Analyse

„Vision oder Illusion? Zwist um Haderslebens beste Lage“

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Die Haderslebener Förde ist für die Domstadtkommune ein Trumpf im Ärmel. Den wird sie brauchen. Ungeachtet der Zuwanderung aus Deutschland ist die Einwohnerentwicklung im Vorjahr leicht zurückgegangen (-0,7 Prozent gegenüber 2023). 23 Prozent der Menschen sind über 65 Jahre.

Die Vision der Schleswigschen Partei für eine Wasserwelt mit Schwimmhalle und Hotel in bester Lage sorgt für politische Turbulenz. Während die Liberale Allianz von Luftschlössern, gar von Geheimnisverrat spricht, stellt sich die Frage: Sollen Immobilieninvestoren oder die Allgemeinheit vom Fördeblick profitieren? – Eine Analyse.

Wohnen mit Aussicht auf die Haderslebener Förde – das hat was. Ein unerfüllter Traum für viele, nicht aber für jene, die es sich leisten können. Eine Wasserwelt, bestehend aus Förde-Bassin und Schwimmhalle, eventuell gepaart mit einem Konferenzhotel, hätte auch etwas – und zwar für jeden.

Letzteres fußt auf einer Idee von Carsten Leth Schmidt. Der Kommunalpolitiker der Schleswigschen Partei (SP) hatte im geschlossenen Sitzungsteil des Kommunalrats einen Vorstoß gewagt, als die Zukunft des Förde-Grundstücks zwischen Rathaus und dem „Blauen Vereinshaus“ in Form einer Rahmenvereinbarung auf den Prüfstand kam.

Gewagter Vorstoß

Was sich konkret dahinter verbirgt, ist verschwommen. Laut Referat stimmten zwei Sozialdemokraten dagegen, da die Vereinbarung auch den Bau von Flex-Wohnungen vorsieht. Das sind ganzjährig nutzbare Wohnimmobilien ohne feste Meldeauflage, die als Hauptwohnsitz oder Ferienhaus genutzt werden können.

Leth Schmidt hegt eine andere Vision für das Hafengrundstück: Er schlägt eine Machbarkeitsstudie vor, die unter die Lupe nimmt, ob ein Fördebecken, eine Schwimmhalle und ein Konferenzhotel realistische Alternativen wären, um die Domstadt für Einheimische und den Tourismus attraktiver zu machen.

Blick auf andere

Dabei lohnt ein Blick auf Kommunen, deren Visionen für ihre Naherholungsgebiete über Wohnungen für Gutbetuchte hinausgehen. Aalborg hat es geschafft, aus einem alten Industriehafen am Limfjord einen Stadtteil von Lebensqualität zu schaffen: mit Eigentums-, Senioren- und Studentenwohnungen, mit Kulturhäusern, Cafés und Erlebniselementen wie einer Wasserski-Bahn mitten im Wohngebiet.

Mit Blick auf Haderslebens Förde ist erwähnenswert, dass just jene großen Projekte, die Leben an die Waterkant gebracht haben, „Det Blå Foreningshus“ und der StreetDome, ehrenamtlichen Initiativen zu verdanken sind.

Im Kommunalrat einigte sich eine 27-köpfige Mehrheit nach Leths Vorstoß auf eine leicht revidierte Rahmenvereinbarung, wie aus dem öffentlichen Referat hervorgeht: Eine Standortentscheidung für die Schwimmhalle wäre eigentlich vor den Sommerferien fällig gewesen. Nun wird die Frage, ob die Halle am Hafen, am Stadion oder am ehemaligen Krankenhaus stehen wird, nach den Sommerferien geklärt.

SP: „Das Beste – nicht das Erstbeste“

Carsten Leth Schmidt macht keinen Hehl daraus, dass es bislang weder Investorinnen und Investoren noch ein Projekt für seine Vision gibt: „Aber es ist das letzte kommunale Grundstück in bester Lage an unserer Förde. Wir sollten uns daher Zeit nehmen, darüber nachzudenken, was das Beste für Hadersleben wäre – und nicht das Erstbeste wählen!“

Mit seinem „Dazwischengrätschen“ hat sich der SP-Politiker nicht nur Freunde gemacht: Groß ist der Unmut unter jenen, die lange auf eine Schwimmhalle gewartet haben. Jetzt befürchten sie, dass es zu weiteren Verzögerungen kommt. Dabei erfordert die Standortprüfung ohnehin einen Planungsprozess – mit oder ohne Leths Vorstoß.

„Wenn der Kommunalrat im Hinblick auf die Machbarkeitsuntersuchung in die Hände spuckt, muss es keine Verzögerung geben“, verteidigt er seine Idee.

Thomas Vedsted von der Liberalen Allianz (LA), der für die Rahmenvereinbarung stimmte, tut Leths Idee als „Luftnummer“ ab. Mehr noch: Er wirft dem SP-Politiker in einem Leserbrief vor, dieser habe gegen die Schweigepflicht verstoßen, weil er angeblich Vertrauliches aus einer geschlossenen Sitzung ausgeplaudert habe.

Seit wann aber fallen politische Visionen in Hadersleben unter die Schweigepflicht?