Nachruf

Peter Meyer: Für die Minderheit, gegen den Strom

Veröffentlicht Geändert
Rechtsanwalt Peter Meyer ist im Alter von 85 Jahren verstorben.

Es war ein Januartag 1940, als Peter Heinrich Meyer in der herrschaftlichen Villa seiner Eltern am Åstrupvej 25 in Hadersleben das Licht der Welt erblickte. Dort begann sein Leben – ein Leben, das von Widerstand, Durchhaltewillen und dem Mut geprägt war, sich durchzubeißen. In der vergangenen Woche ist Peter Meyer im Alter von 85 Jahren verstorben.

Peter Meyers Kindheit war einerseits ein Paradies, andererseits ein Kampfplatz. „Er war von Liebe umgeben. Seine Mutter Helga Elise umsorgte ihn – und er war der Liebling seiner Großmutter Helene Meyer“, erzählt seine frühere Lebenspartnerin Tove Heidemann.

Der Vater, Rechtsanwalt Henning Meyer, erzog den jungen Peter mit harter Hand. „Das war zu dieser Zeit keine Seltenheit.“ Die Großmutter bewunderte seine „kleinen feinen Ohren“ – eine Redewendung, die in der Familie zum geflügelten Wort wurde.

Ort des Aufbegehrens

Schule sei nie Peters Sache gewesen. Seit 1945 hatte er die deutsche Schule in Hadersleben besucht. Griffel und Tafel, Luthers Katechismus – dafür konnte er sich nicht erwärmen. Seine Mutter sorgte sich, weil Peter sich schwer damit tat, lesen zu lernen.

„Nicht aus Dummheit, sondern aus Desinteresse“, sagt Tove Heidemann. So kam es, dass Peter und sein Freund oft die Schule schwänzten. Sie trafen sich in Peters kleinem Zimmer unter dem Dach, stahlen Zucker und brieten Äpfel auf dem Ofen.

Der Wendepunkt: „Peter hat nichts getan!“

Seine Zeit am dänischen Gymnasium war indes kein Zuckerschlecken: Ein Lehrer hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, dem jungen Peter zu Beginn jeder Stunde eine Ohrfeige zu verpassen – weil er „deutsch“ war. Tag für Tag, Woche für Woche. Bis eines Tages alles anders wurde, als die Mädchen in seiner Klasse für ihn auf die Barrikaden gingen: „Peter hat nichts getan!“ – Es war ein kleiner Satz, der alles veränderte. Peter wusste damals, dass er nicht allein war.

Karge Jahre und Glücksmomente

Er schloss die Schule ab – als einer der Jüngsten. Seine Mutter begleitete ihn unter Tränen zum Bahnhof, als Peter Meyer Kurs auf Kopenhagen nahm, um Jura zu studieren.

Die ersten Jahre dort waren karg, erinnert sich Tove Heidemann. Er lebte asketisch. Höhepunkte waren die Besuche seiner Tante Marianne, wie er sich später voller Dankbarkeit erinnerte: Sie lud ihn ein ins Restaurant – zum Schlemmen.

Eine besondere Anerkennung

Auch das Studium war kein Spaziergang: Peter fiel durch die erste Prüfung. Seine Freundin wurde schwanger – die Begeisterung der künftigen Großeltern war überschaubar.

Die Geburt seines Sohnes Henning war ein weiterer Wendepunkt in seinem Leben: Fortan studierte Peter fleißig, bestand die Prüfung im zweiten Anlauf mit Bravour. Dies brachte ihm einen Freiplatz im Valkendorfs Kollegium ein. Dort begann die glücklichste Zeit seines Lebens, geprägt von Fürsorge, gutem Essen und engen Freundschaften, die ein Leben lang halten sollten.

„Einmal im Jahr haben wir uns in diesem großen Freundeskreis getroffen“, erinnert sich Tove Heidemann. „Es war jedes Mal ein Erlebnis.“

Ein Traum erfüllt sich

Nach dem Studium war Peter Meyer Referendar in Vejle und lernte bei einem Besuch in Aarhus seine spätere Frau Tove Heidemann kennen. Aus der Ehe gingen die Kinder Karin und Poul hervor. „Ihnen war Peter ein liebevoller Vater.“

Ein Terrier im Gerichtssaal

Später erfüllte er sich seinen Traum: eine eigene Kanzlei in Hadersleben. Er übernahm die Sekretärin seines Vaters und viele Mandanten, baute ein erfolgreiches Büro auf, erhielt die Zulassung am Landesgericht und schließlich am Obersten Gericht. Peter Meyer war ehrgeizig, bekannt für seinen Kampfgeist und erwarb sich schnell den Ruf eines Terriers im Gerichtssaal.

Engagement für die Minderheit

Meyer engagierte sich überdies für die deutsche Minderheit: als Vorsitzender der deutschen Schule, des Søsportscenters in Hadersleben und im Vorstand von „Der Nordschleswiger“. Irgendwann aber wurde es ihm zu viel, „der zu sein, der immer alles regelt“. Er verkaufte seinen Anteil an der Kanzlei und arbeitete bis zuletzt bei Lett & Co in Kolding.

Der Preis des Lebens

Das Leben auf der Überholspur forderte seinen Preis. „Wiederkehrende Depressionen, ein zunehmender Alkoholkonsum, kleine Schlaganfälle – das alles zerrte an Körper und Seele. Seine Persönlichkeit veränderte sich, nicht aber der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen. Die Liebe zu Literatur, Kunst und Politik blieb bis zuletzt“, schreibt seine Familie in einer Gedenkschrift: „Peter Meyer starb an einem ‚Brückentag‘ – zwischen Feiertag und Wochenende. Er muss nicht mehr kämpfen. Zurück bleibt das Bild eines Mannes mit krausem Haar und breitem Lächeln, der immer das Unmögliche versuchte – und nie aufgab.“

Die Trauerfeier findet am Dienstag, 10. Juni, ab 14 Uhr vom Haderslebener Dom aus statt. Alle, die ihn kannten und schätzten, sind willkommen, so die Familie.