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Praktikantin Carlotta: Zwischen Schwänen, Möwen und Mode

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Carlotta Hofmann
Carlotta Hofmann wird bis Ende April für den „Nordschleswiger“ im Einsatz sein.

Seit Anfang Februar verstärkt Carlotta Hofmann als Praktikantin die Hauptredaktion des „Nordschleswigers“ in Apenrade. Die 21-jährige Bachelorstudentin ist das erste Mal in Dänemark und wurde zu Beginn gleich mit starkem Ostwind und Seevögeln konfrontiert. Ihr großer Traum ist es, einmal im Modejournalismus Fuß zu fassen.

Carlotta Hofmann ist erst seit anderthalb Wochen in Nordschleswig. Mitten im Winter ist es nicht der schönste Zeitraum für ein Praktikum, aber die 21-Jährige genoss die ersten Tage in Dänemark dennoch. Den längeren Arbeitsweg zur Redaktion entlang des Wassers zu nehmen – „für euch ist es nichts Besonderes, aber ich finde es schön“, sagt sie.

Nach zwei Tagen Sonne und viel Grau schlug dann der starke Ostwind zu, woraufhin Carlotta eine andere Route durch die Innenstadt zur Redaktion nahm. „Der Wind ist unfassbar“, sagt die gebürtige Wolfsburgerin. Auch dass Möwen gierig über dem Keksteller kreisen, den sie zur Begrüßung für die Redaktion mitbrachte, und sie am Süderstrand schon von Schwänen attackiert wurde, trübten den positiven Ersteindruck nicht. „Ich fühle mich gut angekommen und aufgenommen“, so die 21-Jährige.

Kalter Norden statt heißer Süden

Carlotta war vorher noch nie in Dänemark und hat über eine App vorab ein paar erste Sätze Dänisch gelernt. Das erste Schimpfwort erfährt sie in unserem Gespräch. Warum die Wahl auf ein Praktikum im hohen Norden fiel und nicht etwa auf das „Inselradio Mallorca“ oder die „Griechenland-Zeitung“? „Mir ist es da zu heiß.“ Außerdem seien die Rückmeldungen anderer Praktikantinnen und Praktikanten, die bereits hier im Landesteil waren, positiv gewesen. „Dänemark hat mich einfach gereizt und in den anderen Ländern war ich schon.“

Am liebsten wäre Carlotta allerdings nach England gegangen, gibt sie zu. Das gestaltete sich jedoch schwierig. Ihre Vorliebe für das Britische begann in der Schule. „Früher mochte ich Englisch nicht, doch heute liebe ich die Sprache – auch dank eines neuen Lehrers, der kam“, erzählt sie. Sie mag das Land, die Architektur und auch die Literatur – von Sherlock Holmes bis Harry Potter.

Großes Interesse an der Modebranche

Carlotta Hofmann
Apenrade ist für drei Monate das Zuhause der 21-Jährigen.

Der modeinteressierten Studentin gefällt aber auch Apenrade mit seiner charmanten Architektur und den zahlreichen Altbauten. Das Faible dafür habe sie vermutlich von ihrer Mutter, verrät sie. In ihrer freien Zeit möchte die 21-Jährige auch gerne in „die Modehochburg Kopenhagen“ reisen. Nach ihrem Studium wäre es „ein kleiner Traum“, im Modejournalismus Fuß zu fassen. Schon immer habe sie Klamotten getragen, um sich auszudrücken. „Mode ist aber viel mehr als hübsch auszusehen, Schlagzeilen und Paparazzi.“ Sie habe sich intensiv mit der Branche auseinandergesetzt und so ihren Horizont erweitert.

Mode ist politisch

So ist auch der rote Lippenstift, den sie heute trägt, kein Zufall. Denn Mode kann auch politisch sein. Roter Lippenstift ist dabei aktuell erneut ein Zeichen des Widerstands gegen den Rechtsruck in Deutschland und Europa. Schon im Dritten Reich trugen Menschen in besetzten Gebieten und den USA als stilles Zeichen des Protests gegen das nationalsozialistische Frauenbild roten Lippenstift. „Hitler hasste Make-up und Lippenstift“, sagt Carlotta. Es sei eine kleine Rebellion. Außerdem sei ihr Sternzeichen Widder, ein Feuerzeichen, weshalb Rot ohnehin ihre Persönlichkeit unterstreiche.

Besondere Erwartungen hat die Studentin an ihre Praktikumszeit beim „Nordschleswiger“ nicht. Dass hier nicht die großen Modethemen warten, stört sie nicht. „Auch das Lokale ist spannend. Die Geschichten hier sind menschlicher und nahbarer und weniger deprimierend als das große Weltgeschehen.“ Ein wenig „Feel-Good“ schadet nie, so die Studentin, die es vor allem reizt, in die multimedialen Angebote des „Nordschleswigers“, Podcast und Video, reinzuschnuppern.

Carlotta Hofmann
Carlotta liebt Mode – und auch historische Architektur gefällt ihr sehr.

Vom Bachelor bis zur Vogue

Nach dem Praktikum startet sie im besten Fall bereits im Mai mit ihrer Bachelorarbeit. Danach will sie entweder ein Masterstudium dranhängen oder ein Volontariat beginnen. „Da bin ich mir noch unschlüssig, würde mich aber gerne spezialisieren.“ Weil Modejournalismus nur an teuren Privatuniversitäten möglich sei, wäre eine Vertiefung im Kulturjournalismus für die 21-Jährige denkbar.

Wer weiß, vielleicht liest man ja schon in ein paar Jahren in der „Vogue“ Berichte von Carlotta Hofmann, die einst in Apenrade beim „Nordschleswiger“ für ein Artikelfoto auf der Straße frieren musste: „Wenn du ein Foto machst, dann ohne meine Jacke.“