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Letzter Wunsch blieb erfüllt: Christel Hansen in den eigenen vier Wänden gestorben

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Christel Hansen aus Tingleff war ein überzeugtes Mitglied der deutschen Minderheit in Nordschleswig (Archivfoto).

Im hohen Alter von 98 Jahren ist Christel Hansen aus Tingleff verstorben. Sie wuchs als Minderheitenangehörige auf dem Gasthof in Bredewatt auf, der 1940 beim Einmarsch der Deutschen Wehrmacht Schauplatz eines Gefechts wurde und in die Geschichte einging.

Man kannte sie als energische und selbstbestimmte Frau, die bis ins hohe Alter allein zurechtkam. Das Herz von Christel Hansen hat nun aufgehört zu schlagen. Sie wurde 98 Jahre alt.

Für immer die Augen schloss sie in der Wohnung am Tværvejen in Tingleff, wo sie seit 2013 wohnte und sich sehr wohlfühlte. Es war ihr Wunsch, dort zu sterben, erzählt Sohn Uwe.

Tochter einer Gastwirtsfamilie

Christel Hansen wuchs als geborene Johannsen auf dem Gasthof der Eltern in Bredewatt (Bredevad) auf. Als Kind einer Familie der deutschen Minderheit besuchte sie die deutsche Schule in Bülderup (Bylderup) bzw. Lendemark. Später ließ sie sich im Haushalt ausbilden.

Im Teenageralter erlebte sie 1940 beim Einmarsch der Wehrmacht ein Gefecht mit dänischen Soldaten in der Nähe des Krugs mit. Das Ereignis, bei dem es Tote auf beiden Seiten gab, ging in die Geschichtsbücher ein.

Als junge Frau arbeitete Christel Hansen als Servicekraft im Missionshotel in Sonderburg (Sønderborg) und war in Haushalten tätig.

1956 heiratete sie Landwirt Iwer Hansen aus Behrendorf (Bjerndrup). Die Eheleute übernahmen seinen elterlichen Hof. Christel packte im Betrieb stets mit an.

Umzug nach Tingleff

Mitte der 80er Jahre übernahm Sohn Werner den Hof. Christel und Iwer Hansen zogen in ein Eigenheim am Skovfennen in Tingleff, wo sie ihren Ruhestand genossen und den Kontakt zu Nachbarn, Bekannten und zur deutschen Gemeinschaft pflegten.

Die Verstorbene engagierte sich in früheren Jahren im damaligen Tingleffer Krankenpflegerverein und hielt auch dem daraus resultierenden Sozialdienstverein die Treue. Auch der Nordschleswigschen Gemeinde war die überzeugte Angehörige der deutschen Minderheit verbunden. Sie war Kirchenvertreterin im Pfarrbezirk Tingleff und bis ins hohe Alter eine treue Gottesdienstbesucherin.

Ehemann Iwer verstarb 2007. Jahre später – 2013 – zog Christel Hansen in jenen Wohnkomplex am Tværvejen, wo sie einen engen und freundschaftlichen Kontakt zu anderen Bewohnerinnen und Bewohnern hatte, darunter Bekannte aus der Minderheit.

Man spielte Karten, traf sich zum Käffchen oder hielt einen Schnack. Besonders gern spielte Christel Hansen Rommikub. Wenn es mit dem Gewinnen nicht klappen wollte, war sie in der Regel eine gute Verliererin, versichert Sohn Uwe.

Belesen und informiert

Christel Hansen war belesen und ließ sich hin und wieder mit Lektüre aus der deutschen Bücherei versorgen. Sie verfolgte das Zeitgeschehen um sich herum, in der Minderheit und auch international aufmerksam mit.

Die Krugtochter legte zeitlebens Wert auf Korrektheit. Sie hatte einen ausgeprägten Ordnungssinn, der die Angehörigen mitunter in die Bredouille brachte, wie Sohn Uwe mit einem Schmunzeln bemerkt.

Christel Hansen genoss den Kontakt zu den Söhnen Uwe in Klipleff und Werner in Behrendorf (Bjerndrup), den Schwiegertöchtern und insbesondere zu den Enkeln und Urenkeln.

Sehr nahe ging Christel Hansen der tragische Tod ihres Enkels Nicklas, der im Juli dieses Jahres nach einer Kollision mit einem Zug an einem Bahnübergang seines Heimatortes Behrendorf verstarb. Sie hatte damit schwer zu kämpfen, berichtet Sohn Uwe.

Christel Hansen wird am 12. September beigesetzt. Die Trauerfeier in der Kirche zu Klipleff beginnt um 11 Uhr.