Weltfrauentag

Marie Medow – eine Frau zwischen Beruf, Studium und Ehrenamt

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2018 übernahm Marie Medow die Leitung der Deutschen Bücherei Tondern.

Die 42-Jährige kam vor sieben Jahren nach Tondern. Sechs Monate später wurde sie in den BDN-Kulturausschuss gewählt. Die Frage, ob sie „die neue Hinrich“ ist, als die Nachfolgerin des BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen, beantwortet sie mit einem Grinsen.

Es gibt Menschen, deren Tag mehr als 24 Stunden zu haben scheint. Eine dieser Nimmermüden ist Marie Medow.

Sie arbeitet seit Februar 2018 als Leiterin in der Deutschen Bücherei Tondern. Sechs Monate nach ihrer Ankunft wurde die 42-jährige Bibliothekarin schon in den Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) gewählt. Im folgenden Jahr übernahm sie den stellvertretenden Vorsitz. Seitdem sind der Vorsitz im BDN-Ortsverein Tondern und im BDN-Bezirksverein dazugekommen.

Bei der Neuverteilung von Spitzenämtern in der deutschen Minderheit wurden zehn Frauen teils zu ihrer eigenen Überraschung als Kandidatin genannt, als sie im Mai 2023 im „Nordschleswiger“ als „die neue Hinrich“ ins Gespräch gebracht wurden. Also Nachfolgerin des BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen, der im Frühjahr 2026 auf eigenen Wunsch zurücktreten möchte. Auch Marie Medow zählte dazu, als gefragt wurde: „Wer könnte die neue Hinrich werden?“

Die Beste oder der Beste soll es machen.

Marie Medow

Auf die Frage, ob sie denn das höchste Amt in der Minderheit annehmen würde, lacht sie. „Ich glaube, das wäre für eine Zugezogene wie mich nicht sinnvoll. Das muss eine Person aus der Minderheit sein, die auch Sønderjysk beherrscht“, erklärt sie.

Es sei natürlich generell möglich und sinnvoll, auch Frauen als Kandidatinnen für dieses Amt vorzuschlagen. Sie würde es aber nicht am Geschlecht aufhängen. „Die oder der Beste soll es machen.“

Mit ihrer „Kundschaft“ führt Marie Medow einen kleinen Plausch.

Eine Feministin würde sie sich nicht nennen. „Ich bin Nutznießerin von dem, was andere Frauen vor mir in Bezug auf die Gleichberechtigung geschafft haben. Theoretisch hat es schon viele Errungenschaften gegeben, gesellschaftlich ist man aber noch nicht so weit“, unterstreicht sie.

An das Gendern, das ein Teil der Gleichberechtigung der Geschlechter ist, habe sie sich nur langsam gewöhnen können und gibt zu, keine feste Haltung zum Thema zu haben. „Aber je mehr dumme Gegenargumente kommen, desto überzeugter bin ich vom Gendern.“

Raus aus den Klischees

Wichtig sei es, dass die Gesellschaft aus ihren auf die Geschlechter bezogenen Klischees herauskommt. „Es wäre schön, wenn es klappen könnte, dass Kinder alles machen können, wozu sie Lust haben. Es tut sich etwas, aber es gibt noch viel Luft nach oben. Durch meine ersten neun Jahre in Berlin wurde ich durch den Einfluss aus dem Osten sozialisiert.“

In den östlichen Bundesländern sei es wie in Dänemark ganz normal, dass Frauen berufstätig sind. „In meinem Elternhaus gab es nicht auf Geschlechter fixierte Muster. Auch nicht bei meinen Großeltern. Das war nie ein Thema“, erzählt die politisch interessierte Frau.

Medow ist HSV-Anhängerin

Angesprochen auf ihren großen Aktionsradius, antwortet sie: „Ich bin schon immer sehr aktiv gewesen.“ Mit Freunden hatte sie zum Beispiel ein eigenes Plattenlabel und veranstaltete Konzerte, erinnert sich Marie Medow, die in Berlin geboren wurde, ab ihrem neunten Lebensjahr aber in Hamburg aufwuchs. In der Zeit in der Hansestadt wuchs auch ihre Liebe zum HSV, dem sie trotz Abstiegs und verpassten Aufstiegs immer noch die Treue hält.

Auch in Tondern legte sie gleich los: „Für mich war das Mithelfen meine Art, Menschen kennenzulernen und im Ort anzukommen. Es ist Teil des Sozialisierungsprozesses, der dazugehört.“

Marie Medow ist Fußballfan. Auf dem Foto war sie im vergangenen Sommer bei Spielen bei den Fußball-Europameisterschaften der Minderheiten in Tondern als Helferin im Einsatz (Archivfoto).

Ihr Engagement wurde auch außerhalb der Minderheit gerne in Anspruch genommen. So half sie früher als Bedienung, als in der Schweizerhalle noch die Tønder Revy gespielt wurde.

2019 fragte Jørgen Popp Petersen, ob sie beim Tønder Festival beim Regeln des Verkehrs beim Haupteingang helfen wollte. Auch zu ihm sagte sie nicht Nein. Festivalkontakte hat sie schon, da sie seit mehreren Jahren in der Musikkneipe Hagges Musik Pub hinter dem Tresen steht und auch den Abwasch übernimmt.

Marie Medow (Bildmitte) blieb bis in die frühen Morgenstunden im Rathaus, bis feststand, dass Jørgen Popp Petersen neuer Bürgermeister wird. Links im Bild die neu gewählte Stadtratspolitikerin der Schleswigschen Partei, Randi Damstedt (Archivfoto)

„Ich kann schon Nein sagen, aber das ist nicht so oft nötig gewesen“, sagt sie lachend.

Sie gehörte auch zu den Hartgesottenen, die im November 2021 bei den Kommunalwahlen bis in die Morgenstunden im Tonderner Rathaus ausharrten, bis feststand, dass Jørgen Popp Petersen neuer Bürgermeister wurde.

Im August 2021 war sie Teil des vierköpfigen Cateringteams, als eine Gruppe aus Nordschleswig und Südschleswig von Pattburg (Padborg) über Berlin bis nach Kopenhagen radelte.

Zum Studium nach Köln

Vor zwei Jahren nahm sie ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium in Köln auf. Im Rahmen des Präsenzstudiums musste sie auch mehrfach in ihren Studienort reisen. Die Vorlesungen fanden sonst online statt. Sie musste in dieser Zeit ihren Beruf und ihre Ehrenämter unter einen Hut bringen. Am Mittwoch hat sie ihre Masterarbeit abgegeben, die dem Deutschen Büchereiverband Nordschleswig als künftige Marketingstrategie dienen soll.

„Die vergangenen zwei Jahre waren krank anstrengend“, räumt sie ein und freut sich, dass jetzt Schluss ist. „Ich habe in den vergangenen Jahren versäumt, Urlaub zu machen. Ich hatte zwar frei, meinte aber immer, dass ich mich um etwas kümmern musste.“

Marie Medow nennt sich keine Leseratte, liest aber dennoch sehr gern.
Im Mai 2021 führte Marie Medow während der Corona-Zeit einen ungewöhnlichen Bücherverleih ein. Durch das offene Fenster erfüllte sie die Wünsche der Leserschaft.

Und sei es Hecke schneiden bei ihrem kleinen Haus, das sie sich vor einigen Jahren in Rohrkarr (Rørkær) gekauft hat. Der Nachbar hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass es an der Zeit war, erzählt sie lächelnd.