Deutsche Minderheit

Mariaheim Sonderburg – nun ein Zuhause für Jung und Alt

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Zwischen den älteren Bewohnerinnen und Bewohnern saßen am Sonnabend beim Adventsnachmittag des Frauenbunds auch jüngere Männer am Tisch.

Bei der Adventsfeier ließen sich nicht nur ältere Frauen, sondern auch mehrere Männer Brottorte und Stollen schmecken. Wie ein 22-Jähriger aus Esbjerg seine Sonderburger Unterkunft fand.

Das Mariaheim an der Møllegade mitten in Sonderburg wurde 1965 als Unterkunft für alleinstehende Frauen aus der deutschen Minderheit gebaut.

Seit einigen Jahren ziehen aber auch immer mehr Männer – ältere wie jüngere – in eine der 15 Wohnungen in unmittelbarer Nähe der Fußgängerzone ein. Dort wird Deutsch und Dänisch gesprochen.

Ruhige Nachbarn

Vor einem Jahr fand auch der 22-jährige Andreas Stenkjær aus Esbjerg dort seine Bleibe. Er ist Uhrmacherlehrling und gehört zum Team des Sonderburger Goldschmieds „Jacob Nielsen & Søn“. Auf das Mariaheim stieß er über Facebook.

„Es ist in Sonderburg nicht einfach, eine Unterkunft zu finden“, meint er. Jetzt verfügt er im Mariaheim über 55 Quadratmeter, die nur 600 Meter von seinem Arbeitsplatz entfernt liegen. „Und hier habe ich ruhige Nachbarn. Das gefällt mir“, meint der 22-Jährige.

Die alsische Gegend kannte er schon zuvor. Sein Vater kommt aus Schauby (Skovby) auf Alsen (Als). Für ihn waren Stollen und die hausgebackene Brottorte, die bei der Adventsfeier des Frauenbunds Sonderburg im Vortragssaal des Mariaheims gereicht wurden, also keine Neuheit. Das Interesse für ausgefallene und exklusive Uhren hat ein Nachschullehrer bei dem Jungen aus Esbjerg geweckt. „Da wusste ich, was ich später mal machen wollte“, so Andreas Stenkjær.

Andreas Stenkjær gefällt die ruhige Umgebung des Mariaheims.

Wenn sich keine Bewerberinnen melden

Für Renate Weber-Ehlers von der Stiftung Mariaheim passt sich das Damenstift mit der Anfrage vom männlichen Geschlecht den heutigen Verhältnissen an. Bald sind sechs der dortigen Mieterinnen und Mieter Männer. „Wir wünschen uns immer noch hauptsächlich deutsche Bewerberinnen aus der Minderheit. Aber wenn keine Bewerberinnen aus der Zielgruppe sich melden, dann vermieten wir auch an andere“, so Renate Weber-Ehlers.

Die jungen Mieter erhalten bei der ersten Besichtigung des Mariaheims Informationen. Die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen unter anderem gern ein wenig nach den Nachbarn schauen und der Leitung Bescheid geben, wenn es nebenan zu ruhig ist. In den Gängen können alle Anwohnerinnen und Anwohner sich gemütlich in den Sitzecken zu einer Tasse Kaffee und einem Klönschnack treffen. Im Mariaheim gibt es keine Hausordnung. Das war bislang nicht nötig.

Waltraut Thrams servierte den Teilnehmenden Brottorte.

Sehen, wie es weitergeht

Es hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert – auch für das Mariaheim. „Aber wir müssen sehen, wie es mal weitergeht“, so Renate Weber-Ehlers. Wenn es gar keine Bewerberinnen und Bewerber aus der deutschen Volksgruppe mehr gibt, könnte das Haus verkauft und könnten mit dem Geld verschiedene gemeinnützige Zwecke gefördert werden. Aber das ist Zukunftsmusik, so Renate Weber-Ehlers.

Ein gemütliches Beisammensein im Mariaheim. Andreas Stenkjær wollte auch die anderen Bewohnerinnen und Bewohner kennenlernen.