Natur und Umwelt

Ungewöhnliche Ferienbeschäftigung: Ingeborg kümmert sich um eine Storchenfamilie

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Ingeborg Nielsen lebt bei Haustedt und hat besondere Nachbarn bekommen.

Im Nest auf dem Feld der Familie Nielsen/Pedersen bei Haustedt hat sich erstmals ein Storchenpaar niedergelassen und Eier ausgebrütet. Die zwölfjährige Ingeborg stellt sich tagein, tagaus für das Füttern zur Verfügung. Dass sich die Schülerin der Deutschen Schule Rapstedt der Störche bei sich zu Hause annimmt, kommt nicht von ungefähr.

Mit seinem charakteristisch langen Schnabel stolziert der Storch neben Schafen auf dem Feld am Stormsgårdevej herum. In unmittelbarer Nähe befindet sich das Storchennest, das die Ortsgemeinschaft 2015 errichten ließ. Im Nest vor dem Anwesen der Familie Nielsen/Pedersen kauert der Partner und bewacht die Jungen. Es ist das erste Mal, dass sich in Haustedt ein Storchenpaar niedergelassen hat. Eine kleine Sensation.

Damit Simba – so der Name des beringten männlichen Storches – und seine Partnerin genügend Nahrung für die Aufzucht der Jungen haben, wird am Stormsgårdevej regelmäßig gefüttert. Es ist einerseits eine tierische Hilfe, soll andererseits aber auch die Chancen erhöhen, dass die Störche in den kommenden Jahren auf das Anwesen zurückkehren.

Ehrenamtlicher Sonderdienst

Für das Füttern stellt sich seit Mai allen voran die zwölfjährige Ingeborg zur Verfügung. Auch jetzt in der Ferienzeit bringt die Schülerin der Deutschen Schule Rapstedt (Ravsted) Nahrung zur Futterstelle am Familiendomizil – freiwillig.

Das Engagement ist für Ingeborg Nielsen kein Ferienübel, denn sie ist von Tieren angetan und hat auf dem idyllisch gelegenen Anwesen selbst welche. „Ich habe vier Kaninchen und zwei Wellensittiche. Und wir haben eine Katze“, erzählt Ingeborg bei einem Besuch am Stormsgårdevej.

Ingeborg Nielsen geht jeden Tag mit Futterschale zum Storchennest auf dem angrenzenden Feld.

Jeden Tag bringt die Zwölfjährige kleingehackten Fisch oder zerkleinertes Geflügel zur Futterstelle. Die Nahrung samt einer Gefriertruhe stellt der Storchenverein „storkene.dk“ zur Verfügung. Ist Ingeborg mal verhindert, übernimmt Mama Charlotte oder ein anderes Familienmitglied die Fütterung.

Ingeborg mit der Hauskatze der Familie Nielsen in Haustedt. Die Zwölfjährige liebt Tiere.

Ein längerer Urlaub ist in diesem Jahr nicht drin. „Wir beschränken uns auf Ausflüge“, so Charlotte Pedersen. „Das ist aber okay“, ergänzt Storchenfreundin Ingeborg. Im kommenden Jahr würde sie allerdings ungern wieder auf einen Urlaub verzichten, schränkt die Schülerin ein. Da hört die Freundschaft dann doch auf – zumindest in der Ferienzeit.

„Es müssen dann andere übernehmen. Ansonsten werden wir uns aber wieder um die Störche kümmern, wenn sie wiederkommen sollten“, so Mama Charlotte.

Freuen sich über eine Storchenfamilie vor der Haustür und kümmern sich um sie: Ingeborg Pedersen und ihre Mutter Charlotte.

Nah, aber nicht zu nah

Nein, aus der Hand fressen die Störche noch nicht, antwortet Ingeborg mit einem Schmunzeln. Die Störche haben viel Zutrauen zu ihr gewonnen, was die Mutter bestätigt. Ganz nah an den Menschen kommen die imposanten Vögel aber nicht, und das sei auch gut so, schließlich handelt es sich um wilde Tiere.

Das Storchenpaar hat verhältnismäßig spät zusammengefunden und Eier ausgebrütet. „Die Störche waren erst Anfang Mai da“, berichtet Charlotte Pedersen.

Fütterung auf dem Feld mit Storchennest und Schafen

Da man nicht in das Nest gucken kann und der Nachwuchs noch sehr klein ist, konnte nicht genau festgestellt werden, wie viele Junge es denn nun sind. „Ich habe von unten kleine Köpfe gesehen. Ich glaube, es sind zwei oder drei Junge“, so Ingeborg, die dem ersten Flügelschlagen des Nachwuchses gespannt entgegenblickt.

„Der Storchenverein wird die Jungen mittels Kran bald mit Erkennungsringen versehen. Spätestens dann wissen wir genau, wie viele Junge es sind“, so Charlotte Pedersen.

Manchmal sind kleine Storchköpfe von unten zu erkennen. Wie viele Junge sich im Nest befinden, ist allerdings noch unklar.

In Zukunft vielleicht ohne Zufüttern

Ingeborg wird die Futtermenge dann noch besser berechnen können. Optimal wäre es, wenn die Störche künftig selbst genug Nahrung finden könnten. Das ist ein langfristiges Ziel des Storchenvereins, das mit Anpassungen und Umgestaltung der Lebensräume erreicht werden soll.

Dem Ziel schließt sich die Familie Nielsen an. „Es sind sechs kleine Tümpel in der näheren Umgebung geplant, die hiesige Landwirte errichten wollen. Die kleinen Biotope sollen den Störchen Nahrung bieten. Ein Tümpel ist direkt vor unserem Haus vorgesehen“, berichtet die Mutter von Ingeborg.

Sollte es mit der eigenen Nahrungssuche klappen, wenn die Störche wiederkommen, wäre die Urlaubsplanung bei den Nielsens einfacher.