Deutsche Minderheit

Von Rätseln und Wurzeln: Rapstedter Kinder auf der Suche nach ihrer Identität

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Die Schülerinnen und Schüler mussten puzzeln, lesen, rechnen und kombinieren, um an den fünf Stationen Zahlencodes herauszufinden.

Spannende Rätsel und knifflige Aufgaben boten den Kindern der Deutschen Schule Rapstedt nicht nur Spaß, sondern auch wertvolle Lernimpulse zur eigenen Identität und zur deutschen Minderheit in Nordschleswig.

Wo liegt Lunden? Wofür steht DSS? Wann fand die Volksabstimmung statt? Was ergibt 4 mal 2 plus 2 geteilt durch fünf mal drei… usw?
Diese und viele andere knifflige Fragen beschäftigten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 0 bis 7 bei der aufregenden Abschlussveranstaltung der Projektwoche an der Deutschen Schule Rapstedt. Das Thema der Woche – „Minderheit und Identität“ – brachte die jungen Köpfe ordentlich ins Grübeln und sorgte für viel Spaß bei der Suche nach Antworten.

In den Tagen zuvor hatten die Kinder viel über ihre eigene Identität nachgedacht: Sie besuchten das Deutsche Museum in Sonderburg (Sønderborg), hörten der ehemaligen Schulrätin Anke Tästensen zu, die von ihrem Leben in der deutschen Minderheit erzählte, und füllten am Mittwoch je einen Identitätskarton mit Dingen, die sie selbst ausmachten. Am Donnerstag aber wartete ein ganz besonderes Highlight auf die Schülerinnen und Schüler: eine Schatzsuche.

Vier verlockende Schatztruhen im Schulleiterbüro

Verena Bartlett und Maria Wappler hatten sich die Schatzsuche zum Thema „Minderheit und Identität“ ausgedacht. Sie waren selbst begeistert, wie gut ihr Konzept von den Kindern angenommen wurde.

Obwohl: Den Schatz mussten die Kinder gar wirklich nicht suchen, denn im Büro von Schulleiter Jan Röhrig hatten sie schon vier kleine Schatztruhen entdeckt. Für jede Gruppe eine – das hatten die cleveren Mädchen und Jungen schon herausgefunden.

Allerdings war jede der Schatztruhen mit einem Vorhängeschloss mit fünfstelligem Zahlencode gesichert.

Um den Code zu knacken, wurden das Wissen, die Teamfähigkeit und die Kombinationsgabe der Kinder auf die Probe gestellt. Im gesamten Schulgebäude warteten fünf Stationen auf die vier Gruppen. Die Lösung bestand jeweils aus drei Zahlen. Welche davon wirklich relevant war, fanden die Gruppen erst bei einer letzten Aufgabe im Schulleiterbüro heraus.

Fächerübergreifend und altersgerecht

Wie heißt ein Frosch auf „Synnejysk“ oder auf Hochdänisch? Diese Gruppe hatte die gestellte Aufgabe schnell gelöst.

Die Aufgaben waren nicht nur altersgerecht gestaltet, sondern erforderten auch fächerübergreifendes Wissen. Leseverständnis, Mathematik, Geschichte, Erdkunde und sogar das bewährte Ausschlussverfahren kamen zum Einsatz, um die Codes zu knacken. Die kreativen Köpfe hinter der Schatzsuche waren die Lehrkräfte Verena Bartlett und Maria Wappler.

Inspiriert wurde das Projekt von einer Mitarbeiterdienstversammlung (MDV) des Deutschen Schul- und Sprachvereins (DSSV) für Nordschleswig im Februar dieses Jahres. Dort war das Thema „Deutsche Minderheit“ auf die Tagesordnung gesetzt worden, was die beiden Lehrerinnen so begeisterte, dass sie sofort entschieden, das Thema in der Projektwoche aufzugreifen – allerdings auf spielerische Weise.

„Da Escape-Rooms aktuell sehr beliebt sind, haben wir Elemente dieses Rätselspiels aufgenommen. Die räumlichen Gegebenheiten an unserer Schule sind jedoch nicht für einen echten Escape-Room geeignet, deshalb haben wir uns für eine Art Schatzsuche entschieden“, erklärt Maria Wappler.

So macht Lernen Spaß

Sobald die Jungen die verschiedenen Domino-„Steine“ richtig aneinandergelegt hatten, mussten sie sie umdrehen: Auf der Rückseite wurde ihnen dann eine Textaufgabe gestellt. Die Lösung war wieder eine Zahl für das Vorhängeschloss.

Käthe F. Nissen, pädagogisch-administrative Konsulentin des DSSV, ließ sich die Umsetzung dieses innovativen Konzeptes nicht entgehen und besuchte die Schule. Ihr Urteil war eindeutig: „Ich bin begeistert! Ihr müsst dieses Konzept unbedingt auch den Kolleginnen und Kollegen an anderen Schulen vorstellen.“ Sie lobte die kreative und interaktive Gestaltung der Projektwoche, die nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern auch den Erwachsenen viel Freude bereitete.

Das gesamte Kollegium der Deutschen Schule Rapstedt war aktiv in die Durchführung der Stationen eingebunden. „Ich komme selbst aus der dänischen Minderheit in Südschleswig und finde es sehr spannend, die andere Minderheit kennenzulernen“, sagt Finn-Thorbjörn Fichtner-Grabowski, der in Rapstedt unterrichtet. Interessiert schaute er deshalb den Kindern bei der Aufgabenlösung über die Schultern – und lernte dazu.

Trotz der schwierigen Aufgaben – und nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen – kamen alle schließlich zum Ziel. Mit dem Zahlencode öffneten die Kinder die Schatztruhen und fanden darin Radiergummis, Kugelschreiber, Tattoos, Reflektoren und einige Bonbons. Ein lohnender Abschluss für eine Woche voller spannender Entdeckungen und intensiver Auseinandersetzung mit der eigenen Identität.

Die Schatztruhen waren mit Merchandise vom „Nordschleswiger“ gefüllt.