft

Aber auch seine Begeisterung für die Wissenschaft begleitet Schlüter-Knauer bis in seine Freizeit. So ist er Redakteur einer soziologischen Fachzeitschrift und Mitherausgeber der „Ferdinand Tönnies Gesamtausgabe“. Schlüter-Knauer hilft dabei, die Texte des Soziologen Ferdinand Tönnies zu dokumentieren und den Inhalt zu erläutern und in den richtigen Kontext einzuordnen.

Insgesamt sollen 24 Bände dieser Ausgabe erscheinen. Bis sie vollständig ist, werde es wohl aber noch eine Weile dauern, sagt der studierte Politikwissenschaftler.

Zudem sitzt er im Präsidium der an der Veröffentlichung beteiligten Ferdinand Tönnies Gesellschaft.

Auf lange Sicht werde er vermutlich trotzdem etwas mehr von den wissenschaftlichen Aufgaben abgeben müssen, gibt Schlüter-Knauer zu: „Auch wenn es mir schwerfällt.“

Bis es so weit ist, hat er aber noch einiges vor. Allem voran: wieder richtig Dänisch lernen.

Carsten Schlüter-Knauers Werdegang