Integration

Kopfschütteln: Ausbildungsbereitschaft steht dauerhaftem Bleiberecht im Weg

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Zum Lachen ist Manu Pursun (l.) und Ralf Sehstedt wegen der Probleme mit einer unbefristeten Aufenthaltsgenehmigung eigentlich nicht zumute. Das Archivfoto zeigt das Paar, als es noch in Jündewatt wohnte und für Flüchtende aus der Ukraine ein Benefizkonzert veranstaltete.

Jitendranath Pursun ist in Dänemark verheiratet, lebt seit 2013 im Land, hat die Sprache gelernt, arbeitet und erfüllt weitere Kriterien, um als gebürtiger Mauritier eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Wenn da bloß nicht der Wille wäre, sich aus- und fortzubilden.

Ralf Sehstedt aus Tingleff versteht die Welt nicht. Die Tatsache, dass sein aus Mauritius stammender Partner Jitendranath „Manu“ Pursun eine Fachausbildung angestrebt und erfolgreich abgeschlossen hat, ist einem Antrag auf unbefristeten Aufenthalt in Dänemark in die Quere gekommen.

Laut Gesetzesvorgaben, die im Laufe der vergangenen Jahre fortwährend angepasst und verschärft wurden, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden, um eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung in eine permanente umzuwandeln. Gefordert ist unter anderem, dass Antragstellende in den zurückliegenden vier Jahren mindestens dreieinhalb Jahre in Beschäftigung waren.

Manu Pursun, der Ralf Sehstedt 2013 ehelichte und seitdem in Dänemark lebt, wurde im Juni 2021 bei der Meierei in Krusau (Kruså) angestellt. Zuvor hatte er im Grenzhandel südlich der Grenze gearbeitet.

Der Anstellungsvertrag bei der Meierei in Dänemark liegt mehr als vier Jahre zurück. Also alles in Ordnung. Das dachten sich Manu und Partner Ralf zumindest.

Schlag ins Kontor

„Bis wir auf den Hinweis gestoßen sind, dass die Ausbildung nicht als Beschäftigung mitzählt. Da sind wir aus allen Wolken gefallen“, berichtet Ralf Sehstedt, der nach wie vor nur ein Kopfschütteln für den in seinen Augen irrwitzigen Passus übrig hat.

Die Ausbildung zum Industriefacharbeiter als Teil der Arbeit in der Meierei machte Manu Pursun von September 2023 bis März 2025. „Das Skurrile ist, dass die Beschäftigungszeit vor der Ausbildung auch noch wegfällt. Das bedeutet, dass ein permanenter Aufenthalt vermutlich erst ab März 2029 möglich ist“, so Sehstedt.

Den Antrag auf dauerhaften Aufenthalt hatten Sehstedt und Pursun mehrmals gestellt. „Unser erstes Gesuch wurde abgelehnt, weil Manu da noch ein bisschen zu wenig verdiente. Unser zweites Gesuch wurde abgelehnt, weil der Arbeitsplatz in Deutschland lag. Von einem dritten Antrag wurde uns abgeraten, da man uns auf die Nicht-Mitrechnung von Fortbildungen aufmerksam machte. Da war er schon mitten in der Ausbildung", sagt Sehstedt. Der Antrag hätte erneut etwa 6.000 Kronen Verwaltungsgebühr gekostet.

„Manu nimmt das Ganze sehr mit. Er ist verunsichert und fühlt sich in Dänemark nicht willkommen. Er fühlt sich als unmündiger Bürger. Das ist schon bitter“, sagt Sehstedt betrübt.

Sein Partner habe nie Transferleistungen vom Staat erhalten, habe früh die geforderten Dänischkenntnisse unter Beweis gestellt und weitere Bedingungen für die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erfüllt. Dass es nun an einer angestrebten Ausbildung scheitert, sei paradox.

Ralf Sehstedt ist frustriert, dass die Gesetzgebung es seinem Partner so schwer macht, ein dauerhaftes Bleiberecht zu bekommen.

Nicht nachvollziehbar

„Von politischer Seite wird immer wieder hervorgehoben, wie wichtig und erstrebenswert es ist, dass Menschen, die nach Dänemark kommen, sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen und sich ausbilden. Und dann stellt eine Ausbildung einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung ein Bein. Das versteht doch kein Mensch“, wettert Sehstedt.

