Nachruf

Ingrid Irgens prägte Generationen – und blieb Nordschleswig treu

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Die Familie, der Freundes- und Bekanntenkreis und hunderte ihrer ehemaligen Schülerinnen und Schüler trauern um Ingrid Irgens.

Geboren in der Batschka, aufgewachsen nach der Flucht in Norddeutschland, fand die Donauschwäbin ihr Zuhause im deutsch-dänischen Grenzland. Als Lehrerin und Pastorenfrau hinterließ sie bleibende Spuren. Sie wurde 88 Jahre alt.

Im Alter von 88 Jahren ist Ingrid Irgens in ihrer nordschleswigschen Wahlheimat verstorben. Der Trauergottesdienst findet am Sonnabend, 28. Juni, ab 14 Uhr in der Nicolaikirche statt.

Geboren wurde Ingrid Irgens in der Batschka (einst zum österreich-ungarischen Königreich gehörend) als Älteste von drei Kindern einer donauschwäbischen Familie. Schon als Kind trug sie große Verantwortung: Während ihr Vater in Kriegsgefangenschaft war, begleitete sie mit nur acht Jahren ihre Mutter und jüngeren Geschwister auf der dramatischen Flucht gen Norden. Nach einer kurzen Station bei Rostock führte der Weg weiter in Richtung Hamburg, wo die Familie später mit dem schwer verletzten, aber überlebenden Vater wiedervereint wurde.

In Schleswig-Holstein fand die Familie schließlich eine neue Heimat. Der Vater, ursprünglich Lehrer, nahm zunächst eine Anstellung als Landarbeiter an, bevor er wieder unterrichten konnte. Ingrid besuchte die Schule in Elmshorn, wohin sie täglich mit dem Zug pendelte – auf diesen Fahrten begegnete sie einem jungen Mann namens Günther Irgens.

Ingrid Irgens in memoriam

Was als flüchtige Bekanntschaft begann, entwickelte sich später, während des Studiums in Hamburg und Kiel, zu einer tiefen Verbindung. Ingrid und Günther heirateten und wurden Eltern von zwei Töchtern – Uta und Katrin.

Nordschleswig statt Südafrika

Der Wunsch ihres Mannes, als Pastor einige Jahre im Ausland zu arbeiten, führte die Familie nicht in die Ferne, sondern in den Norden: nach Nordschleswig. Eigentlich war das Ziel Südafrika, doch das Tropeninstitut riet ab. Sein Körper wäre für das Klima nicht geeignet, lautete das damals niederschmetternde Urteil.

Während Günther Irgens stattdessen eine Pfarrstelle in der Nordschleswigschen Gemeinde in Süderwilstrup (Sdr. Vilstrup) übernahm, begann Ingrid Irgens ihre Tätigkeit als Lehrerin für Deutsch und Religion am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade. Die Familie zog 1974 ins Pastorat in Kelstrup.

Ingrid Irgens war nicht nur Lehrerin mit Leib und Seele, sondern auch Mutter und Pastorenfrau – ein Leben mit vielfältigen Aufgaben. Sie engagierte sich mit Herzblut in der Gemeinde, baute einen Frauenkreis mit auf und gründete einen eigenen Chor. Obwohl Auslandsaufenthalte für Pastorenstellen in der Regel befristet sind, entschied sich die Familie, dauerhaft in Nordschleswig zu bleiben.

Nach der Emeritierung ihres Mannes im Jahr 1995 – gesundheitlich bedingt und nach überstandenen schweren Erkrankungen – zog das Ehepaar in ein Anwesen in Barsmark auf der Halbinsel Loit. Zwei Jahre später verstarb Günther Irgens plötzlich im Alter von nur 59 Jahren an einem Herzinfarkt.

Ein neues Glück

Ingrid Irgens fand später neues Glück an der Seite von Volker Lindemann. Tochter Katrin bezeichnet es im Nachhinein als „Fügung des Schicksals“, dass ihr Vater wenige Wochen vor seinem Tod die Trauerfeier für die an Krebs gestorbene Frau des ehemaligen Kollegen seiner Ehefrau hielt.

Was zwischen Ingrid Irgens und Volker Lindemann als Freundschaft begann, wurde zu einer tragfähigen, liebevollen Partnerschaft, die rund 26 Jahre währte. Sie zogen gemeinsam an den Surkær in Apenrade. Als seine Gesundheit zunehmend Pflege erforderte, kam Volker Lindemann in ein Heim – im Februar vergangenen Jahres folgte auch Ingrid Irgens. Dank glücklicher Umstände konnten beide im selben Pflegeheim leben und ihren Alltag miteinander teilen.

Trotz gesundheitlicher Einschränkungen blieb Ingrid Irgens geistig wach, humorvoll und schlagfertig. Beim Ehemaligenfest des Gymnasiums, das sie mit Rollator gemeinsam mit ihrem Partner besuchte, war die Freude über das Wiedersehen mit ehemaligen Schülerinnen und Schülern auf beiden Seiten groß.

Ihre Töchter haben unterschiedliche Wege eingeschlagen: Katrin Irgens, die heute in Hejlsminde lebt, wurde Lehrerin – wie ihre Mutter. Uta Irgens ist Biologin und arbeitet als Qualitätsmanagerin in Frankfurt am Main. Beide haben jeweils das Leben der Mutter um einen Enkelsohn bereichert.

Mit Ingrid Irgens verliert die deutsche Minderheit in Nordschleswig eine engagierte Pädagogin, eine kluge und warmherzige Persönlichkeit und eine Frau, die sowohl beruflich als auch privat über Jahrzehnte prägende Spuren hinterlassen hat.