Deutsche Minderheit

Mit Hammer und Säge: Ein Ruheraum für die Kinder der Kita Jürgensgaard

Veröffentlicht Geändert
Hanna, Edith und Emmelie waren die Ersten, die sich eine Auszeit in ihrem neu gestalteten Ruheraum nehmen konnten.

Lieblos und leer: Was tun mit dem tristen Zimmer im deutschen Kindergarten in Apenrade? Eltern haben Geld gesammelt, Materialien eingekauft und ihr handwerkliches Geschick zusammengetan, um aus einem verwaisten Zimmer in der Villa im Jürgensgaard einen hyggeligen Ruheraum zu zaubern.

Die Freude ist Hanna, Edith und Emmelie ins Gesicht geschrieben. Stolz kuscheln sich die drei Mädchen in die Holzhöhle ihres neuen Ruheraumes und warten, bis die anderen Kinder aus der Pinguin-Gruppe endlich die Tür hinter sich schließen. Im Deutschen Kindergarten Jürgensgaard haben die „Pinguine“ Einweihung gefeiert.

„Das ist cool hier, oder?“, fragt Hanna und steckt ihren Kopf durch ein ins Hochbett eingebautes Fenster. Und damit ist eigentlich fast alles gesagt.

Die Idee, den Kindern einen Ruheraum zu gestalten, hatte Elisa Busemann. Ihre Tochter Nora besucht den Kindergarten seit dem Sommer vergangenen Jahres. „Der Raum war dunkel und eher eine Abstellkammer“, erzählt sie. „Eigentlich schade“, dachte sie sich.

Hanna ist begeistert vom neu gestalteten Raum.

Es fehlte ein Rückzugsort

Zwar hat die alte Villa im Jürgensgaard ihren ganz eigenen Charme, aber die Räumlichkeiten sind begrenzt. Wer sich oben in den Kindergarten setzt, merkt schnell: Bei vielen herumtobenden Mädchen und Jungen ist es sehr wuselig auf der oberen Etage, die die Kindergartenkinder beherbergt. Die Krippenkinder – also alle Kinder, die jünger als drei Jahre alt sind – haben im Erdgeschoss ihren eigenen Bereich.

„Dass den Kindern ein ruhiger Ort fehlt, haben wir vor allem bei der Eingewöhnung unserer Tochter gemerkt“, sagt Busemann. Wenn es Nora zu wuselig gewesen ist, habe sie sich in das dunkle Zimmer zurückgezogen und ein Hörspiel gehört.

Kinder, die Ruhe suchen, sollten einen gemütlichen Ort haben, an dem sie eine kleine Pause einlegen können. „Ich habe den Leiter Aljoscha gefragt, ob ich mir den Raum mal vornehmen dürfte, und er hat sich über die Initiative gefreut.“ Also nahm Elisa Busemann die Sache in die Hand. Sie organisierte einen Flohmarkt im Kindergarten, um Spenden zu sammeln. „Mit dem Geld und einigen Spenden vom Sommerfest sind so ungefähr 3.000 Kronen zusammengekommen“, sagt die Mutter. Den Rest habe der Kindergarten beigesteuert.

Gute Kombination, um einen Ruheraum für Kinder zu gestalten: Mutter Elisa Busemann studiert Pädagogik und renoviert selbst ihr Zuhause.

Kindergartenleiter Aljoscha Heitsch ist von dem Engagement begeistert. „Der Raum war uns schon lange ein Dorn im Auge, aber irgendwie fehlte uns immer die Zeit dazu, das Projekt mal anzugehen.“ Dass Eltern die Initiative übernommen haben, findet er deshalb gleich doppelt gut. „Ich glaube, vielen ist gar nicht so bewusst, dass die Eltern in den deutschen Kindergärten eine ganz entscheidende Rolle spielen“, sagt der Pädagoge.

Damit spielt er darauf an, dass den Eltern in den Kindergärten per Satzung eine erhebliche Entscheidungsbefugnis zukommt. So müssen die Vorstandsmitglieder, die wesentliche Beschlüsse für die Einrichtung fassen, zu jedem Zeitpunkt mehrheitlich Eltern sein, die in keinem Angestelltenverhältnis zu dem Kindergarten stehen.

Getobt wird im Toberaum: Hier im Ruheraum können die Kinder sich mit einem Buch, einem Kuscheltier oder einem Hörspiel eine kleine Pause gönnen.

„Es ist schön zu sehen, wenn Eltern ihre Rolle zu schätzen wissen und ihren Kindergarten mitgestalten“, sagt Heitsch. Letztlich trage das dazu bei, dass alle – Kinder, Eltern und Personal – die Einrichtung als ihren Kindergarten wahrnehmen.

Gemeinsame Regeln

Im neuen Ruheraum finden die Kinder ein Hochbett mit Kuschelecken und gemütlichen Matten zum Liegen.

Die Kinder im Jürgensgaard würdigen das Engagement der Eltern auf jeden Fall mit großer Freude. Bevor die „Pinguine“ ihren neuen Ruheraum mit seinen sanften Farben und der Holzhöhle bestaunen durften, hat sich die Gruppe aber noch gemeinsam mit Aljoscha Heitsch über gemeinsame Regeln verständigt.

Gemeinsam überlegt die Gruppe, welche Regeln in dem neuen Ruheraum gelten sollen.

„Was denkt ihr denn, wie viele Kinder sollten auf einmal in dem Ruheraum sein dürfen? Was meinst du denn, Arthur?“, fragt der 33-Jährige. „Drei“, findet Arthur. „Vier“, finden andere Kinder. „Wir Erwachsenen finden auch, dass vier Kinder zur selben Zeit eine gute Anzahl ist“, sagt Heitsch in den Sitzkreis hinein und fragt: „Aber was meint ihr? Darf man sein Spielzeug mit in den Ruheraum nehmen?“

„Neeeeein“, sind sich alle einig. „Und was ist mit einem Kuscheltier?“, will er von den Kindern wissen. „Jaaa“ – da gibt es gar keinen Zweifel.

Nachdem auch geklärt war, dass der Ruheraum kein Toberaum ist – dafür gibt es schließlich den Toberaum – durften alle Kinder den Ruheraum noch gemeinsam bestaunen und erkunden, bis Hanna, Edith und Emmelie endlich ihre erste Auszeit im gemeinsamen Ruheraum genießen konnten.

Zur Einweihung durften alle Kinder ihren neuen Ruheraum bestaunen. Im Alltag sollen hier aber nur maximal vier Kinder auf einmal eine Auszeit nehmen.