„Ich finde es auch merkwürdig, dass eine Beschäftigung kurz hinter der Grenze nicht mitgezählt wird. Wir leben doch in der EU“, so der ehemalige Jündewatter, der mittlerweile in Tingleff lebt.

Da ein Antrag auf permanenten Aufenthalt bereits mehrmals abgelehnt wurde, hat sich bei Manu Pursun Resignation breitgemacht. Er überlässt es Ralf Sehstedt, weiter dagegen anzukämpfen.

„Es geht mir nicht nur um unseren Fall, sondern auch um andere Menschen, die in eine solche Situation kommen oder in einer solchen vielleicht sind.“

Sehstedt hat sich an Folkeketingspolitikerin Karina Lorentzen Dehnhardt (SF) gewandt. „Sie kommt ja aus Nordschleswig“, so Ralf Sehstedt.

Ralf Sehstedt mit diversen Dokumenten zum permanenten Aufenthalt, der seinem aus Mauritius stammenden Partner trotz vieler Jahre in Dänemark verwehrt bleibt

Handlungsbedarf

Er hat der Politikerin aus Kolding den Fall geschildert. „Sie hat unser Schreiben und unseren Fall den Mitgliedern des Integrationsausschusses vorgelegt und eine offizielle Anfrage an den Integrationsminister Kaare Dybvad Bek gestellt“, ergänzt Sehstedt, der mit seinem Partner auch selbst ein Schreiben an das Ausländer- und Integrationsministerium adressiert hat. Über das Verständnis und den Einsatz der Politikerin habe er sich gefreut, so der Tingleffer.

„Leider gab es eine ernüchternde Antwort. Der Minister verweist einfach nur auf die gesetzliche Vorgabe, dass Ausbildung nicht als Beschäftigung zählt“, so Sehstedt enttäuscht.

Dokumente zum Fall Sehstedt/Pursun

„Dann muss das Gesetz eben geändert werden. Es ist doch hanebüchen. Nahezu alle, die von der Sache gehört haben, sind da einer Meinung. Jetzt ist die Politik an der Reihe“, so Sehstedts Appell.

So sieht es auch Karina Lorentzen Dehnhardt. Allerdings befürchtet sie, dass hier und jetzt keine Änderungen erreicht werden.

„Ich glaube nicht, dass sich etwas ändert, ehe wir eine neue rote Regierung bekommen. Es ist absolut verrückt, dass die Gesetzesvorgaben so sind. Ich kann verstehen, dass die beiden es unfair finden, wenn er (Manu, red. Anm.) jeden Tag seinen Beitrag leistet und dafür keine Anerkennung bekommt“, so die Oppositionspolitikerin in einer Mailantwort an den „Nordschleswiger“.

In der vorherigen Legislaturperiode mit S-Regierung habe es nicht zur Debatte gestanden, dass Ausbildung als Beschäftigung mitgezählt wird, so Lorentzen Dehnhardt.

Lieber nicht noch mehr Ausbildung

Manu Pursun hat die Ausbildung zum Industrietechniker mit Bravour bestanden und ist gefragt worden, ob er sich nicht zum Meieristen weiter ausbilden lassen wolle.

„Das findet Manu reizvoll, und er könnte sich das gut vorstellen. Die Ausbildung dauert aber drei Jahre. Die Möglichkeit auf einen permanenten Aufenthalt würde sich entsprechend verschieben und wäre nach jetziger Sachlage erst 2032 möglich. Manu tendiert daher eher dazu, die Finger davon zu lassen. Das ist doch verrückt, da kann ich mich nur wiederholen.“

Hinzu kommen ergänzende Bedingungen, von denen mindestens zwei erfüllt sein müssen. Werden alle vier ergänzenden Bedingungen erfüllt (Dänischprüfung 3, mindestens vier Jahre Beschäftigung, Staatsbürgerschaftsprüfung bestanden oder ehrenamtlich engagiert und ein Jahreseinkommen von durchschnittlich rund 331.000 Kronen), ist die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung bereits nach vier Jahren mit Wohnsitz in Dänemark möglich.

Quelle: Ny i Danmark