Deutsche Minderheit

Trotz Veggie-Trend: Was am DGN am liebsten gegessen wird

Veröffentlicht Geändert
Vegetarische Küche
In der Küche von Heidi Jessen am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig wird auch vegetarisch gekocht.

Heidi Jessen kocht seit 32 Jahren am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig für Internatsschülerinnen und -schüler. Obwohl sich die Zusammensetzung jährlich ändert, bleiben die Lieblingsgerichte entgegen aller Trends recht stabil. Die 16-jährige Frida Floet verrät, was sie am liebsten mag und warum Heidi am Internat für ein Stück Zuhause sorgt.

Die 16-jährige Frida Vloet aus Augustenburg (Augustenborg) wohnt unter der Woche im Internat am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig. Fester Bestandteil ist dabei auch die Verpflegung.

Das Essen im Internat sorge dafür, dass man sich ein Stück weit wie zu Hause fühle, sagt Frida, die erst vor drei Jahren mit ihrer Familie aus Nordrhein-Westfalen nach Nordschleswig gezogen ist und vor ihrem Wechsel zum DGN zunächst auf die Deutsche Schule Sonderburg ging.

Das gemeinsame Essen sei etwas, worauf sie sich immer freue. „Denn wenn man zu Hause gutes Essen bekommt, freut man sich ja auch darüber.“ So sorgt die Verpflegung auch für Wohlbefinden bei der 16-Jährigen.

Heidi schwingt seit 32 Jahren den Kochlöffel

Frida besucht das Internat am DGN.
Frida besucht das Internat am DGN.

Entscheidenden Anteil daran, dass es schmeckt, hat Heidi Jessen. Die 56-Jährige lebt in Bülderup-Bau (Bylderup-Bov) und kocht schon seit 32 Jahren für die Internatsschülerinnen und -schüler. Gemeinsam mit vier Helferinnen bereitet die Küchenleiterin das Essen zu – für das Internat, die Satellitenwohnungen in der Stadt und auch für die Schule.

In hohem Tempo gleitet ihr Küchenmesser über das Schneidebrett. Rote Paprika werden in Würfel geschnitten, während in Edelstahl-Aufflaufformen daneben bereits in Scheiben geschnittene Auberginen und Kartoffeln darauf warten, gemeinsam mit geraspelten Möhren und kleinen Stücken Stangensellerie aufgeschichtet zu werden. Als weitere Zutat kommen noch Hähnchenbruststücke dazu. Bevor es in den Industrieofen geht, wird eine zuvor vorbereitete Soße über den Auflauf gegeben.

Man merkt Heidi einfach an, dass ihr die Arbeit Spaß macht. Sie steckt immer viel Liebe in ihr Essen und freut sich, wenn wir uns darüber freuen.

Frida Vloet

Hier wird Liebe ins Essen gesteckt

Alles geschieht hier in Handarbeit. „Man merkt Heidi einfach an, dass ihr die Arbeit Spaß macht. Sie steckt immer viel Liebe in ihr Essen und freut sich, wenn wir uns darüber freuen“, sagt Frida.

Dass sie es so lange in ihrer Position ausgehalten hat, hat viele Gründe. Sie mag an ihrem Job vieles, wie sie verrät. „Ich mag Küchenarbeit auch in Verbindung mit der Leitungsfunktion.“ Besonders gefällt ihr auch der stetige Wechsel. Jedes Jahr kämen neue Schülerinnen und Schüler.

„Natürlich gibt es Aufgaben, die immer wieder wiederholt werden, aber es gleicht trotzdem kein Tag dem anderen“, erzählt Heidi, während in der Küche konzentriert, aber dennoch ohne Hektik, das Gemüsegratin produziert wird.

Heidi Jessen
Heidi Jessen leitet die Küche am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig und kocht für 116 Menschen.

Doch dabei allein bleibt es nicht. „Wir bieten jeden Tag ein vegetarisches Gericht an“, sagt Heidi. Wer fleischlos essen möchte, der müsse sich anmelden. „Damit wir wissen, für wie viele wir vegetarisch kochen.“ Auch auf glutenfreie und milchfreie Varianten müssen Heidi und ihr Team achten. Denn einige der Schülerinnen und Schüler müssen bestimmte Diäten einhalten.

Lasagne, Pizza, Pitabrote, Burger, gratinierte Kartoffeln, Schnitzel, das sind Sachen, die gut gehen.

Heidi Jessen

Kein großer Veggie-Trend am DGN

„Man müsste eigentlich meinen, im Trend der Zeit, dass es weniger Fleisch gegessen wird. Aber an den Tagen, wo es die guten Fleischstücke gibt, das wollen die Jugendlichen richtig gerne.“

Es ist wenig überraschend, dass bestimmte Gerichte beliebter sind als andere. Doch auch das variiere von Jahr zu Jahr, weiß Heidi. „Man wundert sich immer wieder“, sagt sie und lacht. „Lasagne, Pizza, Pitabrote, Burger, gratinierte Kartoffeln, Schnitzel, das sind Sachen, die gut gehen.“

Heidi möchte, dass jeder zufrieden ist

Ob der Gemüseauflauf jedem schmeckt? Vermutlich nicht. „Wenn du für 110, 120 Menschen das Essen machst, kannst du nicht das Leibgericht von jedem machen“, sagt Heidi. Einige würden das einfach hinnehmen und andere beschweren sich da eher. „Das ist nicht so schön, denn wir bemühen uns natürlich, es jeden Tag so gutzumachen, dass jeder zufrieden ist.“

Was sie störe, ist die gesellschaftliche Entwicklung. Die Schülerinnen und Schüler würden heute mehr an sich denken, was ihren Bedarf angeht. In Bezug auf das Essen führe das manchmal zu Meckereien. „Das, was ich schade finde, ist, dass Kritik nicht persönlich an mich herangetragen wird, sondern man sie nur indirekt mitbekommt.“

Die 56-Jährige lässt jedoch nichts unversucht, um möglichst viele glücklich zu machen. „Ich habe immer zu den Schülern gesagt, ihr könnt euch immer was wünschen, und dann gucken wir, was passt.“ Einige würden sich das wie zu Hause vorstellen, wo man für vier Personen kocht. Es sei aber bei der hohen Zahl an Personen so, dass nicht alles geht.

Frida hat zwei Favoriten

Frida findet Heidis Essen meistens klasse. „Ganz besonders mag ich Heidis Grünkohl. Den gibt es leider nur um die Weihnachtszeit. Der ist richtig toll. Ich mag eigentlich keinen Grünkohl, aber Heidi macht ihn so, dass ich ihn mag.“ Auch Heidis gefüllte Pfannkuchen schmecken Frida immer gut.

Doch es ist nicht nur das Essen. Auch Heidis Art den Bewohnerinnen und Bewohnern gegenüber, dass sie hier den Tag verbringe, sie morgens und zum Mittag grüße, bedeute sehr viel. „Ich würde schon sagen, dass sich das irgendwo überträgt, wenn man merkt, dass jemand Spaß an dem hat, was er macht.“

Ob es Heidi in der Küche immer Spaß macht oder ob sie auch mal flucht? Da lacht die Küchenleiterin. „Eher wenn ich mich verbrenne oder mir in den Finger schneide.“ Natürlich gebe es auch mal weniger gute Tage. „Das hängt ja auch immer damit zusammen, wie man selbst drauf ist.“

Das Video zum Artikel findest du hier: