Tradition

Knut Erichsen: 50 Jahre Freundschaft, Brüderlichkeit und eine Rüge

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Knut Erichsen in der Gildetracht: Zylinder, weiße Fliege und Frack

50 Jahre ist Knut Erichsen Mitglied in der Apenrader Schützengilde. Dafür wurde er kürzlich geehrt. Im Gespräch erzählt er, was die Gilde für ihn bedeutet und warum er einmal gerügt wurde.

„50 Jahre sind eine lange Zeit für mich (…), aber für die Gilde ist es nur eine kleine Brise in der Zeit“, sagte Knut Erichsen bei seiner Ehrung für seine 50-jährige Mitgliedschaft in der Apenrader Schützengilde (Aabenraa Skyttelaug).

Nur wenige mit diesem Ehrenabzeichen

Nur wenige erhalten diese Ehrenauszeichnung. Drei Mitglieder oder Brüder, wie sie genannt werden, haben aktuell die Ehrennadel am Revers stecken. Für Erichsen aber nicht nur deshalb eine große Ehre, wie er findet. Bruder zu sein, sei mehr, sagt er.

Für den gebürtigen Lügumklosteraner, der seit vielen Jahrzehnten in Apenrade lebt, ist die Gilde ein Ort der Freundschaft, des Zusammenhalts – und der Traditionen.

Die Nadel mit der 50 wurde Erichsen bei einer der wichtigsten Zusammenkünfte überreicht: Freitag vor. Es handelt sich dabei um den Freitag vor Pfingsten. An diesem Tag treffen sich die Gildemitglieder am Brundlunder Schloss und marschieren von dort – gekleidet in Anzug, Krawatte und blank geputzten Schuhen – zum Schützenhof – so wie seit 1734, dem Jahr der Gründung.

Die Ehrenabzeichen von Knut Erichsen: An oberster Stelle die Ehrennadel für 50 Jahre Mitgliedschaft.

Dritter Pfingsttag mit dem wichtigsten Ereignis des Jahres

Bei der Versammlung werden offizielle Tagespunkte abgearbeitet – dazu gehören auch die Ehrungen – und neue Mitglieder feierlich begrüßt. „Danach wird gemütlich gefeiert“, berichtet der Jubilar. Manchmal ging es erst im Morgengrauen nach Hause, fügt der Vater dreier Kinder lachend hinzu.

Die wichtigste Veranstaltung im Jahr ist der dritte Pfingsttag, der Dienstag nach Pfingsten. Dann trifft sich die Gilde zunächst im prächtigen Saal des alten Apenrader Rathauses und marschiert von dort – gekleidet in Zylinder, Frack, weißem Hemd, weißer Fliege, weißen Handschuhen, mit einer Nelke am Revers und im Lauf des Holzgewehrs – zum Schützenhof, wo das Königsschießen stattfindet.

Dabei habe es einmal eine Rüge vom Hauptmann (die Grade in der Gilde sind vom Militär übernommen) gegeben, so Erichsen schmunzelnd. „Wir waren am Rathaus aufgestellt und sollten losmarschieren, als meine Tochter Dorthe mich entdeckte und unbedingt an meiner Hand mitgehen wollte. Wer kann einer Dreijährigen so eine Bitte abschlagen?“, erzählt er. Vom Rathaus bis zum deutschen Kindergarten am Jürgensgaard ging die Kleine mit. Die Rüge nahm Knut Erichsen gerne in Kauf.

Knut Erichsen am Apenrader Hafen in der traditionellen Festkleidung, die auch beim Königsschießen getragen wird.

Als Rekrut Zeichen setzen

„König zu werden, ist mir bisher leider nicht gelungen“, sagt Knut Erichsen enttäuscht. Er wäre gerne mit Gattin Inge zum Königstanz über das Parkett geschwebt, denn an diesem Tag sind auch die Partnerinnen zum abendlichen Fest geladen. Dafür habe er jedoch vieles anderes erleben dürfen.

„Als ich aufgenommen wurde, wollte ich mit den ebenfalls neu aufgenommenen Brüdern ein Zeichen setzen. Wir wollten zeigen, dass wir auch feiern konnten und haben bis zum frühen Morgen durchgehalten“, erinnert er sich.

„Willst du uns erschießen?“

Er erinnert sich noch gut an einen Morgen nach solch einer Zusammenkunft. Erichsen kam in der Frühe an der Bäckerei vorbei, wo der Duft frisch gebackener Brötchen an seiner Nase vorbeizog. „Da wollte ich meiner Familie einen Gefallen tun und Frühstück mitbringen.“ Mit dem Holzgewehr in der Hand ging es in die Backstube, „wo die Bäckersfrau fragte: ‚Willst du uns erschießen?‘ und ich nur sagte: ‚Nein, ich möchte nur sechs Brötchen kaufen‘, woraufhin wir beide lachten.“

So ausgelassen geht es nur am Freitag zu. Ansonsten werde sehr viel Wert auf Anstand und Würde gelegt, so Erichsen, der besonders die alten Traditionen und Werte der Gilde so sehr schätzt.

Zusammenhalt und Gleichheit

„Der Zusammenhalt ist etwas Besonderes.“ Streit gebe es nicht, ebenso wenig wie Politik oder Geschäfte. „Wir unterhalten uns privat. Alle in der Gilde sind gleich und werden gleichwertig behandelt. Wir sind Brüder“, sagt der 84-Jährige.

Das könne er auch bei den jungen Rekruten, wie die neuen Mitglieder genannt werden, sehen. „Die sind alle sehr interessiert und halten unsere Traditionen und Werte hoch“, sagt er.

Sehr bewegend sind die Momente, „in denen wir als Ehrenwache bei der Beisetzung eines Schützenbruders dabei sind“, erzählt er. Das seien bewegende Momente, denn „man kennt sich so lange, hat viel miteinander erlebt und dann steht man mit nur wenig Abstand vom Sarg entfernt und nimmt gemeinsam mit der Familie Abschied.“

Verteidigung der Stadt als Grundgedanke

Als die Schützengilde gegründet wurde, basierte sie auf deutschen Traditionen. Damals waren es noch praktische Gründe, weshalb sich Kaufleute und Handwerker – so ist es auch heute noch – zusammenfanden. Man wollte die Stadt verteidigen können. Dafür wurde das Schießen geübt.

Noch heute gibt es die preußischen Militärtraditionen, das Marschieren und die traditionelle Kleidung. Auch deutsche Lieder werden noch gesungen. „Aber nach dem Krieg musste die Gilde sich neu finden, und das Dänische trat in den Vordergrund“, berichtet Erichsen, der sich allerdings trotz seiner Minderheitenherkunft immer willkommen fühlte, wie er sagt.

Veränderungen? Ja, die habe es gegeben, aber „die Gilde bietet eine Stabilität in einer sich schnell verändernden Zeit mit Unruhen und einer ungewissen Zukunft“, hebt Knut Erichsen hervor und ist sehr stolz auf seine Auszeichnung.

Apenrader Schützengilde – Aabenraa Skyttelaug