Natur & Umwelt

„Schlechter Scherz“: Zwist um Wasserschutz in Hadersleben

Veröffentlicht Geändert
Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei) weist die Kritik des Umweltministeriums am staatlich vorgegebenen Trinkwasserschutz in Hadersleben zurück.

Die Kommune Hadersleben steht wegen angeblich mangelhafter Schutzmaßnahmen für ihre Trinkwassergebiete unter Druck. Das Umweltministerium spricht von Versäumnissen und droht mit Klage. Die Kommune widerspricht den Vorwürfen. „Wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt der Vorsitzende des Klimaausschusses.

Das Umweltministerium wirft der Haderslebener Kommunalverwaltung unzureichenden Schutz bohrungsnaher Gebiete vor. Laut Ministerium hat die Domstadtkommune nur zwischen 1 und 19 Prozent ihrer bohrungsnahen Schutzgebiete (BNBO vor dem Einsatz von Pestiziden geschützt.

BNBO sind Zonen rund um Trinkwasserbrunnen, die besonders vor Schadstoffen wie Pestiziden geschützt werden müssen. Sie sind wichtig für den Schutz des Grundwassers, das Dänemark fast ausschließlich für die Trinkwasserversorgung nutzt.

Scharfe Kritik vom Umweltminister

Hadersleben ist eine von 25 Kommunen, gegen die das Umweltministerium bei „Ankestyrelsen“ klagt: Diese Behörde prüft, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden können. Umweltminister Magnus Heunicke (Sozialdemokratie) äußert scharfe Kritik und wirft unter anderem der Kommune Hadersleben vor, die Umweltgesetzgebung zu ignorieren.

Ausschussvorsitzender: „Aus allen Wolken gefallen“

Die Kommunalverwaltung weist die Vorwürfe zurück und präsentiert ganz andere Zahlen. Laut Mai Strunge Jarvis, Leiterin der Umweltabteilung, gibt es insgesamt 55 BNBO. Davon sind bereits 71 Prozent vor Pestiziden geschützt. Von 39 ausgewiesenen Schutzgebieten, die zusätzliche Maßnahmen erfordern, sind 16 abgeschlossen; weitere 12 befinden sich in der Bearbeitung.

Der Vorsitzende des kommunalen Ausschusses für Technik und Klima, Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei), reagiert fassungslos auf die ministerielle Androhung: „Wir sind aus allen Wolken gefallen! Nach unserer nächsten Ausschusssitzung sind sogar 89 Prozent der Gebiete beschlossene Sache und somit geschützt. Die Umsetzung dauert wenige Wochen.“

Leth: „Wegen geänderter Vorgaben wieder auf null“

Woher das Ministerium seine Zahlen hat, ist dem Vorsitzenden unklar. Immer wieder geänderte staatliche Vorgaben und schwierige Verhandlungen hätten die Umsetzung binnen der Frist von einem Jahr erschwert. „Somit konnten wir teilweise bei Verhandlungen mit den etwa 30 Wasserwerken von vorn beginnen. Man sollte glauben, das Ministerium hätte sich einen schlechten Aprilscherz erlaubt.“