Deutsche Schulen

Nordschleswig-Hallen-Masters: Förde-Schüler Erik entscheidet über Richtig und Falsch

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Erik Bartsch ist 13 Jahre alt und hat sich freiwillig gemeldet, um bei den Hallen-Masters zu pfeifen.

Anpfiff, Fair-Play, Abpfiff: Erik Bartsch ist zum ersten Mal Schiedsrichter bei einem großen Fußballturnier. 40 Teams von allen deutschen Schulen haben sich für die Hallen-Masters gemeldet.

Ein Ball fliegt über die Bande, und kurz herrscht Unruhe auf dem Spielfeld. Kinder auf der Tribüne eilen los, um den Ball wieder zur Bande zu bringen. Einwurf? Oder wie geht es jetzt weiter? Erik wartet einen kurzen Moment, bis die Spielerin mit dem Ball in der Hand zu ihm schaut. Er holt mit der rechten Hand aus und deutet mit einer Geste an, dass die Spielerin den Ball einrollen soll. Das Spiel geht weiter.

Acht Minuten lang hat Erik Bartsch nichts anderes im Blick als das Aufeinandertreffen der Mädchenteams der deutschen Schulen in Lügumkloster und Sonderburg (Sønderborg). Der Jugendliche von der Förde-Schule Gravenstein (Gråsten) hat sich freiwillig als Schiedsrichter für die Nordschleswig-Hallen-Masters gemeldet, zu denen sich im Vorfeld 40 Teams von allen deutschen Schulen Nordschleswigs angemeldet haben.

Die Mädchen der Deutschen Schule Lügumkloster dominieren das Spiel klar und schicken die Spielerinnen der Deutschen Schule Sonderburg (Sønderborg) mit einem 3:0 vom Spielfeld. Erik zückt ein Handy und trägt das Ergebnis in einem Portal ein, über das das gesamte Turnier organisiert ist. Erst hatte Erik überlegt, selbst zu spielen. Doch dann hat er sich dafür entschieden, sich mal als Schiedsrichter auszuprobieren. „Ich pfeife heute insgesamt sieben Spiele“, sagt der Förde-Schüler.

Immer wieder muss Schiri Erik in unklaren Situationen entscheiden, wie es weitergeht.

Neben dem Spielfeld wirkt Erik eher introvertiert und schüchtern. Auf dem Platz nimmt er seine Aufgabe, offensiv über Richtig und Falsch zu entscheiden, dennoch ernst. Unklare Situationen löst er schnell auf. Dabei ist es sein erstes Mal als Schiri. „Vor dem ersten Spiel war ich ein bisschen aufgeregt, aber jetzt nicht mehr“, erzählt der 13-Jährige. „Die Regeln wurden vereinfacht, es gibt zum Beispiel kein Abseits. Das macht es uns Schiedsrichtern leichter.“

Welche Regeln gelten, wie das Turnier abläuft und wo die Ergebnisse eingetragen werden müssen, ist unter anderem das Resultat der Planung von Christian Flader. Er ist Teil des Teams vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig, der das Turnier mit den Schulen veranstaltet. Für Flader ist der Vormittag des 3. Februar der krönende Abschluss einer langen und intensiven Planung. „Das Interesse, an dem Turnier teilzunehmen, war sehr groß.“ Fast 300 Schülerinnen und Schüler aus den 1. bis 7. Klassen der deutschen Schulen in ganz Nordschleswig haben sich angemeldet und 40 Teams auf die Beine gestellt.

Die Nordschleswig-Hallen-Masters finden zum ersten Mal statt. „Seit Edgar Claussen in Rente ist, haben wir keinen Kreisschulsportbeauftragten mehr. Für unsere Schulen bedeutet das, dass wir nicht mehr an offiziellen Turnieren in Schleswig-Holstein und Deutschland teilnehmen können“, erklärt Flader. Das sei schade, und damit die Schülerinnen und Schüler trotzdem bei gemeinsamen Events Sport machen können, überlegen sich die Verantwortlichen beim Jugendverband und dem Schulträger der deutschen Schulen, dem Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV), neue Formate wie die Hallen-Masters.

Nicht nur Schiedsrichter Erik, sondern auch die Mitschülerinnen und Mitschüler der auf dem Feld stehenden Teams nehmen die Hallen-Masters ernst.

Offiziell und inoffiziell hin oder her: Die Nordschleswig-Hallen-Masters treffen auf Begeisterung. Kinder treten in Mädchen-, Jungen- und Mixed-Teams gegeneinander an, jubeln sich zu und unterstützen auch die Kinder und Jugendlichen der anderen Schulen.

Dass Schülerinnen und Schüler aus den höheren Klassen auch die Spiele der jüngeren Klassen pfeifen können, ist ebenfalls neu und scheint gut zu funktionieren – Christian Flader wirkt zufrieden.

Kopfschmerzen bereitet dem Organisator noch die zuverlässige Nutzung der nun digitalisierten Spielplanung. „Wir lassen alles über die Plattform Tournify laufen“, sagt der Jugendverband-Teamleiter. Dort sind alle Teams, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, der detaillierte Spielplan sowie alle Ergebnisse zu finden. „Aber es muss sich noch besser einspielen, dass sich auch alle konsequent an die Nutzung der Plattform halten.“

Christian Flader hat die Zettelwirtschaft bei Veranstaltungen wie dem Hallen-Masters abgeschafft – alles läuft über eine App.

Von organisatorischen Stolpersteinen im Turnierablauf bekommt Erik Bartsch nur wenig mit. Er konzentriert sich auf das Fair-Play auf dem Spielfeld und trägt gewissenhaft die Spielergebnisse in die App ein.

Wer gerade nicht selbst spielt, verfolgt gespannt den Ball im Match anderer Teams.